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Es war einer dieser Abende, an denen selbst die Möwen lieber im Hafen bleiben: Wind, Nieselregen und ein Flutlicht, das eher an eine müde Straßenlaterne erinnerte. Trotzdem strömten über 30.000 Zuschauer ins Aalborger Stadion - und sie bekamen ein Spiel zu sehen, das ihnen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Am 14. Spieltag der 1. Liga Dänemark setzte sich Brabrand BK mit 2:1 (1:1) gegen Aalborg SC durch - dank eines späten Treffers des eiskalten Fernando Arrondo. Dabei hatte alles so gut für die Gastgeber begonnen. Nach 26 Minuten war es der erfahrene Rechtsaußen Claus Munk, der nach feinem Zuspiel von Ludvig Berg den Ball wuchtig unter die Latte drosch. "Ich hab einfach draufgehalten - wenn du nachdenkst, ist der Moment schon vorbei", grinste Munk später mit noch dampfendem Trikot. Aalborg führte, das Stadion tobte, die Regenschirme flogen. Trainer Andreas Depner pumpte die Faust in den grauen Himmel - ein Bild für die Vereinschronik, dachte man. Doch Brabrand wäre nicht Brabrand, wenn sie sich davon beeindrucken ließen. Nur sieben Minuten später zirkelte Helmut Winter einen Pass in den Lauf des pfeilschnellen Bertil Laugesen, der den Aalborger Keeper Jan Ali humorlos überwand. 1:1 - und die Gäste hatten plötzlich Oberwasser. "Wir wussten, dass Aalborg gern den Ball hat", erklärte Brabrand-Trainer Kersten Rittner später. "Aber Ballbesitz ist wie ein Haustier: nett, aber bringt dir nicht unbedingt Punkte." Aalborg kombinierte sich zwar mit 57 Prozent Ballbesitz elegant durchs Mittelfeld, doch vorne fehlte oft der letzte Biss. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: 7 Torschüsse der Hausherren standen 17 Abschlüssen der Gäste gegenüber. Wäre nicht der junge Torwart Jan Ali mehrfach mit Katzenreflexen dazwischengegangen, Brabrand hätte das Spiel schon früh entscheiden können. Nach der Pause kam Bewegung in die Partie - und in Brabrands Aufstellung. Torhüterwechsel, zwei neue Außen, und plötzlich lief der Ball noch geschmeidiger. Besonders der 22-jährige Walter Scherer, frisch eingewechselt im linken Mittelfeld, belebte das Spiel. Er war es auch, der in der 77. Minute den entscheidenden Moment einleitete: Mit einem beherzten Sprint über den Flügel und einer butterweichen Flanke fand er Fernando Arrondo, der per Kopf aus kurzer Distanz traf. 2:1 für Brabrand - und das Stadion verstummte schlagartig. Aalborg versuchte alles, drängte in den letzten Minuten mit Verzweiflung und viel Herz. In der 90. Minute zog Christoffer Möller noch einmal ab - doch Brabrands Ersatzkeeper Cameron Warrington lenkte den Ball spektakulär über die Latte. "Ich war eigentlich schon in Gedanken beim Abendessen", witzelte der Engländer später, "aber dann kam der Schuss - und mein Magen muss eben warten." Trainer Depner wirkte nach dem Abpfiff sichtlich bedient. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber Kontrolle schießt keine Tore", knurrte er und stapfte Richtung Kabine. Sein Gegenüber Rittner dagegen zeigte sich mit einem verschmitzten Lächeln: "Wir haben unsere Chancen genutzt. Das ist im Fußball manchmal schon alles, was zählt." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Respekt. Denn Aalborgs Spieler hatten sich zerrissen, gelaufen, gekämpft. Doch gegen einen Gegner, der taktisch klug (offensiv, aber diszipliniert) und mit voller Wucht auf Sieg spielte, reichte es eben nicht. Ein kleines Kuriosum am Rande: Als der eingewechselte 17-jährige Ansgar Enevoldsen in der 50. Minute erstmals den Ball berührte, rief ein älterer Fan hinter der Pressetribüne: "Der ist ja noch jünger als mein Enkel!" - woraufhin ein Kollege trocken antwortete: "Aber deiner hat hoffentlich keinen Laugesen als Gegenspieler." So endete ein unterhaltsamer Fußballabend mit einer Lektion in Effizienz. Aalborg hatte den Ball, Brabrand die Tore - und das ist, wie man weiß, die Währung, die in dieser Liga zählt. Oder, um es mit den Worten von Torschütze Arrondo zusammenzufassen: "Manchmal musst du einfach nur den richtigen Moment erwischen. Heute war’s meiner." Und während die Aalborger Fans im Regen nach Hause trotteten, grinste irgendwo in Brabrand ein junger Linksaußen namens Scherer in seine heiße Kakao-Tasse - wissend, dass sein Assist vielleicht der Anfang von etwas Größerem war. 18.06.643987 17:15 |
Sprücheklopfer
Da sieht man die Kunst der Ärzte. Zu meiner Zeit wäre eine Amputation nötig gewesen.
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