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Wenn man sich den Mittwochabend in Brunsbüttel so vorgestellt hatte - Flutlicht, Bratwurstduft, vielleicht ein hart erkämpftes 1:1 - dann kam es für die 3104 Zuschauer im BSC-Stadion doch etwas anders. Borussia Emsdetten, angetreten mit der Gelassenheit einer Mannschaft, die weiß, was sie tut, führte schon nach zwei Minuten und ließ danach nur noch eine Richtung zu: nach vorn. Am Ende stand ein klares 0:3 (0:2), das den Hausherren noch schmeichelte. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte BSC-Kapitän Daniel Klug nach dem Abpfiff, "aber die waren einfach überall." Das war nicht übertrieben. Emsdetten hatte 17 Torschüsse, Brunsbüttel einen. In Worten: einen. Und der kam in der 9. Minute, ein halbhoher Versuch von Tomas Thiele, den Gästekeeper Humberto Pauleta eher gelangweilt mit einer Hand abwehrte - als würde er eine Fliege verscheuchen. Der Rest war ein Lehrfilm in Sachen Effektivität. Schon in der zweiten Minute zirkelte Valter Bjorklund, Emsdettens zentraler Mittelfeldstratege mit dem Touch eines Schachspielers, einen Ball aus 18 Metern ins linke Eck. Vorlage kam von Ricardo Quintana, der mit 19 Jahren spielt, als hätte er schon 90 Länderspiele auf dem Konto. "Ich hab gesehen, dass Valter Platz hatte - und dann war’s halt drin", grinste Quintana später. Brunsbüttel schien davon so überrascht, dass sie minutenlang gar nicht wussten, ob sie jetzt pressen oder beten sollten. Borussia Emsdetten tat ihnen den Gefallen und blieb im gewohnten Defensivmodus - allerdings einer dieser gefährlichen, bei denen man denkt, es sei defensiv, bis sie plötzlich zu zehnt im Strafraum stehen. In der 32. Minute kam dann das, was man in Brunsbüttel wohl noch Wochen besprechen wird: Georgi Hubtschew, 18-jähriger Rechtsverteidiger, fasste sich nach einem Doppelpass mit Gustav Abelson ein Herz und drosch den Ball so trocken ins Netz, dass der Torpfosten noch Sekunden später vibrierte. 0:2 - und die heimischen Fans begannen, sich auffallend für die Bratwurstpreise zu interessieren. Trainer Nico Wolf von Emsdetten, sonst ein ruhiger Zeitgenosse, klatschte an der Seitenlinie nur einmal kurz in die Hände und rief: "Weiter konzentriert, Jungs, wir sind hier nicht im Schützenfest!" Ein Reporter fragte ihn später, ob das Ergebnis schon zur Pause sicher gewesen sei. Wolf lachte: "Sicher ist gar nichts, außer dass wir nicht auf Abseits spielen können." Die zweite Halbzeit verlief wie eine Wiederholung des ersten Akts - nur ohne Tore bis zur 81. Minute. Emsdetten kombinierte, Brunsbüttel lief hinterher, und irgendwann war wieder Gustav Abelson beteiligt. Der junge Schwede flankte haargenau auf Jesus Nagel, der am Strafraumrand lauerte und den Ball trocken zum 0:3 versenkte. "Ich hatte noch Zeit nachzudenken - das war fast gefährlich", gestand Nagel später mit einem Grinsen. Brunsbüttel versuchte, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen, aber es blieb beim Versuch. Stattdessen kassierten sie Gelbe Karten für Frustfouls, während Emsdetten ruhig herunterspielte. Nur einmal, in der 92. Minute, sah auch Florian Wiese Gelb - vermutlich, um nicht ganz aus der Statistik zu fallen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 58 Prozent Ballbesitz für Emsdetten, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17 Torschüsse. Und das alles mit einer Mannschaft, die taktisch offiziell "defensiv" spielte. "Wenn das defensiv ist, will ich gar nicht sehen, wie’s aussieht, wenn sie angreifen", seufzte ein Brunsbütteler Fan auf der Tribüne. Emsdetten darf sich über drei verdiente Punkte freuen und über eine Mannschaft, in der selbst die Innenverteidiger mehr Offensivdrang zeigen als so mancher Stürmer anderswo. Brunsbüttel dagegen steht nach diesem Abend vor der Frage, ob man Fußballspiele vielleicht doch nicht mit gutem Willen allein gewinnt. Trainer Wolf brachte es auf den Punkt: "Wir wollten ruhig bleiben, sauber spielen, und die Jungs haben’s umgesetzt. Dass wir drei Tore machen, ist das Sahnehäubchen." Und während die Borussia-Spieler nach Abpfiff lachend in die Kabine verschwanden, blieben auf der Gegenseite gesenkte Köpfe. "Manchmal ist Fußball einfach ungerecht", meinte BSC-Torwart Liam Wegener, "aber heute war’s einfach schlecht." Ein Abend, der in Brunsbüttel schnell vergessen werden soll - und in Emsdetten wohl als Musterbeispiel für Effizienz in die Kabinenchronik eingeht. Oder wie ein alter Tribünenfuchs beim Hinausgehen sagte: "Die haben uns nicht besiegt. Die haben uns auseinandergenommen - höflich, aber gründlich." 23.02.643994 16:40 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack