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Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 2380 Zuschauer - und eine Borussia aus Emsdetten, die an diesem 8. Spieltag der Landesliga 19 den Gästen aus Althengstett eindrucksvoll zeigte, was es heißt, im eigenen Stadion zu spielen. 4:0 lautete das Endergebnis, 2:0 stand es schon zur Pause. Und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können - zumindest für Althengstett. Von Beginn an war klar, wer hier den Ton angeben würde. Schon in der zweiten Minute prüfte der junge Joseba Corona den Keeper Lukas Götz mit einem Schuss, der mehr nach Warnung als nach Zufall aussah. Fünf Minuten später war es dann soweit: Corona, gerade einmal 18 Jahre alt, nahm einen feinen Pass von Mirko Dembinski auf und schob eiskalt zum 1:0 ein. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste Corona später. "Ich dachte, der Ball macht das schon von allein." Althengstett tat sich schwer, überhaupt über die Mittellinie zu kommen. Ganze zwei Torschüsse in 90 Minuten - eine Statistik, die eher an Handballergebnisse erinnert. Der Ballbesitz? 60 zu 40 Prozent für Emsdetten, und das war noch gnädig gerechnet. In der 39. Minute legte Janis Walther nach - und wie! Nach einer Ecke von Carl Haupt zog der 19-Jährige volley ab, und das Ding zischte unhaltbar in den Winkel. "Ich hab’s einfach mal probiert", sagte Walther später mit einem Lächeln, "und dann war er halt drin. Wir üben das ja im Training - aber meistens geht’s über den Zaun." Mit 2:0 ging es in die Pause - und Emsdettens Trainer Nico Wolf schien zufrieden, aber nicht satt. "Wir wollten weiter ruhig bleiben und sauber spielen. Das haben die Jungs großartig gemacht", erklärte er nach dem Abpfiff. In der zweiten Hälfte änderte sich wenig am Spielverlauf. Althengstett rannte, Emsdetten kombinierte. Die Gäste verteidigten mal mit acht Mann, mal mit neun, manchmal mit allen, die noch Puste hatten. Doch was willst du machen, wenn der Gegner 21 Mal aufs Tor schießt und du selbst kaum den Ball siehst? In der 66. Minute kam frischer Schwung ins Spiel, als Thomas Meister für den glücklosen, aber fleißigen Corona eingewechselt wurde. Und siehe da, der Joker stach: In der 79. Minute setzte er nach einem präzisen Zuspiel von Sven Schreiber zum Schuss an - 3:0. "Da hab ich kurz gedacht: Wenn der jetzt daneben geht, wechsle ich mich selbst wieder aus", witzelte Meister später. Doch damit nicht genug: Nur vier Minuten später, in der 83., machte Avi Hanegbi den Deckel drauf. Nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Ignati Warlamow traf der junge Mittelfeldmann zum 4:0-Endstand. Es war der Moment, in dem selbst die letzten Fans auf der Althengstetter Bank das warme Buslicht herbeisehnten. Zwei Gelbe Karten für die Gäste - Joschua Martens (84.) und Maik Horst (89.) - waren der Beweis, dass Frust auch auf dem Rasen sichtbar werden kann. Ansonsten blieb das Spiel fair, was bei der Überlegenheit der Hausherren auch eine gewisse Selbstbeherrschung erforderte. "Wir haben nie die Kontrolle verloren", bilanzierte Trainer Wolf. "Das war ein reifer Auftritt. Aber wir bleiben auf dem Boden - nächste Woche zählen wieder null Punkte, bis wir neue holen." Ein Satz wie aus dem Lehrbuch der Bodenständigkeit. Und Althengstett? Trainerkommentare blieben aus, vielleicht auch besser so. Ein älterer Fan am Zaun brachte es auf den Punkt: "Wenn du in Emsdetten vier Stück kriegst, musst du froh sein, dass’s keine sechs waren." So ging ein klarer, manchmal fast einseitiger Fußballabend zu Ende. Borussia Emsdetten spielte erwachsen, effizient und mit einer Portion jugendlichem Übermut. Althengstett dagegen wirkte wie der unbequeme Statist in einem Stück, das längst geschrieben war. Kurz vor Mitternacht leerten sich die Ränge, und ein paar Kinder kickten noch mit leuchtenden Augen am Spielfeldrand. Vielleicht träumte der eine oder andere davon, eines Tages selbst so ein Tor zu schießen wie Corona - oder einfach nur ein Spiel zu erleben, das so eindeutig und doch so unterhaltsam war. Und irgendwo in der Kabine soll Nico Wolf gesagt haben: "So spielt man zu Hause." Recht hat er. 18.08.643990 22:35 |
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