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Ein lauer Märzabend, 20:15 Uhr in Emsdetten. 2.605 Zuschauer, viele mit Schals, einige mit Bier, alle mit der Hoffnung auf ein gutes Spiel. Und sie wurden nicht enttäuscht - zumindest die, die auf Borussia Emsdetten hielten. Die Hausherren schickten den Lichtenrader BC mit einem 4:0 zurück nach Berlin und zeigten dabei einen Fußball, der so frisch wirkte, als hätte man die Mannschaft direkt aus der Jugendakademie der Euphorie entlassen. Schon nach zwei Minuten ließ sich erahnen, wohin die Reise geht: Andrea Mottafollone prüfte den Lichtenrader Keeper Ondrej Ctyroky mit einem satten Distanzschuss. Das war kein Tor, aber ein Versprechen. In der 14. Minute löste Danilo Perri dieses Versprechen ein: Der 17-Jährige, der aussieht, als dürfe er noch nicht ohne Eltern auf Auswärtsfahrt, traf nach Mottafollones cleverem Pass eiskalt zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Perri nach dem Spiel. "Coach Wolf sagt immer: Wenn du zögerst, zögert das Tor mit." Offenbar eine Philosophie, die funktioniert. Nur 13 Minuten später folgte der nächste Streich. Wieder Perri, diesmal nach Vorarbeit von Detlev Hase. Die Kombination der beiden wirkte, als hätten sie sich im Training heimlich aufeinander eingeschossen. 2:0 - und Lichtenrade? Stand da, schaute zu und hoffte, der Schiedsrichter möge versehentlich die Halbzeit abpfeifen. Zur Pause sah man Gästetrainer in Gedanken offenbar schon an der Taktiktafel basteln, doch das half wenig. Borussia Emsdetten hatte 61 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse und ungefähr so viel Kontrolle wie ein Schachgroßmeister gegen einen Anfänger mit Augenbinde. Lichtenrade brachte es auf zwei zaghafte Versuche - einer davon landete in der Nähe des Parkplatzes, der andere in den Fangzäunen. Nach dem Seitenwechsel wurde es nicht besser für die Gäste. In der 58. Minute stieg Innenverteidiger Jon Hästad nach einer Ecke hoch wie ein Turm aus schwedischem Granit und köpfte zum 3:0 ein. Der Stadionlautsprecher hatte kaum zu Ende gejubelt, da stand Hästad schon wieder parat. Sechs Minuten später, 64. Spielminute, stand er nach einer unübersichtlichen Szene im Strafraum goldrichtig und stocherte den Ball über die Linie - 4:0. Doppelpack eines Innenverteidigers. "Ich dachte kurz, ich sei Stürmer", lachte Hästad später. "Aber dann fiel mir ein: Ach, Mist, ich bin ja Verteidiger." Trainer Nico Wolf blieb sachlich: "Wir haben das Spiel kontrolliert, ruhig aufgebaut, und vor allem: Wir waren gierig. Man hat gesehen, dass die Jungs Spaß am Fußball haben." Spaß, ja - und Disziplin. Denn obwohl die Mannschaft am Ende sichtbar auf Pressing umstellte und vollen Einsatz zeigte, blieb sie fair, konzentriert und hungrig auf mehr. Lichtenrade dagegen wirkte nach dem dritten Tor wie ein Boxer, der nur noch auf den Gong wartet. Kein Pressing, keine Überraschung, kein Aufbäumen. "Wir haben uns zu sehr aufs Zusehen verlegt", gab Mittelfeldroutinier Jürgen Rose nach dem Spiel zu. "Ehrlich gesagt: Emsdetten war einfach besser. Da kann man nicht mal böse sein." Die letzten Minuten wurden zu einer Art Schaulaufen für die Borussia. Joseba Corona prüfte Ctyroky gleich mehrfach, Janis Walther zog noch zwei Mal gefährlich ab, und selbst Mirko Dembinski versuchte sich kurz vor Schluss aus der Distanz. Das Publikum honorierte jeden Angriff mit Applaus - und den Gegner mit Mitleid. Als Schiedsrichter Schmidt schließlich abpfiff, schien das 4:0 fast zu niedrig. Ein Spiel, das man in Emsdetten noch eine Weile erzählen wird, vielleicht mit leicht übertriebenen Details ("Ich schwöre, der Hästad hat fast aus 30 Metern geköpft!"). "Wir bleiben auf dem Boden", versprach Trainer Wolf nach dem Spiel, "auch wenn der heute ziemlich weit oben lag." Fazit: Borussia Emsdetten spielte nicht nur besser, sondern reifer, cleverer, wacher. Lichtenrade dagegen wirkte, als hätte man ihnen die Fernbedienung weggenommen - sie sahen zu, aber griffen nicht ein. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem ein 17-jähriger Doppeltorschütze und ein Innenverteidiger mit Torinstinkt die Landesliga ein kleines Stück schöner machten. Wer das Spiel verpasst hat, darf sich ärgern - oder einfach hoffen, dass Borussia Emsdetten bald wieder so spielt. 07.07.643993 04:22 |
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