// Startseite
| Notbremse |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Wenn ein Spiel 24:0 Torschüsse endet, ist das Ergebnis 2:0 fast eine Beleidigung für die Statistik. Doch genau so lief der Abend im Emsdettener Stadion: Borussia Emsdetten dominierte den GSV Dürnau nach Belieben, spielte, kombinierte, zauberte - und ließ die Gäste am Ende mit einem blauen Auge und ohne einen einzigen Schuss auf das Tor nach Hause fahren. Schon in den ersten Minuten war klar: Hier will einer Fußball spielen, und der andere nur, dass es bald vorbei ist. Nach drei Minuten prüfte der 17-jährige Danilo Perri den Gästekeeper Arne Stoll erstmals mit einem satten Schuss. Eine Minute später versuchte sich Rechtsverteidiger Georgi Hubtschew - offenbar hatte er vergessen, dass er Verteidiger ist. Die Dürnauer Hintermannschaft wirkte da schon wie ein überfordertes Navigationssystem: immer in Bewegung, aber nie dort, wo der Ball war. In der 16. Minute fiel dann das längst fällige 1:0. Nach feinem Zuspiel von Janis Walther drosch Aad Van Cortlandt den Ball aus halbrechter Position unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten, weil mir kalt war", grinste der 18-Jährige nach dem Spiel. Trainer Nico Wolf lachte: "Das war so geplant. Also zumindest das Tor, nicht das Frieren." Dürnau antwortete - mit einer Gelben Karte. Marcel Grimm, der Name war an diesem Abend Programm, sah Gelb für ein rustikales Einsteigen und brüllte anschließend etwas, das man wohlwollend als "emotionale Kommunikation" bezeichnen könnte. Emsdetten dagegen spielte weiter wie im Rausch. In der 29. Minute belohnte sich die Mannschaft erneut: Der junge Rechtsverteidiger Georgi Hubtschew zog nach einem feinen Pass von Detlev Hase aus spitzem Winkel ab - 2:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Hubtschew später ehrlich zu, "aber wenn’s drin ist, sagt man natürlich, das war Absicht." Zur Halbzeit hatte Borussia nicht nur zwei Tore, sondern auch 58,9 Prozent Ballbesitz und beeindruckende 15 Abschlüsse verbucht. Dürnau hingegen brachte es auf exakt null - was durchaus konsequent war, denn der Ball schien ein Emsdettener zu sein. In der zweiten Hälfte änderte sich wenig: Emsdetten kombinierte weiter, Dürnau verteidigte, und Torwart Stoll hielt, was zu halten war. "Wenn ich ehrlich bin, hab ich irgendwann aufgehört zu zählen", murmelte er später in der Mixed Zone. "Aber ich bin froh, dass’s keine zweistellige Nummer wurde." Trainer Wolf wechselte in der 55. Minute gleich dreimal: Mottafollone, Ebert und Perri durften Feierabend machen, Dembinski, Klaus und Corona kamen - und der Ball blieb trotzdem in Emsdettener Füßen. Vor allem der agile Joseba Corona versuchte es mehrfach (66., 68., 72. Minute), doch das Netz blieb unberührt. Dürnau hatte in dieser Phase nicht einmal Zeit zum Luftholen. Nur Karl Kunze sorgte in der 77. Minute kurz für Farbe im Spiel - mit der zweiten Gelben Karte für die Gäste. Seine Reaktion: ein Achselzucken, das man auch als Kapitulation deuten konnte. Die 2022 Zuschauer im Stadion hatten ihren Spaß. "Das war Fußball zum Genießen", sagte ein älterer Fan beim Verlassen der Tribüne. "Nur die Tore, die hätten ruhig mehr sein dürfen." Auch Trainer Wolf zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, wenn auch mit trockenem Humor: "Ich hab meiner Mannschaft gesagt, sie sollen den Ball laufen lassen. Dass Dürnau ihn gar nicht mehr sieht, war dann Bonus." In der Statistik liest sich das Ganze wie ein Lehrbuch für Dominanz: 24:0 Torschüsse, fast 60 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von knapp 60 Prozent. Dürnau hatte nichts entgegenzusetzen - weder Ideen noch Entlastung. Am Ende blieb es beim 2:0, einem Ergebnis, das harmloser klingt, als es war. Borussia Emsdetten spielte, als wollte sie die Landesliga neu erfinden, während Dürnau den Eindruck machte, als wäre der Ball ein gefährliches Tier, dem man besser nicht zu nahekommt. "Wir haben das heute souverän gemacht", fasste Torschütze Van Cortlandt zusammen. "Aber beim nächsten Mal nehmen wir uns vielleicht noch einen dritten Treffer vor - nur fürs Gefühl." Ein Spiel wie ein Statement: jung, frech, dominant. Und wer weiß - vielleicht erzählt man in Emsdetten in ein paar Jahren noch von der Partie, in der Dürnau nicht einmal auf das Tor schoss. Oder, wie es ein Fan auf den Punkt brachte: "Wenn Fußball Kunst ist, dann war das heute eine Ausstellung - Eintritt inklusive." 26.09.643993 06:17 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler