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Es war ein kalter Montagabend im Januar, der Wind pfiff durch das betagte Stadion von Stoke City, und 34.642 Zuschauer hofften auf eine dieser typischen englischen Fußballnächte: rustikal, laut, leidenschaftlich. Sie bekamen - nun ja - genau das, nur aus Sicht der Heimmannschaft leider mit dem falschen Ausgang. Boreham Wood, der vermeintliche Außenseiter, entführte beim 0:1 (0:0) alle drei Punkte, dank eines späten Treffers von Samuel Harrington in der 75. Minute. Von Beginn an war klar, wer hier das Heft in der Hand halten wollte. Boreham Wood spielte forsch, fast frech, und feuerte aus allen verfügbaren Lagen. 22 Torschüsse standen am Ende zu Buche - gegenüber mageren zwei Versuchen der Hausherren. Schon nach sieben Minuten prüfte Ellis Roades den jungen Stoke-Keeper Adam Perlman mit einem satten Linksschuss, der den Außenpfosten streifte. Perlman, gerade einmal 17 Jahre alt, klatschte in die Hände und rief seinen Verteidigern zu: "Alles gut, Jungs, ich hab’s gesehen!" - man glaubte es ihm gern, denn er sollte an diesem Abend der beschäftigste Mann auf dem Platz bleiben. Trainer Horst Fiedler von Stoke versuchte nach dem Spiel zu erklären, warum seine Mannschaft so passiv wirkte: "Wir wollten dem Gegner den Ball geben, um dann zuzuschlagen. Leider hat das mit dem Zuschlagen nicht so gut geklappt." Ein trockener Kommentar, der in Anbetracht eines Ballbesitzverhältnisses von 47,8 zu 52,2 Prozent fast schmeichelhaft wirkte. Boreham Wood-Coach Sven Schliffke hatte seiner Mannschaft offenbar eine klare Ansage gemacht: Mut, Aggressivität und noch mehr Mut. Schon die Taktik-Daten verrieten: aggressiv, offensiv, und wenn es sein muss, auch mal rustikal. Das bekam Stoke spätestens in der 64. Minute zu spüren, als Innenverteidiger Carlos Izquierdo für ein beherztes Einsteigen die Gelbe Karte sah. "Ich wollte nur den Ball treffen", sagte Izquierdo später mit einem Grinsen, "aber der Ball hat sich anscheinend bewegt." Bis zur Pause blieb es beim torlosen Unentschieden, auch weil Harrington, der spätere Matchwinner, in der 43. Minute freistehend über das Tor köpfte. Boreham Wood suchte weiter die Entscheidung, Stoke City suchte die Steckdose für den Offensivstrom - und fand sie einfach nicht. Der einzige echte Abschluss der Hausherren in der zweiten Hälfte kam von Liam Gross in der 55. Minute, ein harmloser Versuch, den Boreham-Keeper Rhys Crichton dankbar auffing. Dann kam jene 75. Minute, in der Boreham Wood endlich das verdiente Tor erzielte. Nach einem schnellen Angriff über die rechte Seite legte Samuel Davonport quer, und Harrington schob den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Kein Traumtor, aber ein typischer Treffer dieser Partie: entschlossen, schnörkellos, ohne Firlefanz. Harrington rannte zur Eckfahne, riss die Arme hoch und brüllte in Richtung der mitgereisten Fans: "Das ist für euch!" - und man glaubte ihm jedes Wort. Stoke City versuchte danach, wenigstens noch den Punkt zu retten, doch es blieb beim Versuch. Die Einwechslung junger Spieler brachte zwar frischen Wind, aber keine Ideen. Boreham Wood dagegen wechselte clever: Schliffke brachte mit James Simpson in der 77. Minute einen frischen Linksverteidiger, um die knappe Führung über die Zeit zu bringen. Der Plan ging auf. Nach Abpfiff wirkte Stoke-Trainer Fiedler ernüchtert: "Wir haben uns zu sehr beeindrucken lassen. Boreham Wood hat das clever gespielt - und wir haben das Spiel aus der Hand gegeben, bevor wir es überhaupt richtig in der Hand hatten." Sein Gegenüber Schliffke hingegen war bester Laune: "Ich habe gesagt, wenn wir mutig sind, können wir hier was holen. Jetzt holen wir uns erst mal ein Bier." Die Statistik erzählte die Geschichte, die man mit bloßem Auge ohnehin gesehen hatte: 22 zu 2 Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen - Boreham Wood war in allen Belangen überlegen. Stoke City dagegen wirkte wie ein Team, das zwischen Unsicherheit und jugendlichem Übermut schwankte. Als die Flutlichter erloschen und der Wind weiter durch die Tribünen fegte, blieb das Gefühl, dass hier nicht einfach nur ein Außenseiter gewonnen hatte. Boreham Wood hatte gezeigt, dass Mut manchmal mehr wert ist als Marktwert. Und Stoke City? Nun, dort wird man wohl in den nächsten Tagen häufiger die Worte "Torgefahr" und "Abschlussstärke" auf der Trainingsagenda finden. Oder, wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions trocken formulierte: "Wenn du nur zweimal aufs Tor schießt, darfst du dich nicht wundern, wenn du verlierst." Da hatte er wohl recht. 26.08.643987 10:54 |
Sprücheklopfer
Fußball ist Ding, Dang, Dong. Es gibt nicht nur Ding.
Giovanni Trappatoni