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Es war kalt, es war nass, und es war deutlich: Borussia Neunkirchen hat sich mit einem souveränen 3:0-Sieg über Westerrade den Liga-Pokal (Landesliga 32) geschnappt. 1602 Zuschauer im kleinen Stadion von Westerrade froren zwar an den Fingern, aber das, was ihnen die Gäste boten, war heißer Pokalfußball - und Westerrade? Nun ja, sie schauten zu, wie man’s richtig macht. Schon nach fünf Minuten ging der Borussia-Express los. Matthias Arnold, 19 Jahre jung und mit dem Selbstbewusstsein eines Champions-League-Stars ausgestattet, traf nach Vorarbeit von Javier Montanes zum 0:1. Der Ball zappelte im Netz, der Torjubel hallte durchs Rund - und die Gastgeber sahen sich ratlos an. "Wir hatten uns vorgenommen, kompakt zu stehen", murmelte Westerrades Abwehrchef Otto Max später, "aber dann war’s halt ziemlich… offen." Neunkirchen dominierte von Beginn an. 25 Torschüsse sprechen eine Sprache, die auch ohne Übersetzung verstanden wird. Westerrade brachte es auf drei - und das war wohlwollend gezählt. Während die Gäste mit jugendlichem Elan nach vorne kombinierten, wirkten die Hausherren eher wie ein Team, das noch auf den Bus zum Spiel wartet. Kurz vor der Pause dann das 0:2, wieder durch Arnold. Diesmal nach einer Ecke, Günther Behrens verlängerte clever, und Arnold drosch das Leder mit solcher Wucht ins Tor, dass selbst der Ball kurzzeitig überlegte, ob er lieber draußen bleiben sollte. Trainer Kada Schmide grinste später: "Matthias hat einfach Spaß am Schießen. Ich sag immer: Wenn du’s oft genug probierst, triffst du irgendwann - heute halt zweimal." Westerrade suchte in der zweiten Halbzeit nach einer Antwort, fand aber nur kalten Gegenwind. Ihr bester Versuch kam in der 56. Minute, als Gianluigi Sanna plötzlich frei vor dem Tor auftauchte, aber Borussias Keeper Gerhard Stein parierte spektakulär. Drei Minuten später machte Lasse Reinhardt auf der anderen Seite alles klar - 0:3, Vorlage natürlich von Arnold. Der Linksverteidiger hatte sich einfach mal gedacht: "Warum nicht?" - und ließ mit einem satten Schuss ins lange Eck die Lichter ausgehen. Von da an spielte Neunkirchen die Uhr runter, mit einer Abgeklärtheit, die man selten in dieser Altersklasse sieht. Schmide wechselte sogar den Torwart, "damit Luis Eximeno auch mal Gras sieht", wie er mit einem Augenzwinkern erklärte. Es war der Moment, in dem man spürte: Diese Mannschaft spielt nicht nur besser, sie hat auch Spaß dabei. Westerrades Trainer - der Name blieb an diesem Abend ungenannt, vielleicht aus Selbstschutz - versuchte nach Abpfiff das Positive zu sehen: "Wir haben immerhin fast 48 Prozent Ballbesitz gehabt", sagte er und sah dabei aus, als würde er sich selbst nicht glauben. Tatsächlich hatte Westerrade über weite Strecken den Ball, aber nicht die Idee, was man damit anfangen sollte. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte die Borussia-Jugend in den Februarhimmel, während die Heimmannschaft leise in die Kabine trottete. Der Pokal ging verdient an Neunkirchen - jung, frech, zielstrebig. Matthias Arnold wurde zum Mann des Spiels gewählt, und als er gefragt wurde, ob er die Nacht durchfeiern wolle, grinste er: "Nur kurz, morgen ist ja wieder Training. Vielleicht." Ein Fan von Westerrade brachte es auf der Tribüne auf den Punkt: "Die anderen haben Fußball gespielt, wir haben zugeschaut. Aber wenigstens war die Bratwurst heiß." So bleibt von diesem Finale ein klarer Eindruck: Borussia Neunkirchen ist nicht nur Pokalsieger, sondern auch der Beweis, dass man mit Mut, Tempo und ein bisschen jugendlicher Unbekümmertheit im Fußball weiterkommt als mit Erfahrung allein. Westerrade dagegen wird sich an diesem Abend messen lassen müssen - und vielleicht im Sommer auf dem Trainingsplatz ein Schild aufstellen: "Bitte hier Ideen entwickeln." Am Ende stand ein 0:3, das durchaus höher hätte ausfallen können. Doch Neunkirchen beließ es bei Stil, Spielfreude und einem klaren Statement: Der Pokal gehört uns. Und während die letzten Fans das Stadion verließen, sagte ein älterer Herr mit Schal von Westerrade trocken: "Wenn man schon verliert, dann wenigstens gegen welche, die’s verdient haben." Man konnte ihm schwer widersprechen. 25.04.643990 04:40 |
Sprücheklopfer
Wenn es einmal hart auf hart kommt, kommt es meistens ganz hart.
Jens Jeremies