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Wenn man 32.385 Zuschauer gleichzeitig glücklich machen will, sollte man einfach so spielen, wie Boavista Porto es an diesem Samstagabend getan hat. Der 3:0-Sieg gegen Vila do Conde am 10. Spieltag der 1. Liga Portugal war kein Feuerwerk des Ballbesitzes - dafür ein Musterbeispiel in Effizienz, Leidenschaft und einer gehörigen Portion sarkastischem Fußballwitz. Trainer Cuba Libre, dessen Name schon nach Feierabend klingt, grinste nach dem Abpfiff breit: "Ich habe der Mannschaft gesagt: Spielt, als gäbe es morgen keine Regenerationseinheit." Und seine Spieler hielten sich daran. 18 Torschüsse, drei Treffer, jede Menge Applaus - der Abend gehörte Boavista. Dabei begann alles eher zäh. Vila do Conde hatte sogar leicht mehr Ballbesitz (50,8 Prozent), aber was half’s? Der Ball lief zwar hübsch durch die Reihen, doch meist in ungefährlichen Bahnen. Schon nach einer Minute prüfte Bruno Viana mit einem Distanzschuss Torwart Daniel Custov - der fing den Ball so locker, als hätte er gerade eine Kaffeetasse abgestellt. Boavista hingegen brauchte ein paar Minuten, um warmzulaufen. Lewis Marshal und Javier Makukula testeten früh die Reflexe von Gästetorwart Vicente Deco (ja, ein Namensvetter des späteren Torschützen - die Statistiker hatten ihren Spaß). In der 34. Minute wurde es dann ernst: Elias Jansen spielte einen Traumpass in die Gasse auf Makukula, der das Leder clever zurücklegte. Adriano Deco rauschte heran und versenkte den Ball trocken - 1:0! Das Publikum tobte, und Deco selbst grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball war anderer Meinung." Mit dieser Führung ging’s in die Pause, und man hatte das Gefühl, dass Vila do Conde im Kabinengang schon etwas ratlos dreinschaute. "Wir hatten das Spiel unter Kontrolle - bis der Ball im Netz war", seufzte Innenverteidiger Marco Tonel. Nach dem Seitenwechsel kam Boavista mit frischem Schwung zurück. Linksverteidiger Danil Komarow, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, schlich sich in der 59. Minute nach vorne. Elias Jansen legte quer, Komarow zog ab - und plötzlich stand es 2:0. "Ich dachte, ich träume", lachte Komarow später, "so weit vorne bin ich sonst nur beim Eckball." Vila do Conde versuchte zwar, mit langen Bällen Akin Karaman in Szene zu setzen, doch Boavista stand kompakt. Die Abwehr um Coupek und Couto räumte alles ab, was sich auch nur in Richtung Strafraum bewegte. Und wenn doch mal was durchkam, war Custov zur Stelle - meist sogar mit einer Prise Theatralik, als wolle er die Jury für den besten Torwart-Schauspielerpreis überzeugen. In der 77. Minute wechselte Trainer Libre doppelt und brachte Milos Kahriman und Pim Vanderwerken. Ein Geniestreich - denn die frischen Beine hielten Vila do Conde in Schach, während vorne der dritte Streich folgte. In der 80. Minute setzte Adriano Deco zum Solo an, sah Elias Jansen im Rückraum und legte mustergültig auf. Jansen zog ab, der Ball zappelte - 3:0! "Wir spielen wie im Training - nur mit schönerem Licht", witzelte Jansen danach. Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Boavista gönnte sich sogar einige Kabinettstückchen, Pässe mit der Hacke, einen Übersteiger zu viel - das Publikum johlte. Die Gäste hingegen wirkten, als wollten sie nur noch unbeschadet nach Hause kommen. Trainer Cuba Libre nickte zufrieden an der Seitenlinie, während sein Gegenüber, dessen Name der Statistik wohl entfallen war, sich in sein Notizbuch vergrub - vermutlich, um dort das Wort "Albtraum" zu unterstreichen. Am Ende standen 18:6 Torschüsse und 54,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Boavista. Zahlen, die deutlich machen: Hier dominierte kein Ballbesitzfußball, sondern Mut, Biss und Spielfreude. "Wir wollten zeigen, dass Balance auch Spaß machen kann", so Libre augenzwinkernd. Als die Flutlichter erloschen und die Fans noch immer sangen, sah man in Portos Nachtluft zufriedene Gesichter. Boavista klettert mit diesem Sieg in der Tabelle nach oben - und Vila do Conde wird sich fragen, wie man mit mehr Ballbesitz trotzdem so leer ausgehen kann. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Manchmal braucht’s keinen Champagner-Fußball - ein guter Schluck Cuba Libre tut’s auch." 03.05.643987 07:13 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack