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Ein kühler Märzwind fegte am Mittwochabend über das Stadion an der Donau, doch was Borussia Emsdetten beim 3:0-Erfolg gegen die TSG Mühlheim auf den Rasen zauberte, ließ selbst die hartgesottensten Mühlheimer Fans kurzzeitig verstummen - oder frösteln, je nach Perspektive. 2012 Zuschauer sahen eine Lehrstunde in Sachen Zielstrebigkeit, Ballkontrolle und, ja, jugendlichem Übermut. Dabei begann es eigentlich mit einem Missverständnis: Mühlheim wollte Fußball spielen, Emsdetten wollte gewinnen. Spätestens ab der 10. Minute war klar, dass das eine mit dem anderen an diesem Abend wenig zu tun haben würde. Die Gäste drückten, kombinierten, schossen - und trafen schließlich. In der 32. Minute stieg ausgerechnet Innenverteidiger Bernd Ebert nach einer Ecke von Heinz Reinhardt am höchsten und köpfte zum 0:1 ein. "Ich hab einfach gedacht, ich bin jetzt mal Stürmer", grinste Ebert nach dem Spiel, "und dann hat’s halt gepasst." Drei Minuten später legte der 18-jährige Andrea Mottafollone mit einem satten Schuss aus 18 Metern nach. 0:2 - und Mühlheim taumelte wie ein Boxer nach dem zweiten Wirkungstreffer. Zur Halbzeit war die Statistik brutal ehrlich: 61 Prozent Ballbesitz für die Borussia, 14:1 Torschüsse - das eine Prozent Restoptimismus auf den Rängen gehörte den Mühlheimern, die auf ein Wunder hofften. Trainer Nico Wolf von Emsdetten blieb trotzdem bescheiden: "Wir haben gut gespielt, ja. Aber wir hätten zehn machen müssen." Nach dem Seitenwechsel versuchte die TSG, die Ordnung wiederzufinden. Doch dann kam die 65. Minute: Lasse Renner, bis dahin bester Mann der Gastgeber, sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen. Fünf Minuten später verlor Innenverteidiger Julius Voigt die Nerven - und den Überblick. Nach einem taktischen Foul gegen den flinken Joseba Corona zückte der Schiedsrichter Rot. Der Platzverweis war so unumgänglich wie der dritte Treffer der Gäste. In der 77. Minute machte Heinz Reinhardt alles klar. Nach feinem Zuspiel von Mottafollone schlenzte er den Ball ins lange Eck - 0:3. Reinhardt riss die Arme hoch, drehte sich zu seinem jungen Mitspieler und rief laut hörbar: "So, jetzt ist Feierabend!" - und das war es im Grunde auch. TSG-Trainer (dessen Namen die Vereinsleitung lieber unter Verschluss hält, wie man munkelt) stapfte nach dem Abpfiff mit roten Wangen in die Kabine. "Wir haben alles gegeben", murmelte er später vor den Mikrofonen, "nur leider nichts bekommen." Sein Torwart Niclas Rose stand ihm zur Seite: "Wenn du 21 Torschüsse kriegst und nur drei kassierst, kannst du auch nicht alles falsch gemacht haben." Ein Satz, der wohl in die Annalen der Schönrednerei eingehen wird. Emsdetten dagegen durfte sich feiern lassen. Nachwuchsspieler Mottafollone, gerade 18, wurde von den mitgereisten Fans mit Sprechchören bedacht. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er lächelnd, "und Heinz hat’s mir leicht gemacht." Wolf, der Trainer, nickte zufrieden: "Das ist ein Junge, der nicht drüber nachdenkt - und deswegen trifft er." Mühlheim dagegen wirkte ratlos. Drei Torschüsse in 90 Minuten, kaum Ballbesitz, und nach der roten Karte ein einziges Verteidigungschaos. "Wir haben die Räume eng gemacht", erklärte Kapitän Mark Gross trocken, "nur leider die falschen." Als die Flutlichter erloschen, blieb der Eindruck eines Spiels, das an Klarheit nichts zu wünschen übrig ließ: Borussia Emsdetten war in jeder Hinsicht überlegen - taktisch diszipliniert, technisch sauber, eiskalt im Abschluss. Die TSG Mühlheim hingegen suchte bis zum Schlusspfiff nach einem Plan, fand aber nur den eigenen Frust. Vielleicht war es sinnbildlich, dass ein Mühlheimer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wenn wir wenigstens einmal aufs Tor geschossen hätten…" - worauf sein Sitznachbar trocken antwortete: "Haben wir. Dreimal." Und so endete der Abend mit einem klaren 0:3 (0:2), viel Kopfschütteln im Heimblock und breitem Grinsen bei den Gästen. Borussia Emsdetten hat mit diesem Sieg nicht nur drei Punkte, sondern auch eine gehörige Portion Selbstvertrauen gesammelt. TSG Mühlheim dagegen hat jetzt eine Woche Zeit, die eigene Defensive zu suchen - und vielleicht auch ein bisschen den Spaß am Fußball. Denn wie sagte Trainer Wolf zum Abschluss schmunzelnd: "Wenn du 61 Prozent Ballbesitz hast und keiner meckert, dann hast du wohl alles richtig gemacht." (612 Wörter) 14.09.643993 16:38 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack