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Es war ein kühler Freitagabend in Untermünkheim, doch auf dem Rasen brannte die Luft. 2022 Zuschauer sahen ein Spiel, das mancher Heimfan lieber vergessen möchte. Borussia Emsdetten, jung, technisch sauber und mit bemerkenswertem Spielwitz, zerlegte die Gastgeber mit 6:0 - und das in einer Partie, die phasenweise eher an ein Trainingsspiel erinnerte. Schon nach 21 Minuten war klar, dass das kein gemütlicher Fußballabend für Untermünkheim werden würde. Der 17-jährige Danilo Perri, kaum alt genug für den Führerschein, traf nach Vorarbeit von Detlev Hase zur Führung. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Perri später, "und der Ball hat gemacht, was ich wollte. Passiert nicht jeden Tag." Untermünkheim versuchte, den frühen Rückstand zu verdauen, doch die Gäste hatten schlicht zu viel Ball - 58,5 Prozent Ballbesitz, um genau zu sein - und noch mehr Ideen. Das Heimteam kam in der ersten Hälfte auf ganze drei Torschüsse, einer davon so harmlos, dass Gästetorwart Frideborg Abramson sich sogar den Ärmel abklopfte, bevor er zugriff. In der Pause muss es in der Kabine der Gastgeber laut geworden sein. Kapitän Jannick Neumann soll in Richtung Trainer geraunzt haben: "Wenn wir noch tiefer stehen, graben wir uns ein." Doch es half nichts. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, rollte die Emsdettener Maschine wieder an. Zwischen der 59. und 62. Minute verwandelte sich das Spiel endgültig in eine Demütigung. Erst traf Joseba Corona, dann gleich noch einmal zwei Minuten später - und als Andrea Mottafollone in der 62. Minute auf 4:0 stellte, konnte man im Stadion schon das Rascheln der ersten Heimfans hören, die sich Richtung Parkplatz aufmachten. "Drei Tore in vier Minuten, das war wie ein schlechter Witz", seufzte Untermünkheims Torhüter Dirk Christ. Trainer Nico Wolf von Borussia Emsdetten stand derweil seelenruhig an der Seitenlinie, Hände in den Taschen, als wäre das alles ein geprobter Ablauf. "Wir wollten ruhig bleiben, Ball laufen lassen, Chancen nutzen", sagte er nach der Partie mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstzufriedenheit pendelte. "Dass die Jungs das so konsequent umsetzen, ist natürlich schön." Doch Emsdetten hatte noch nicht genug. In der 78. und 82. Minute traf wieder Detlev Hase - zwei nahezu identische Szenen, jeweils nach Flanken von Aad Van Cortlandt. "Ich hab ihm gesagt: einfach reinlaufen, ich leg dir den Ball hin", meinte Van Cortlandt lachend. "Hat funktioniert." Untermünkheim dagegen kämpfte, aber mehr mit sich selbst als mit dem Gegner. Zwei Gelbe Karten (Tomasz Wegener in der 46., Fynn Müller in der 48.) und eine Verletzung von Simon Franz machten die Sache nicht leichter. Ersatzmann Matthias Stephan kam, konnte aber auch keine Stabilität bringen. Zweikampfquote? 41 Prozent für die Hausherren - oder, wie ein Zuschauer auf der Tribüne trocken kommentierte: "Wenn das ein Boxkampf wäre, hätte der Ringrichter schon in der 60. Minute abgebrochen." In der Schlussphase durfte Emsdetten sogar noch ein wenig zaubern. Der eingewechselte Mirko Dembinski versuchte sich aus 25 Metern (93.), Corona scheiterte in der Nachspielzeit noch einmal am glänzend reagierenden Christ - immerhin etwas, das die Heimfans bejubeln konnten. Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung so gedrückt, dass man fast das Rauschen der Flutlichtanlage hören konnte. "Wir waren heute einfach nicht auf dem Platz", räumte Untermünkheims Kapitän Neumann ein. "Emsdetten war in jeder Hinsicht besser - schneller, wacher, hungriger." Borussia-Trainer Wolf wollte das Ergebnis nicht überbewerten: "Sechs Tore sind schön, aber wichtiger ist, dass wir diszipliniert geblieben sind." Ein junger Fan der Gäste fasste es beim Verlassen des Stadions treffend zusammen: "Das war wie FIFA auf leicht." Kleine Randnotiz: Der älteste Emsdettener auf dem Feld war 29, der jüngste 17 - und trotzdem wirkte das Team, als hätte es schon hundert solcher Spiele hinter sich. Untermünkheim dagegen wird nach dieser Lehrstunde wohl einiges aufarbeiten müssen. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass man aus Niederlagen lernt. Wenn das stimmt, dann war dieser Abend eine Doktorarbeit. 18.07.643993 19:57 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale