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Wenn ein Spiel jemals den Titel "Einbahnstraßenfußball" verdient hat, dann war es dieser 17. Spieltag im Estádio do Bessa Século XXI. Boavista Porto ließ CD Tirsense beim 4:0 (2:0) kaum Luft zum Atmen - ein Heimspiel, das mehr nach Schaulaufen als nach Arbeitssieg aussah. 33.518 Zuschauer bekamen eine Vorstellung, bei der die Gastgeber zeitweise mehr artistische Ambitionen als taktische Sorgen zeigten. Bereits nach sieben Minuten zappelte der Ball das erste Mal im Netz. Joel Anderson, Boavistas zentraler Mittelfeldmotor, zog beherzt ab, nachdem Petr Coupek einen Ball geschickt in den freien Raum gespitzelt hatte. "Ich dachte zuerst, das war zu früh für so was", grinste Anderson später, "aber wenn der Ball dich bittet, geschossen zu werden, dann sagst du nicht nein." Der Treffer war der Startschuss für eine Partie, die früh ihren Verlauf nahm. Tirsense, das sich redlich bemühte, die eigene Ordnung zu bewahren, fand kaum einen Weg nach vorne. Ganze drei Torschüsse verbuchte das Team über 90 Minuten - einer davon in der vierten Minute, als Joao Varela aus spitzem Winkel Felipe Ronaldo prüfte. Danach wurde es still im Gästeblock, und zwar nicht nur akustisch. Boavista hatte 51 Prozent Ballbesitz, aber gefühlt 90 Prozent Kontrolle. In der 36. Minute erhöhte Elias Jansen auf 2:0. Der 29-Jährige hatte sich aus der Tiefe gelöst, bekam den Ball von Lucas Van Kerckhove mustergültig serviert und tunnelte den verdutzten Keeper Bruno de Almeida. "Ich habe einfach geschossen - ich wollte gar nicht durch die Beine", erklärte Jansen hinterher mit einem Grinsen. "Aber wenn’s klappt, beschwert sich keiner." Trainer Cuba Libre - ja, das ist tatsächlich sein Name - stand währenddessen mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und nickte zufrieden. "Wir wollten mutig, aber kontrolliert auftreten", sagte er nach dem Spiel. "Das hat funktioniert. Auch wenn Yossi Dajan offenbar dachte, Gelb sei die neue Vereinsfarbe." Der Innenverteidiger sah in der 54. Minute Gelb und flog nach einem weiteren Foul in der 72. folgerichtig mit Gelb-Rot vom Platz. Doch selbst in Unterzahl spielte Boavista weiter, als stünde ein Mann mehr auf dem Feld. Der eingewechselte Nuno Vaz brachte frischen Schwung auf rechts, Samuel Thuringer ersetzte Jamie Carmody, und vorne hatte Lucas Van Kerckhove endgültig Spaß gefunden. In der 68. Minute setzte er sich nach einem feinen Doppelpass mit Linksverteidiger Danil Komarow durch und traf zum 3:0. Das Stadion tobte, und Van Kerckhove riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Liga gewonnen. Und weil ihm das offenbar noch nicht genug war, legte der 32-Jährige kurz vor Schluss noch einen drauf. In der 89. Minute kombinierte sich Boavista trotz Unterzahl durch die völlig entmutigte Tirsense-Abwehr, Elias Jansen legte quer, und Van Kerckhove schob den Ball seelenruhig ein - 4:0, Endstand. "Wenn du so spielst, ist der Platzverweis nur ein kleiner Schönheitsfehler", meinte Trainer Libre trocken. Statistisch war Boavista drückend überlegen: 18 Torschüsse zu 3, eine Zweikampfquote von fast 57 Prozent und eine Passsicherheit, die Tirsense wie den Gast bei einem Tanzabend wirken ließ - stets bemüht, aber nie im Rhythmus. CD Tirsense-Coach (der nach dem Spiel lieber ungenannt bleiben wollte) fasste das Ganze mit Galgenhumor zusammen: "Wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die selbst in Unterzahl noch Kombinationslust hat, dann weißt du: Heute ist nicht dein Abend." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Selbst der Stadionsprecher klang gerührt, als er die Torschützenliste verlas. Lucas Van Kerckhove, der doppelte Held des Abends, klopfte sich beim Abgang selbst auf die Brust und rief Richtung Tribüne: "Das war für euch!" Boavista Porto hat mit diesem Sieg endgültig klargemacht, dass man im oberen Tabellendrittel mitzureden gedenkt. Und Tirsense? Nun, sie durften immerhin erleben, wie es aussieht, wenn ein Gegner fast alles richtig macht. Manchmal ist eben auch das eine Erkenntnis. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn die so weiterspielen, brauchen sie bald keine Gegner mehr - nur noch Zuschauer." Und das, so ehrlich muss man sein, wäre für die Liga fast schon unfair. 23.07.643987 07:40 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack