Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

Boreham Wood zerlegt Southampton in 45 Minuten

Wenn ein Spiel schon zur Halbzeit entschieden ist, dann meist, weil eine Mannschaft entweder göttlich oder die andere gnadenlos überfordert war. Am 10. Spieltag der 1. Liga England war es wohl beides: Boreham Wood führte nach 45 Minuten mit 4:1 gegen den FC Southampton - und das blieb auch der Endstand. 36.676 Zuschauer sahen ein Spektakel der besonderen Art, bei dem Boreham Woods Angreifer Samuel Harrington die Gästeabwehr in seine persönliche Tanzschule einlud.

Dabei hatte alles so harmlos begonnen. In der 13. Minute köpfte ausgerechnet Southamptons Innenverteidiger Carles Ordono nach einer Ecke die frühe Führung für die Gäste - ein Treffer, der so unerwartet kam wie ein Sonnenstrahl im englischen April. "Da dachte ich kurz, heute wird’s ein ruhiger Abend", grinste Boreham-Coach Sven Schliffke später. Ruhig wurde es nicht.

Nur zwölf Minuten später schlug Harrington zurück. Nach einem schnellen Flügelwechsel über Ellis Roades drückte der Stürmer den Ball aus kurzer Distanz über die Linie - 1:1 (25.). Das Stadion wachte auf, und Boreham Wood spielte plötzlich, als hätte jemand den Energieknopf gefunden. In der 36. Minute war es wieder Harrington, diesmal nach einem langen Ball von Innenverteidiger Davib Lankford, der die Southampton-Abwehr alt aussehen ließ. Zwei Ballkontakte, ein Haken, ein Tor: 2:1.

"Ich hab einfach geschossen, weil mir kalt war", witzelte Harrington nach dem Spiel. Sein Humor war so trocken wie seine Abschlussquote präzise.

Southampton taumelte - und Boreham Wood roch Blut. In der 43. Minute traf der junge Samuel Davonport nach erneutem Zuspiel von Lankford zum 3:1. Kaum hatten die Gäste den Ball wieder im Spiel, klingelte es erneut: Roades verwertete eine Vorlage von Davonport zum 4:1 (45.). Vier Tore in 20 Minuten - das klang eher nach Videospiel als nach Premier-League-Alltag.

"Wir haben die Ordnung komplett verloren", gestand Saints-Trainer Michael Böning. "Da war kurz Panik im System. Vielleicht auch länger als kurz." Sein Team hatte zur Halbzeit zwar mehr Ballbesitz (52 Prozent) und insgesamt zehn Torschüsse, doch zählbares sprang nicht mehr heraus.

Die zweite Hälfte? Ein Musterbeispiel an Schadensbegrenzung. Boreham Wood stellte auf Verwaltung um, Southampton wechselte, kämpfte und schoss - aber stets in die Arme von Keeper Rhys Crichton oder in die Fänge der eigenen Nervosität. Besonders bitter: Der junge Gabriel Nilsson musste nach 33 Minuten verletzt raus, was Southamptons Offensivspiel sichtbar lähmte.

Die wenigen Highlights nach der Pause lieferten gelbe Karten und ein paar hektische Szenen im Mittelfeld. William Hayman (53.) und Carlos Izquierdo (67.) sahen Gelb, später traf es auch den jungen Linksverteidiger Taylor Hardin in der Nachspielzeit. "Das war mehr Frust als Foul", murmelte Schliffke dazu mit einem Zwinkern.

Southampton versuchte es mit Pressing und Wut im Bauch, doch Boreham Wood stand kompakt, lauerte und hätte durch Harrington (51.) oder Roades (52.) sogar noch erhöhen können. Aber irgendwie war der Hunger gestillt. "Wir wollten nicht unhöflich werden", meinte Roades später lachend.

Am Ende blieb es beim 4:1 - ein Ergebnis, das in seiner Klarheit überrascht, in seiner Entstehung aber vollkommen verdient war. Boreham Woods Mischung aus bissiger Aggressivität und cleverem Passspiel (12 Torschüsse, 51 Prozent gewonnene Zweikämpfe) war schlicht zu viel für die Saints.

Trainer Schliffke zeigte sich nach dem Spiel fast philosophisch: "Manchmal läuft’s einfach. Dann denkst du als Trainer: Hoffentlich merkt das keiner, dass ich gar nichts gemacht habe." Sein Gegenüber Böning dagegen suchte Trost in der Statistik: "Wir hatten mehr Ballbesitz." - "Ja", soll ein Journalist darauf geantwortet haben, "aber Boreham Wood hatte mehr Spaß."

Und das war an diesem Abend offensichtlich. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Standing Ovations, während die Southampton-Spieler mit gesenkten Köpfen vom Platz schlichen.

Ein Abend, an dem Boreham Wood sich selbst übertraf - und Southampton sich wohl fragte, ob man beim nächsten Mal vielleicht schon nach 13 Minuten abpfeifen sollte.

(Artikelumfang: ca. 620 Wörter)

23.02.643994 16:25
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager