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| L’Equipe |
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Ein kalter Januarabend, 28. Spieltag der 1. Liga Frankreich: 29.541 Zuschauer im Stade Marcel-Picot sahen ein 2:2 zwischen dem FC Nancy und Champagne AC - ein Spiel, das so viel Tempo, Dramatik und zwischendurch auch Slapstick bot, dass man glatt vergessen konnte, dass es um Punkte ging. Nancy begann mutig. Trainer Manuel Schaminet hatte seine Elf offensiv eingestellt, und schon nach neun Minuten prüfte Christophe Fortin mit einem satten Linksschuss den Gästekeeper Jean-Pierre Caron. Der wehrte spektakulär ab, schimpfte aber dabei lautstark auf seine Abwehr: "Wenn ich noch einmal so allein gelassen werde, spiel ich nächste Woche im Sturm!" Ein Satz, der später auf Twitter seine Runde machte. Die Heimmannschaft drückte weiter, kam über die Flügel, kombinierte gefällig - und in der 37. Minute platzte der Knoten. Rolando Marco, kurz zuvor noch wegen eines rustikalen Einsteigens Gelb verwarnt, setzte sich auf links durch, flankte millimetergenau auf Christophe Bourgeois, der den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte nagelte. 1:0 für Nancy, und das Stadion vibrierte. "Ich hab nur den Kopf hingehalten, der Rest war Glück", grinste Bourgeois später bescheiden. Zur Pause schien alles im Lot. Nancy hatte knapp weniger Ballbesitz (49 Prozent), aber mehr Abschlüsse - 14 Schüsse aufs Tor insgesamt, gegen nur 10 der Gäste. Doch wer schon länger Fußball schaut, weiß: Statistik schießt keine Tore. Und so kam, was kommen musste. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff segelte eine Flanke von Corneliu Niculescu in den Nancy-Strafraum. John Beecroft, 34 Jahre alt, mit der Erfahrung von über 400 Ligaspielen, stieg höher als alle anderen und köpfte zum 1:1 ein. Torwart Jacques Devereux sah den Ball wohl spät, hob noch die Hände - zu spät. Das Spiel kippte. Champagne AC, gecoacht von Pflanziska Pflanzerus, witterte Blut. "Wir wollten zeigen, dass wir kein prickelndes Sektchen sind, sondern eher ein kräftiger Jahrgang", erklärte Pflanzerus nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich: In der 61. Minute schlug Beecroft erneut zu, diesmal nach einem Abpraller. Der Ball trudelte ins lange Eck - 1:2 aus Nancy-Sicht. Schaminet tobte an der Seitenlinie, rief seinen Männern zu: "Mehr Mut, Männer! Ihr spielt, als wäre der Ball radioaktiv!" Das half. Nancy bäumte sich auf, Fortin und der 18-jährige Henri Maxime prüften den Torwart mehrfach, aber Caron hielt alles, was zu halten war. Erst in der 81. Minute brach wieder Jubel aus: Der eingewechselte Boissieu (nein, kein Verwandter von Bourgeois, auch wenn die Namen es nahelegen) legte im Strafraum quer, Bourgeois kam angerauscht und traf erneut - 2:2. Ein Tor, das den Lärmpegel im Stadion kurzzeitig auf Konzertniveau katapultierte. "Ich dachte, das ist der Moment, in dem wir das Spiel drehen", sagte Bourgeois später. Doch es blieb beim Unentschieden. Lewis Donahue sah kurz vor Schluss noch Gelb, weil er versuchte, mit übertriebener Theatralik einen Freistoß zu schinden - "Ich bin gestolpert, ehrlich!", verteidigte er sich lachend nach Abpfiff. Am Ende war es ein gerechtes Ergebnis, das beiden Seiten nicht wirklich weiterhilft. Nancy bleibt im oberen Mittelfeld, Champagne AC kämpft weiter gegen den grauen Alltag der Tabelle. Trainer Schaminet zeigte sich dennoch halbwegs zufrieden: "Wir haben Charakter gezeigt. Und wenn Bourgeois so weitermacht, dann brauch ich bald eine Sonnenbrille für seinen Glanz." Pflanzerus konterte charmant: "Ich nehme den Punkt mit - und Beecroft bekommt heute Abend ein Glas Champagner, aber nur eins." Ein Spiel, das zeigte, warum Fußball manchmal mehr Oper als Sport ist: große Gesten, kleine Dramen und am Ende ein Publikum, das sich trotz Kälte warmgeklatscht hatte. Fazit des Abends: Nancy hätte gewinnen können, Champagne AC hätte verlieren können - und beide dürfen sich freuen, dass sie einander hatten. Manche Partien sind eben wie ein gutes Glas Champagner: prickelnd, unvorhersehbar und am Ende bleibt ein leichtes Lächeln. 09.12.643987 04:05 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack