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Borussia Emsdetten feiert ein 6:0 der besonderen Sorte

Ein Freitagabend unter Flutlicht, 2882 Zuschauer im Stadion an der Schützenstraße, und schon nach einer Viertelstunde war klar: Schwabmünchen würde an diesem 20. Spieltag der Landesliga 19 wohl nicht mit einem Lächeln nach Hause fahren. Borussia Emsdetten zerlegte den Gast mit 6:0 (3:0) - und tat das mit einer jugendlichen Leichtigkeit, die Trainer Nico Wolf später trocken kommentierte: "Die Jungs haben heute gespielt, als hätten sie vergessen, dass sie noch Hausaufgaben machen müssen."

Dabei begann alles recht harmlos. Schwabmünchen kam früh zu zwei Abschlüssen, in der 1. und 4. Minute prüften Herbert Buchholz und Erik Wirth den jungen Emsdettener Keeper Frideborg Abramson. Doch der 17-Jährige hielt, was zu halten war - und das mit einer Ruhe, die man sonst nur bei Yoga-Retreats findet.

Dann drehte sich der Wind. In der 12. Minute traf Mirko Dembinski nach klugem Zuspiel von Aad Van Cortlandt zum 1:0. Dembinski, gerade 19, grinste hinterher: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn er reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht." Drei Minuten später legte Innenverteidiger Jon Hästad nach, per Kopf nach einer butterweichen Flanke von Janis Walther. 2:0, und Schwabmünchen schaute sich gegenseitig an, als wolle man fragen, ob das vielleicht ein Missverständnis sei.

Spätestens in der 27. Minute war klar: Das war kein Missverständnis. Detlev Hase, ebenfalls 19, traf aus der zweiten Reihe ins rechte Eck - erneut mit Van Cortlandt als Vorlagengeber. Der junge Niederländer hatte an diesem Abend offenbar beschlossen, dass Flanken seine neue Lieblingsbeschäftigung sind.

Zur Pause stand es 3:0, und Gästecoach - nennen wir ihn den Mann mit dem längsten Gesicht des Abends - versuchte, seinen Spielern Mut zuzusprechen. "Wir wollten nach der Pause kompakter stehen", erklärte ein sichtlich genervter Hermann Petersen, der dann prompt in der 46. Minute Gelb sah. Kompakter wurde es dadurch nicht.

Denn Emsdetten spielte weiter munter nach vorn. Heinz Reinhardt, mit 29 fast schon der "Alte" unter den Borussen, zog im Mittelfeld die Fäden und bereitete das 4:0 in der 54. Minute mustergültig vor. Aad Van Cortlandt vollendete mit einem satten Schuss ins linke Eck - und rannte danach jubelnd über den halben Platz, als hätte er gerade den Pokal gewonnen. "Ich hab nur geschrien, weil ich endlich mal selbst einen machen durfte", lachte er später.

Das 5:0 in der 80. Minute war dann die Kür: Janis Walther, der schon im ersten Durchgang Vorlagengeber war, schloss nach einer Hereingabe von Georgi Hubtschew ab. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", meinte Walther hinterher, "ich bin einfach gelaufen, und plötzlich lagen alle auf mir."

Und weil ein gutes Drama immer einen Schlussakkord braucht, setzte der 17-jährige Stilian Boschinow in der 87. Minute den Deckel drauf. Nach klugem Doppelpass mit Detlev Hase traf er eiskalt - das 6:0, und das Stadion tanzte. "Ich wusste gar nicht, dass Teenager so cool sein können", grinste Trainer Wolf.

Statistisch war das Spiel eine klare Sache: 17:3 Torschüsse, 59 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote, die man getrost als "Chef im Ring" bezeichnen darf. Schwabmünchen wirkte dagegen, als wäre der Ball ein seltener Luxusgegenstand. "Wir haben einfach keinen Zugriff bekommen", seufzte Keeper Marcus Weller, der trotz sechs Gegentoren noch zu den Besseren gehörte.

Nico Wolf fasste es später mit seinem typisch trockenen Humor zusammen: "Wir wollten defensiv starten, und dann sind die Jungs aus Versehen in den Offensivmodus geraten." Das Publikum freute sich, und so mancher schwärmerische Fan in der dritten Reihe sagte beim Abpfiff: "Wenn die so weitermachen, spielen die bald nicht mehr in der Landesliga."

Vielleicht etwas früh für solche Träumereien - aber an diesem Abend durfte man sie haben. Borussia Emsdetten hat nicht nur ein Spiel gewonnen, sondern eine kleine Demonstration abgegeben, wie Spielfreude und Teamgeist aussehen können. Und während die Flutlichter erloschen und die Spieler in die Kabine verschwanden, hörte man aus der Ecke des Stadions noch einen älteren Zuschauer murmeln: "So jung, so frech - das ist Fußball, wie er sein soll."

Ein 6:0, das man in Emsdetten noch lange erzählen wird - wahrscheinlich mit jeder Wiederholung ein bisschen höher.

16.01.643991 13:43
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