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Ein Freitagabend, Flutlicht, 34.956 Zuschauer im KCOM Stadium - und ein Spiel, das so schwankte wie das nordenglische Wetter: Mal sonnig, mal stürmisch. Am Ende jubelte Bournemouth FC über ein 3:2 bei den Hull Tigers, ein Sieg, der genauso hart erkämpft war, wie das Ergebnis klingt. Schon nach acht Minuten war klar, dass die Gäste aus der Südküste heute nicht zum Sightseeing gekommen waren. Michael Baskin, 21 Jahre jung und mit mehr Selbstvertrauen als Rasierer im Bad eines Models, traf eiskalt nach Vorlage des Teenagers Leo McGowan. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Baskin später, "und gehofft, dass der Torwart noch den Kaffee in der Hand hat." Tatsächlich wirkte Hulls Keeper Joel Eliot in dieser Szene einen Tick zu spät wach. Doch Hull antwortete mit der Energie eines Teams, das sich den Spitznamen "Tigers" verdient hat. In der 20. Minute war es Connor Wiltshire, der nach einem langen Ball von Innenverteidiger Joao Munoz den Ausgleich erzielte - ein klassisches englisches Tor: hoch, weit, wuchtig. "Das war Rugby in Fußballschuhen", kommentierte ein grinsender Zuschauer auf der Tribüne, während Wiltshire jubelnd in Richtung Trainer Mathias Oergel sprintete. Die Freude hielt jedoch nur fünf Minuten. Bournemouths Routinier Ethan Lankford, 31, köpfte nach einer Ecke von Harrison Barrymore (nein, nicht der Schauspieler) die erneute Führung. "Wir haben bei Standards geschlafen", knurrte Oergel später. "Und wer schläft, kassiert." Mit einem 1:2-Rückstand ging Hull in die Pause. Oergel wechselte, brachte Isaac Lankford für den verwarnten Munoz - ein Tausch, der sich später als Fluch und Segen zugleich herausstellen sollte. Denn Isaac kassierte in Minute 75 ebenfalls Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch da bin", rechtfertigte er sich. "Das hat der Schiri wohl zu wörtlich genommen." Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag: Bournemouths 19-jähriger Mittelfeldmotor Leo McGowan traf in der 53. Minute mit einem präzisen Schlenzer - sein erster Profitreffer überhaupt. "Ich hab den Ball gesehen, dachte kurz an meine Mathehausaufgaben, und dann war er drin", sagte McGowan, noch halb ungläubig. 3:1 stand es, und Hull schien geschlagen. Doch wer die Tigers kennt, weiß: Sie geben nie klein bei. In der 73. Minute fasste sich Antonio Hernando ein Herz, zog aus 20 Metern ab - und donnerte den Ball ins Netz. Der Anschlusstreffer weckte das Stadion. "Da hat’s kurz vibriert", meinte ein Ordner später. Hull warf nun alles nach vorn, Oergel ließ Pressing spielen ("jetzt oder nie") und Bournemouth zog sich zurück, wie eine Schildkröte bei Regen. Wiltshire, Hernando, sogar der junge Xabier Nene (17) kamen zu Chancen, doch Bournemouths Torhüter Samuel Cochran hielt mit stoischer Ruhe. "Ich dachte, wenn ich mich nicht bewege, schießen sie vielleicht daneben", witzelte er später. Und tatsächlich: Hull traf das Tor nicht mehr. Drei Gelbe für Hull (Munoz, Isaac Lankford, Chamberlain), eine für Bournemouth (Davonport) - es war kein böses, aber ein intensives Spiel. Beide Teams kamen auf je elf Torschüsse, der Ballbesitz lag fast ausgeglichen: 48 zu 52 Prozent - ein Spiegelbild des Abends. Bournemouths Trainer Raffael Vogelsang zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben gut kombiniert, aber stellenweise verteidigt wie beim Beach Soccer. Trotzdem: Drei Punkte sind drei Punkte." Kollege Oergel hingegen stapfte mit zusammengekniffenen Lippen in die Kabine. Auf die Frage, was er der Mannschaft sagen werde, antwortete er trocken: "Dass wir nächste Woche Ecken verteidigen üben. Und zwar alle - sogar der Zeugwart." Am Ende blieb ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Emotionen und eine Prise Chaos. Hull kämpfte bis zum Schluss, Bournemouth war cleverer. Die Zuschauer gingen mit dem Gefühl nach Hause, ein ehrliches, englisches Zweitligaspiel gesehen zu haben - voller Herz, Schweiß und leichtem Wahnsinn. Und irgendwo in der Nacht, zwischen den leeren Plastikbechern und den klirrenden Stadiontoren, sagte ein alter Fan leise zu seinem Kumpel: "Wenn die Tigers so weiterspielen, kriegen sie irgendwann auch mal das Glück, das sie verdienen." - Vielleicht schon nächste Woche. 13.04.643990 19:04 |
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