// Startseite
| Notbremse |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war ein Freitagabend, an dem die Flutlichter von Hollfeld heller strahlten als die Hoffnungen des ASV. 2023 Zuschauer hatten sich im kleinen Stadion am Stadtrand versammelt, viele in der vagen Erwartung, dass ihre Elf zum Abschluss des 34. Spieltags der Landesliga 19 vielleicht doch noch einmal aufblitzen könnte. Doch Borussia Emsdetten hatte andere Pläne - und sie führten schnurstracks zu einem 0:3, das deutlicher war, als es die Zahlen ohnehin schon verraten. Die erste Halbzeit begann für den ASV Hollfeld gar nicht schlecht: engagiert, offensiv ausgerichtet, wie es die Taktik mit dem großen Etikett "OFFENSIVE" versprach. Nur, dass "offensiv" in diesem Fall bedeutete, dass man immerhin einmal auf das gegnerische Tor schoss. Einmal. Klaus Scherer war es in der 56. Minute, der sich ein Herz fasste und aus gut 25 Metern abzog - der Ball segelte knapp über den Querbalken, und das war’s dann auch schon mit der hollfelderischen Offensivfreude. "Ich hab ihn gut getroffen, dachte, der geht rein", meinte Scherer nach dem Spiel mit einem gequälten Lächeln. "Dann kam der Wind - oder das Schicksal." Emsdetten hingegen machte das, was man bei 25 Torschüssen so macht: Druck, Druck und noch mehr Druck. Schon in der 18. Minute prüfte Detlev Hase den Hollfelder Keeper Felix Beyer, der an diesem Abend mehr Bälle hielt als seine Vorderleute passten. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Beyer später, "aber so ungefähr bei 15 Schüssen dachte ich: Das ist kein Spiel mehr, das ist ein Dauerpraktikum." Die Gäste von Trainer Nico Wolf ließen sich Zeit - und kamen dann mit Macht. Direkt nach dem Seitenwechsel, in der 47. Minute, war es der flinke Aad Van Cortlandt, der nach Vorarbeit von Joseba Corona den Ball trocken ins Netz jagte. 0:1 - und plötzlich war es still in Hollfeld. "Wir wussten, dass das Tor kommen würde", sagte Wolf gewohnt sachlich. "Die Jungs hatten so viel Ballbesitz, sie hätten ihn notfalls selbst tragen können." Tatsächlich: Über 62 Prozent Ballbesitz, präzises Passspiel und eine erstaunliche Ruhe im Aufbau prägten das Spiel der Borussia. Elf Minuten später nutzte dann Corona selbst seine Chance - nach einem intelligenten Pass von Routinier Heinz Reinhardt. Der 18-Jährige blieb cool, schob ein und feierte mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen jugendlicher Unbeschwertheit und professioneller Abgebrühtheit lag. "Heinz hat gesagt, ich soll einfach laufen", erzählte Corona später. "Ich hab gefragt: Wohin? Er meinte: ’Nach vorne, Junge.’" Für Hollfeld wurde es zäh. Nicht nur wegen des Rückstands, sondern auch, weil Mittelfeldmotor Bernd Brenner in der 73. Minute verletzt vom Platz musste. Statt ihm kam Morgan Anderson, eigentlich Linksverteidiger - was die taktische Ordnung endgültig zerbröseln ließ. Nur zwei Minuten später machte Danilo Perri, erst 17 Jahre jung und gerade eingewechselt, den Deckel drauf. Nach Vorarbeit von Janis Walther schob er zum 0:3 ein. Drei Tore, drei Youngster - das war Jugendfußball mit Effizienzgarantie. Während Emsdetten weiter kombinierte, stand Hollfeld tief, aber nicht sicher. Der Ballbesitz sank auf 37,8 Prozent, die Zweikampfquote auf müde 40.7 Prozent. Trainer des ASV - der sich nach Abpfiff wortkarg gab - murmelte nur: "Wir wollten mutig sein. Hat nicht funktioniert." Da hatte er recht: Mutig war vielleicht der Plan, mutlos die Umsetzung. Emsdetten dagegen spielte das souverän runter. Kein wildes Pressing, dafür kluges, sicheres Spiel. Erst ab der zweiten Halbzeit schaltete man auf aktives Pressing um - und prompt fielen die Tore. "Das war Training auf Wettkampfniveau", lobte Coach Wolf seine blutjunge Truppe. Kurz vor Schluss hätte es sogar noch schlimmer kommen können: Georgi Hubtschew, 17 Jahre jung und Rechtsverteidiger, prüfte in der 90. Minute erneut den tapferen Beyer. Doch der Keeper parierte und verhinderte das 0:4 - ein kleiner Trostpreis nach einem langen Abend. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Zuschauer artig, vielleicht auch erleichtert. Die einen, weil es endlich vorbei war, die anderen, weil sie guten Fußball gesehen hatten - nur eben nicht von ihrer Mannschaft. "Wir nehmen das als Lehrstunde", sagte Hollfelds Kapitän leise, während er in die Kabine trottete. "Vielleicht müssen wir einfach mal anfangen, das Tor zu treffen." Fazit: Borussia Emsdetten war clever, jung und zielstrebig. Der ASV Hollfeld dagegen blieb brav, bemüht und glücklos. Das 0:3 war nicht nur verdient, es war fast gnädig. Und irgendwo auf der Tribüne fragte ein älterer Herr mit Schal: "Wann spielt eigentlich die zweite Mannschaft?" - Die Antwort: wohl früher als gedacht. 07.10.643993 18:32 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler