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Wenn ein Abend in der Landesliga 19 nach Fußball riecht, dann war es dieser: 2527 Zuschauer in Emsdetten, Flutlicht, kühler Februarwind - und ein Heimteam, das sich dachte: "Heute zeigen wir mal, wie man das macht." Borussia Emsdetten gewann am 10. Spieltag hochverdient mit 3:0 gegen einen überforderten SV Untermünkheim, der nach 90 Minuten wohl froh war, dass es keine Nachspielzeit gab. Schon nach vier Minuten ging es los: Der erst 18-jährige Joseba Corona - der Name klingt nach südländischem Temperament, und so spielte er auch - nahm einen Abpraller auf, drehte sich elegant und jagte den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. Trainer Nico Wolf sprang an der Seitenlinie wie ein Schuljunge, der gerade sein erstes Panini-Bildchen gefunden hat. "Wir wollten früh Druck machen, und Joseba hat das perfekt umgesetzt", sagte Wolf später mit dem typischen Grinsen eines Trainers, der weiß, dass der Plan aufgegangen ist. Untermünkheim hingegen wirkte, als sei man noch im Bus. Der eine Torschuss in der 13. Minute - Tomasz Wegener, natürlich knapp vorbei - blieb die einzige ernsthafte Lebenszeichen bis zur Pause. 55 Prozent Ballbesitz für Emsdetten, 19 Torschüsse insgesamt, das spricht eine deutliche Sprache. Torwart Niklas Kunze im Gästetor tat einem fast leid, so oft wie er seine Handschuhe abklopfen musste. "Wir hatten einfach keinen Zugriff", bekannte Untermünkheims Routinier Jürgen Arnold, der später immerhin noch die Gelbe Karte des Abends bekam - ein Souvenir an einen gebrauchten Tag. Nach dem Seitenwechsel schien Emsdetten kurz den Fuß vom Gas zu nehmen. Doch dann kam die 62. Minute, und mit ihr ein Treffer, der so gar nicht nach Innenverteidiger aussah: Bernd Ebert, 29, stieg nach einer Ecke von Carl Weller am höchsten und köpfte den Ball wuchtig ins rechte Eck. Kunze streckte sich vergeblich, das Netz zappelte. "Ich hab einfach mal die Augen zugemacht", lachte Ebert später. "Vielleicht sollte ich das öfter tun." Nur drei Minuten später dann der endgültige Knockout: Julius Simon, der Rechtsaußen mit der Präzision eines Uhrwerks, zog nach feinem Pass von Heinz Reinhardt in den Strafraum und schloss trocken ab - 3:0. Wer jetzt noch Zweifel hatte, durfte sie getrost einpacken. Danach wurde gewechselt, Hugo Montanes (17) kam für den überragenden Corona, und Emsdetten spielte die Partie herunter, als hätten sie nie etwas anderes getan. Die Defensive stand stabil - auch, weil der junge Carl Weller nach 67 Minuten Platz für Namensvetter Carl Haupt machte, der die Null souverän verwaltete. Trainer Wolf blieb trotz des klaren Ergebnisses bescheiden: "Wir haben viel richtig gemacht, aber die Jungs wissen auch: Das war erst der Anfang. Wir wollen da oben mitspielen." Die Fans auf der Tribüne sahen das wohl ähnlich und sangen ausgelassen, während die Spieler eine Ehrenrunde drehten. Untermünkheim dagegen wirkte im Abgang wie eine Mannschaft, die sich lieber ganz leise aus dem Stadion schleichen wollte. "Ehrlich, ich weiß gar nicht, wo wir anfangen sollen", seufzte Mittelfeldmann Marwin Schramm. "Vielleicht beim nächsten Training - oder beim Kaffee vorher." Statistisch war das Ganze eine klare Angelegenheit: 19:1 Torschüsse, 55,6 Prozent Ballbesitz, und eine Zweikampfquote von fast 60 Prozent für Borussia. Das liest sich wie ein Klassenunterschied - und so sah es auch aus. Emsdettens Fans sind ohnehin bekannt für ihre lakonische Art. Ein älterer Herr auf der Haupttribüne meinte nach Abpfiff trocken: "Wenn das so weitergeht, müssen wir bald Eintritt nehmen wie in der Bundesliga." Da war wohl mehr Wahrheit drin, als es zunächst klang. Am Ende blieb nur die Erkenntnis: Borussia Emsdetten ist in dieser Form ein ernstzunehmender Kandidat für die oberen Tabellenränge der Landesliga 19. Und Untermünkheim? Sollte vielleicht demnächst mal prüfen, ob man auch mitspielen darf, wenn man den Ball länger als drei Sekunden hält. Ein Abend, der zeigte, dass Fußball eben manchmal ganz einfach ist: Wer trifft, gewinnt. Und wer 19 Mal aufs Tor schießt, hat meist mehr Spaß dabei. 11.09.643990 03:23 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon