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Wenn ein Spiel nach einer halben Stunde praktisch entschieden ist, kann man als Zuschauer entweder frühzeitig zum Imbissstand gehen oder sich entspannt zurücklehnen und das Spektakel genießen. Die 36.615 Fans im Estádio do Bessa haben sich für Letzteres entschieden - und bekamen ein Feuerwerk serviert, das Boavista Porto mit 5:0 gegen den überforderten Gast Nelas abbrannte. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass Trainer Cuba Libre seine Männer auf Angriff eingestellt hatte - auch wenn die Statistik am Ende nüchtern von nur 50,5 Prozent Ballbesitz spricht. Was die Zahlen nicht verraten: Boavista spielte mit einer Präzision und Wucht, die Nelas schlicht überrollte. 24 Torschüsse, fünf davon im Netz, der Rest im Bereich "Torwart warmgeschossen". In der 29. Minute eröffnete Joel Anderson das Schützenfest. Nach Pass von Marko Vrucina zog der Mittelfeldmotor trocken von der Strafraumkante ab - ein Schuss, wie mit dem Lineal gezogen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Anderson später. "Manchmal denkt man zu viel. Heute hab ich einfach mal nicht gedacht." Kaum hatte Nelas sich sortiert, stand es auch schon 2:0. Wieder Anderson, diesmal nach feiner Vorarbeit von Carlos Meireles (33.). Gästecoach Günter Siebert raufte sich die Haare und murmelte etwas von "Positionsspiel wie auf dem Bolzplatz". Seine Mannschaft fand kaum statt: drei magere Torschüsse, von denen einer den Balljungen in die Flucht schlug. Boavista hingegen kombinierte sich nach der Pause weiter durch die gegnerische Hälfte, als würde es um Trainingsformen gehen. In der 53. Minute durfte dann auch Jamie Carmody jubeln - nach erneuter Vorlage von Vrucina, der an diesem Abend jeden Pass mit eingebautem Navigationssystem spielte. "Das war keine Vorlage, das war ein Geschenkpapier-Pass", schwärmte Carmody im Kabinengang. Nelas versuchte tapfer, das Unvermeidliche zu verhindern, doch spätestens nach dem 4:0 durch Meireles (66.) war die Luft raus. Sein Schuss zischte so platziert ins Eck, dass selbst Keeper Karl Henriksson nur resignierend die Hände hob - als wolle er sagen: "Na gut, dann eben so." Trainer Cuba Libre blieb trotzdem ruhig an der Seitenlinie. "Ich trinke in der Pause lieber Wasser, sonst wird’s zu sehr ein Freudenfest", scherzte er später. Sein Humor passte zum Spiel: locker, elegant, aber mit einem klaren Ziel. In der 87. Minute durfte sich schließlich auch der frisch eingewechselte Pim Halse in die Torschützenliste eintragen. Nach Vorarbeit des Innenverteidigers Yossi Dajan (!) drückte der Linksaußen den Ball über die Linie - das 5:0, das so deutlich war, dass selbst die Anzeigetafel kurz flackerte, als könne sie es kaum glauben. Nelas beendete die Partie immerhin mit elf Mann, aber zwei Gelbe Karten (Varela, Andrade) und hängenden Köpfen. "Wir haben nicht alles falsch gemacht", meinte Siebert mit einem gequälten Lächeln. "Aber wenn du den Ball nie hast, kannst du auch keine Tore schießen." Boavista dagegen zeigte eine fast klinische Effizienz. Fünf Tore bei 24 Schüssen, couragierte Zweikämpfe (57 Prozent gewonnen) und eine Mannschaft, die Lust auf Fußball hatte. Besonders Vrucina war der heimliche Regisseur des Abends - drei Assists, unermüdlich im Mittelfeld. Nach dem Abpfiff feierten die Fans noch lange. Anderson wurde zum Mann des Spiels gewählt, ließ sich feiern und sagte ins Mikrofon: "Heute war’s einfach schön. Und nächste Woche machen wir’s noch mal." Ob das so leicht wiederholt werden kann, bleibt abzuwarten. Aber an diesem 24. Spieltag der portugiesischen Liga zeigte Boavista Porto, dass man mit "ausgewogener Taktik" und "starkem Einsatz" auch ein ausgeglichenes Ballbesitzspiel in eine einseitige Gala verwandeln kann. Und während die Flutlichter langsam erloschen, hörte man irgendwo auf der Tribüne einen Fan sagen: "Das war kein Spiel - das war ein Bewerbungsschreiben für die Champions League." Man wird ihm kaum widersprechen wollen. 23.10.643987 21:49 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack