Football Today
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Bournemouth stolpert, Southampton jubelt: 1:2 im Küstenduell

Wenn zwei Nachbarn aus der englischen Südküste aufeinandertreffen, geht es selten leise zu - und auch an diesem 4. Spieltag der Premier League (oder wie sie hier offiziell heißt: 1. Liga England) wurde in Bournemouth nicht geflüstert, sondern geflucht, gerufen und gejubelt. Am Ende setzte sich der FC Southampton mit 2:1 beim Bournemouth FC durch - ein Ergebnis, das den 37.037 Zuschauern im Vitality Stadium eine ganze Palette an Emotionen bescherte.

Dabei begann alles recht harmlos. Die erste Halbzeit war ein Muster an englischer Zurückhaltung: viel Einsatz, wenig Ertrag. Bournemouth hatte mehr Ballbesitz (53,6 Prozent) und schoss häufiger aufs Tor (14:11), aber die Saints hielten mit robuster Physis dagegen. Trainer Raffael Vogelsang, der an der Seitenlinie mit einer Mischung aus Operndirigent und Vulkan agierte, brüllte seine Elf unermüdlich nach vorne. Doch der Ball wollte einfach nicht rein.

"Wir hätten in der ersten Halbzeit in Führung gehen müssen", knurrte Vogelsang nach Abpfiff. "Aber wir haben uns selbst im Weg gestanden - und Southampton hat das gnadenlos ausgenutzt."

Und tatsächlich: Nach der Pause kippte das Spiel. In der 56. Minute nutzte Gerritt Van Cortlandt die erste echte Unachtsamkeit der Bournemouth-Abwehr. Nach einem scharfen Pass von Gabri Yanez zog der 23-Jährige von rechts nach innen und schweißte den Ball trocken ins lange Eck. 0:1 - und plötzlich war Ruhe im Stadion, abgesehen von den gut 2000 mitgereisten Saints-Fans, die klangen, als wären sie doppelt so viele.

Bournemouths Antwort ließ aber nicht lange auf sich warten. In der 73. Minute kombinierten sich die Hausherren endlich einmal so, wie Vogelsang es wohl in seinen nächtlichen Taktikträumen vorsieht: Harrison McGeady flankte punktgenau auf Ashton Millington, der aus kurzer Distanz einköpfte. Der 31-jährige Linksaußen riss die Arme hoch, schrie seine Freude in den Nachthimmel - und man spürte kurz, wie das Stadion wieder lebte.

"In dem Moment dachte ich, jetzt drehen wir das noch", sagte Millington später. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert."

Denn nur sechs Minuten später kam der nächste Dämpfer - und was für einer. Ein Angriff über die linke Seite, Billy Benett tänzelte an zwei Gegenspielern vorbei, legte quer auf den aufgerückten Linksverteidiger Matthew Finnan, der den Ball humorlos in die Maschen drosch. 1:2 in der 79. Minute, und Southampton jubelte, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Finnan. "Und ehrlich gesagt, ich wollte eigentlich flanken."

Danach wurde es ruppig. Southampton zog sich zurück, spielte auf Konter, Bournemouth rannte an - manchmal kopflos, manchmal verzweifelt, aber nie wirklich zwingend. In der 90. Minute holte sich Torschütze Finnan noch eine Gelbe Karte ab, nachdem er einen gegnerischen Konter mit einem beherzten Griff ans Trikot stoppte. "Taktisches Foul", meinte er später trocken, "ich nenne es Lebensversicherung."

Der junge Schiedsrichter hatte alle Hände voll zu tun, denn die Emotionen kochten hoch. Selbst die Balljungen schauten nervös, als in der Nachspielzeit Harrison McGeady noch einmal frei vor dem Tor auftauchte - doch sein Schuss in der 94. Minute landete in den Armen von Keeper Gabriel Clancy. Ein Raunen ging durchs Stadion, dann der Abpfiff.

Southampton-Trainer Michael Böning, sonst eher wortkarg, war nach dem Spiel erstaunlich gelöst. "Wir haben uns reingebissen. Gerritt und Matthew haben ihre Chancen genutzt, und hinten standen wir stabil. Naja, meistens", sagte er mit einem Augenzwinkern. Sein junger Innenverteidiger Evan Gage, der nach der Verletzung von Carles Ordono in der 66. Minute eingewechselt wurde, wirkte stolz: "Ich hab’ gezittert, aber Coach meinte nur: ’Mach’s einfach besser als Carles.’ Und ich dachte: Challenge accepted."

Am Ende stand ein verdienter, wenn auch hart erkämpfter Sieg für Southampton, die sich mit cleverer Spielanlage und etwas mehr Kaltschnäuzigkeit durchsetzten. Bournemouth dagegen bleibt das Rätsel einer Mannschaft, die schön spielt, aber zu selten belohnt wird.

Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne formulierte, bevor er mit seinem Plastikbecher winkte: "Wir haben mehr Ballbesitz, mehr Chancen - und trotzdem weniger Tore. Typisch Bournemouth, oder?"

Vielleicht war es Pech, vielleicht fehlte die letzte Gier, vielleicht einfach nur ein Abend, an dem der Fußball wieder einmal seine Lieblingsrolle spielte: die des unberechenbaren Dramatikers.

Eines ist jedenfalls sicher: Wenn Bournemouth und Southampton das nächste Mal aufeinandertreffen, sollte man sich den Abend freihalten - für 90 Minuten voller Leidenschaft, Flanken, Flüche und vielleicht, ganz vielleicht, etwas mehr Glück für die Gastgeber.

16.12.643993 06:07
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Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)
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