Elfmeter
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Borussia Neunkirchen stolpert gegen clevere Plattenhardter

Es war einer dieser Abende im Ellenfeldstadion, an denen die Flutlichtmasten ein bisschen heller leuchten als sonst - vielleicht, um die 2735 Zuschauer über das spätere Ergebnis hinwegzutrösten. Borussia Neunkirchen verliert am 2. Spieltag der Verbandsliga P mit 1:2 gegen den TSV Plattenhardt. Ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet verdient war, aber trotzdem schmerzt - weil die Borussen mutiger, lauffreudiger und, ja, irgendwie sympathischer wirkten.

Schon nach sechs Minuten war die Stimmung allerdings frostig. Maximilian Stein, der flinke Linksaußen der Gäste, schlich sich nach einem feinen Pass von Luke Madigan an der Abwehr vorbei und schob eiskalt ein. 0:1, und auf der Neunkirchener Trainerbank flogen die ersten Kaffeebecher. "Wir haben genau das angesprochen - und dann passiert’s nach fünf Minuten", knurrte Trainer Kada Schmide später.

Die Borussia ließ sich davon zunächst nicht beirren. Thomas Grossmann prüfte den Gästetorwart Helmut Wilke mehrfach (1., 45., 88.), Karsten Kirchner wirbelte auf der rechten Seite, als wolle er beweisen, dass Flügelspiel keine aussterbende Kunst ist. Doch der Ball wollte einfach nicht hinein. Zwölf Torschüsse verzeichneten die Neunkirchener insgesamt - für exakt ein Tor sollte das reichen.

Plattenhardt dagegen spielte abwartend, fast britisch stoisch. 57 Prozent Ballbesitz, aber wenig Risiko. "Wir wollten das Spiel beruhigen, nicht die Fans", grinste ihr Trainer nach Abpfiff. Und als Maximilian Stein in der 49. Minute erneut zuschlug - diesmal nach Vorlage des erfahrenen Rafael Karl - war der Plan perfekt. 0:2, und man hörte aus dem Gästeblock leise Jubelgesänge, die eher nach Erleichterung klangen als nach Euphorie.

Doch Borussia gab nicht auf. In der 49. Minute kam Saweli Jaschin für den blassen Montanes, später wechselte Schmide noch zweimal: Loris Girifalco und Gustav Haupt sollten frischen Wind bringen. Und siehe da - der Wind wurde zu einem Sturm: In der 69. Minute fasste sich Linksverteidiger Ewan Poe ein Herz, zog einfach mal ab, und der Ball zischte unhaltbar ins rechte Eck. Assistiert hatte - wer sonst - der eingewechselte Jaschin. 1:2, und plötzlich wachte das Ellenfeld auf.

"Ich hab einfach draufgehauen", lachte Poe danach, "der Trainer wollte eigentlich, dass ich flanke." Schmide nickte halb grimmig, halb stolz: "Wenn alle meine Anweisungen so ignorieren würden, hätten wir vielleicht gewonnen."

Die Schlussphase gehörte klar den Hausherren. Pressing, Leidenschaft, und das Gefühl, dass hier noch etwas geht. Plattenhardt dagegen zog sich tief zurück, parkte sinnbildlich den Mannschaftsbus vor dem Strafraum und verteidigte mit allem, was zwei Beine hat. In der 85. Minute hatte Kirchner noch einmal die große Chance - doch Wilke im Tor der Gäste hechtete so artistisch, dass selbst der Stadionsprecher kurz vergaß, weiterzureden.

Taktisch blieb sich Schmide treu: offensiv, balanciert, aber mit wachsender Aggressivität. Seine Mannschaft kämpfte bis zur letzten Minute, während Plattenhardt stoisch bei seiner ausgewogenen, beinahe meditativen Spielweise blieb. Kein Pressing, kaum Risiko, aber am Ende mit drei Punkten im Gepäck.

"Wir nehmen die Punkte gern und fahren heim", meinte Doppeltorschütze Stein, der sich den Spielball schnappte, als sei er schon auf dem Weg ins Museum. "Die Jungs von Neunkirchen haben’s uns nicht leicht gemacht - aber das ist Fußball. Mal trifft man, mal trifft man den Pfosten."

Die Fans der Borussia verabschiedeten ihr Team trotzdem mit Applaus. Vielleicht, weil sie sahen, dass Einsatz und Wille stimmten. Vielleicht aber auch, weil sie ahnten, dass diese junge Truppe noch einiges lernen - und vor allem noch einiges gewinnen wird.

Zum Schluss stand Coach Schmide allein an der Seitenlinie, Hände in den Taschen, Blick ins Leere. "Wir hatten mehr Herz, sie mehr Erfahrung", murmelte er in Richtung der Reporter. Dann grinste er schief: "Aber Herz kann man nicht im Training abstellen. Nächste Woche kriegen sie’s zu spüren."

Ein Satz, der klingt wie eine Drohung - oder ein Versprechen. In Neunkirchen nehmen sie beides gern.

10.06.643990 16:07
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Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum Gegentor ganz gut geklappt.
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