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Borussia Emsdetten zerlegt Gerlingen - Van Cortlandt trifft dreifach

Es war ein kalter Samstagabend in Gerlingen, aber für die 1880 Zuschauer im kleinen Stadion der KSG wurde es spätestens ab Minute 40 ziemlich heiß. Denn da begann Borussia Emsdetten, angeführt vom blutjungen Flügelstürmer Aad Van Cortlandt, ein Fußballfest zu feiern, das den Gastgebern wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird - als Albtraum. Am Ende hieß es 0:5 (0:2), und das Ergebnis war so eindeutig wie der Spielverlauf.

Gerlingen begann das Spiel mit dem Plan, "kompakt zu stehen", wie Trainer (nennen wir ihn, trotz fehlender Daten, freundlich nur "der Unbekannte") vor der Partie versprach. Kompakt stand seine Mannschaft tatsächlich - leider meist im eigenen Strafraum. Borussia Emsdetten übernahm von Beginn an die Kontrolle, hatte nach sieben Minuten schon zwei Abschlüsse durch Georgi Hubtschew und Heinz Reinhardt, und besaß am Ende stolze 65 Prozent Ballbesitz sowie 22 Torschüsse. Gerlingen? Null. Nicht sinnbildlich, sondern statistisch: null Torschüsse.

Die ersten 40 Minuten waren eine Demonstration von Spielkontrolle, aber noch ohne Ertrag. Dann trat Van Cortlandt ins Rampenlicht. Nach einer butterweichen Vorlage von Heinz Reinhardt traf der 18-Jährige zum 0:1 (40.). Nur vier Minuten später wiederholte sich das Schauspiel - diesmal fast eine Kopie des ersten Tores. "Heinz hat mir den Ball wieder perfekt hingelegt. Da musste ich ja treffen", grinste Van Cortlandt nach dem Spiel, während er den Matchball unter dem Arm hielt. "Ich wollte ihn eigentlich unterschreiben lassen, aber ehrlich: Die Jungs von Gerlingen hätten ihn wohl lieber behalten, um zu üben."

Mit dem 0:2 ging es in die Pause, und die Zuschauer hofften auf ein kleines Wunder. Stattdessen kam nach Wiederanpfiff das Gegenteil: Nur Sekunden nach dem Anstoß versenkte Janis Walther (46.) den Ball im langen Eck - wieder nach Vorarbeit des umtriebigen Mirko Dembinski. "Wir wollten direkt Druck machen", erklärte Emsdettens Trainer Nico Wolf später nüchtern. "Dass es gleich so klappt, war natürlich angenehm. Danach konnten wir das Bier schon kaltstellen."

Gerlingen war nun völlig von der Rolle. Die Gäste kombinierten, als spielten sie auf dem Trainingsplatz gegen Hütchen. Besonders auffällig: der 29-jährige Mittelfeldroutinier Heinz Reinhardt, der mit Übersicht und Spielfreude die Fäden zog. In der 65. Minute war er erneut beteiligt, als Van Cortlandt seinen dritten Treffer markierte - diesmal nach Vorlage von Detlev Hase. Ein Hattrick für den 18-Jährigen, der nach Abpfiff fast schüchtern wirkte. "Ich wollte einfach Spaß haben. Dass es drei Tore werden, ist verrückt", sagte er und lachte.

Spätestens jetzt war der Drops gelutscht. Borussia spielte das Ergebnis locker herunter, während Gerlingen um Schadensbegrenzung rang. Doch selbst das misslang. In der 85. Minute durfte auch Innenverteidiger Florian Klaus jubeln. Nach einer Ecke von Dembinski wuchtete er den Ball per Kopf zum 0:5-Endstand ins Netz - ein Treffer, der die Überlegenheit der Gäste noch einmal unterstrich.

"Wir hätten heute wahrscheinlich noch zwei Stunden spielen können und kein Tor gemacht", gestand KSG-Verteidiger Lucas Steiner nach dem Schlusspfiff ehrlich. "Emsdetten war in allen Belangen besser. Ich weiß nicht, ob die Jungs morgens Doppelschichten im Fitnessstudio machen, aber das Tempo war irre."

Auch Trainer Wolf zeigte sich zufrieden, blieb aber bescheiden. "Die Jungs haben das gut umgesetzt. Wir wollten ruhig bleiben, den Ball laufen lassen - das war heute wirklich ansehnlich." Auf die Frage, ob sein Team nun Ambitionen auf den Aufstieg habe, zwinkerte er: "Wir schauen von Spiel zu Spiel. Aber wenn wir weiter so spielen, schauen wir irgendwann wohl von oben."

Die Statistiken untermauern die Dominanz: 65 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüsse zu null, eine Zweikampfquote von rund 60 Prozent. Gerlingen hingegen wirkte, als habe man vergessen, dass Fußball auch mit Ball gespielt wird. Nach Abpfiff sah man einige Spieler ratlos auf dem Rasen stehen - als wollten sie fragen, wo das Spiel eigentlich gerade stattgefunden hatte.

Ein Zuschauer brachte es auf der Tribüne auf den Punkt: "Emsdetten hat heute nicht Fußball gespielt - sie haben Fußball erklärt."

Und so bleibt von diesem 21. Spieltag der Landesliga 19 vor allem ein Name hängen: Aad Van Cortlandt. Drei Tore, 18 Jahre alt, und ein Lächeln, das verrät, dass er selbst noch nicht ganz weiß, wie gut er eigentlich ist. Wenn er so weitermacht, wird man in Emsdetten bald von einem neuen Wunderknaben sprechen - und in Gerlingen wohl noch eine Weile von diesem bitterkalten, lehrreichen Abend.

28.01.643991 00:50
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