Notbremse
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Borussia Emsdetten lässt Lichtenrader BC keine Luft zum Atmen

Wer am Samstagabend ins Stadion an der Halker Zeile kam, erwartete vielleicht ein enges Landesliga-Duell, ein zähes Ringen zweier gleichwertiger Gegner. Heraus kam ein Spiel, das man höflich als "einseitig" bezeichnen könnte. Borussia Emsdetten gewann beim Lichtenrader BC hochverdient mit 2:0 (1:0) - und das, obwohl die Gäste die meiste Zeit so wirkten, als spielten sie mit angezogener Handbremse.

Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, da führte Emsdetten schon. Detlev Hase, 19 Jahre jung und mit dem Selbstvertrauen eines Mannes, der noch nie etwas von Nervenflattern gehört hat, nahm sich aus zwanzig Metern ein Herz und drosch den Ball ins rechte Eck. Janis Walther hatte den Pass gespielt - und grinste später in die Mikrofone: "Ich wollte eigentlich flanken, aber Detlev hat’s mir dann abgenommen. War wohl die bessere Idee."

Der frühe Rückstand wirkte auf die Lichtenrader wie ein Stromschlag - allerdings nicht im belebenden Sinn. Die Hausherren wirkten nervös, verloren im Spielaufbau reihenweise die Bälle und kamen im gesamten Spiel zu exakt null (!) Torschüssen. "Das ist eine Statistik, die man besser nicht ausdruckt", murmelte ein sichtlich bedrückter Jürgen Rose nach dem Abpfiff.

Emsdetten dagegen spielte sich in einen Rausch - oder versuchte es zumindest. 19 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe: Zahlen, die nach Dominanz riechen. Die jungen Gäste kombinierten gefällig, manchmal fast zu verspielt. Trainer Nico Wolf fasste es trocken zusammen: "Wir hätten das Ding schon zur Pause entscheiden müssen. Aber meine Jungs wollten’s wohl spannend halten."

Und spannend blieb es tatsächlich - zumindest für jene 1907 Zuschauer, die sich fragten, ob Lichtenrade überhaupt jemals die Mittellinie überqueren würde. Torwart Ondrej Ctyroky wurde zum Dauerbeschäftigten, wehrte, was zu wehren war, und schimpfte, was zu schimpfen war. In der 24. Minute brüllte er seine Vorderleute an: "Wenn ihr schon zuguckt, dann nehmt wenigstens Eintritt!" Der Satz machte auf der Tribüne schnell die Runde - und sorgte für das lauteste Lachen des Abends.

Nach der Pause änderte sich kaum etwas. Emsdetten blieb überlegen, Lichtenrade blieb defensiv bemüht. In der 61. Minute wechselte Wolf gleich dreifach - ein Zeichen, dass selbst beim klar besseren Team die Präzision zu wünschen übrig ließ. Detlev Hase durfte nach starker Leistung vom Feld, für ihn kam Avi Hanegbi. Vorn ersetzte Thomas Meister den jungen Joseba Corona - eine Entscheidung, die sich zwanzig Minuten später auszahlen sollte.

In der 76. Minute spielte Heinz Reinhardt den Pass in die Tiefe, Meister startete perfekt, blieb cool und schob zum 2:0 ein. "Ich hab einfach gedacht: Bitte, mach’s jetzt zu", erzählte Reinhardt später lachend. Und Meister ergänzte mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Ich dachte, ich steh im Abseits. War ich aber nicht - Glück gehabt."

Danach wurde das Spiel ruppiger. Erst sah Walther Gelb (79.), dann flog der eingewechselte Niclas Fritzsche nach einer übermotivierten Grätsche mit Rot (88.). "Er ist jung, er wollte Zeichen setzen", sagte Trainer Wolf und griff sich vielsagend an die Stirn. Doch selbst in Unterzahl blieb Emsdetten die klar bessere Mannschaft.

Als der Schlusspfiff ertönte, standen auf der Anzeigetafel klare Zahlen: 0:2, 0:19 Torschüsse, 42 Prozent Ballbesitz für Lichtenrade. Und trotzdem applaudierten die Zuschauer - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Respekt, dass ihre Mannschaft das Spiel überstanden hatte, ohne komplett auseinanderzufallen.

"Wir haben heute gesehen, wo wir stehen", meinte ein ehrlicher Lichtenrader Trainer nach dem Spiel. "Hinten. Ganz hinten." Die Reporter nickten, die Spieler schauten zu Boden, und irgendwo im Hintergrund lachte einer der Emsdettener Betreuer: "Wenn das schon defensiv war, will ich gar nicht wissen, wie die spielen, wenn sie mal offensiv aufstellen."

Bleibt am Ende nur festzuhalten: Borussia Emsdetten war in jeder Hinsicht eine Klasse besser - und Lichtenrade hat einen Abend erlebt, der in die Kategorie "lehrreich, aber schmerzhaft" fällt. Oder, wie es ein Zuschauer beim Hinausgehen zusammenfasste: "Manchmal ist Fußball eben wie Mathe - du weißt, was passieren wird, und kannst trotzdem nichts dagegen tun."

30.08.643990 12:18
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