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Ein Abend zum Zungeschnalzen in Emsdetten: 2008 Zuschauer sahen am 28. Spieltag der Landesliga 19 eine Borussia, die Dornbreite Lübeck nach allen Regeln der Fußballkunst zerlegte. Am Ende stand ein 6:0 auf der Anzeigetafel - und das war sogar schmeichelhaft für die Gäste, die keinen einzigen Torschuss verzeichnen konnten. Schon nach 60 Sekunden war klar, wohin die Reise gehen würde. Heinz Reinhardt, der 29-jährige Mittelfeldchef, zog aus 20 Metern ab, der Ball küsste den Innenpfosten und zappelte im Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Reinhardt später, "aber wenn der Ball so will, dann will er halt." Das 1:0 nach nicht einmal einer Minute - Dornbreite war noch mit dem Warmmachen beschäftigt. Während Lübeck noch suchte, wo eigentlich der Ball geblieben war, spielte Emsdetten weiter wie im Rausch. In der 19. Minute legte der 17-jährige Danilo Perri nach, eiskalt nach Vorlage von David Aubin. Trainer Nico Wolf klatschte auf der Bank mit den Händen: "Diese Jungs haben heute einfach Lust auf Fußball." Kurz vor der Pause dann das 3:0 - wieder Reinhardt, diesmal nach feinem Doppelpass mit Detlev Hase. Halbzeit, und man hatte das Gefühl, Emsdetten könnte jetzt auch mit verbundenen Augen weiterspielen. Lübecks Trainer, dessen Name im Spielbericht gar nicht mehr auftaucht - vielleicht wollte er das auch so -, versuchte in der Pause verzweifelt, seine Mannen zu motivieren: "Männer, denkt dran, ihr spielt Fußball, kein Fang-den-Ball!" Doch das half nur bedingt. Borussia Emsdetten blieb dominant, kontrollierte mit über 62 Prozent Ballbesitz das Geschehen und schoss weiter aus allen Lagen. Nach einer guten Stunde war dann wieder Reinhardt zur Stelle. Sein dritter Treffer des Abends - ein echter Hattrick über 66 Minuten verteilt - machte ihn zum unbestrittenen Mann des Spiels. "Das war kein Hexenwerk", sagte er nach Abpfiff mit einem Augenzwinkern, "die Jungs haben mir die Dinger ja auf den Fuß gelegt." Vier Minuten später durfte dann auch Hase jubeln. Der 19-Jährige schlenzte den Ball nach Zuspiel von Hugo Montanes ins rechte Eck. Irgendwo auf der Lübecker Bank sank Torhüter Marwin Berndt in sich zusammen, den Blick leer ins Nichts gerichtet. Die Abwehr vor ihm - ein Bild des Chaos. "Wir hätten vielleicht nicht mit angezogener Handbremse anreisen sollen", murmelte später Rechtsverteidiger Zsolt Bratu, der sich kurz vor Schluss auch noch Gelb abholte - wohl aus purer Frustration. Den Schlusspunkt setzte Mirko Dembinski in der 82. Minute. Wieder war Hase der Vorlagengeber, wieder sah Berndt nur die Rücklichter des Balles. 6:0 - und das Stadion stand Kopf. "So ein Spiel siehst du hier nicht alle Tage", sagte ein älterer Fan im Borussia-Schal, "das war wie früher, als wir noch mit Herz gespielt haben." Statistisch gesehen war es ein Klassenunterschied: 23 Torschüsse zu null, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 62 Prozent Ballbesitz. Emsdetten spielte taktisch erstaunlich diszipliniert - trotz des Offensivfeuerwerks blieb das Team über weite Strecken in einer defensiven Grundordnung, während Lübeck zwar "balanciert" antrat, aber eher wie eine Waage ohne Zeiger wirkte. Trainer Nico Wolf fasste das Geschehen gewohnt trocken zusammen: "Wir wollten kompakt stehen und mutig nach vorne spielen. Dass das so gut funktioniert, hätte ich aber auch nicht gedacht. Vielleicht sollten wir öfter defensiv anfangen." Kurz vor Schluss standen einige Emsdettener Ersatzspieler an der Seitenlinie und scherzten: "Wenn wir jetzt noch eins machen, müssen wir die Tore wohl teilen." Doch Schiedsrichter Liedtke hatte Erbarmen mit Lübeck und pfiff pünktlich ab. Was bleibt? Ein Emsdettener Team, das jugendlichen Elan mit Spielfreude und Präzision verbindet - und ein Lübecker Kollektiv, das vermutlich froh war, als der Bus endlich Richtung Norden rollte. "Das war Lehrfilm-Material", meinte Reinhardt beim Verlassen des Rasens, und irgendwo in der Ferne hörte man einen Fan rufen: "Heinz for President!" - Ein Abend, an dem Borussia Emsdetten alles richtig machte. Und Dornbreite Lübeck? Nun ja, die werden in der nächsten Trainingswoche vermutlich sehr viele Bälle suchen müssen. 30.07.643993 07:52 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler