A Bola
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Boavista dreht das Spiel - Porto bebt nach 3:2-Spektakel gegen Benfica

Wenn 43.086 Zuschauer im Estádio do Bessa ihre Schals schwenken, dann riecht es nach Drama - und genau das bekamen sie am 26. Spieltag der 1. Liga Portugal geboten. Boavista Porto besiegte den großen FC Benfica mit 3:2 (1:2) in einem Spiel, das alles hatte: frühe Schocks, eine furiose Wende und einen Trainer, der am Ende aussah, als wolle er die Eckfahne umarmen.

Es begann, wie es Benfica-Fans lieben und Boavista-Fans fürchten. Schon in der 9. Minute rauschte Chaim Tzwi, Benficas quirliger Linksaußen, in die Box, bekam den Ball von Rafael Eusebio serviert und schlenzte ihn mit links ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Tzwi später in die Kameras - und niemand glaubte ihm.

Boavista wankte, aber fiel nicht. Trainer Cuba Libre - der Mann, dessen Name schon nach Feierabend klingt - schrie sich an der Seitenlinie die Stimme aus dem Hals. Seine Spieler verstanden offenbar: In der 23. Minute fasste sich Joel Anderson, der unermüdliche Mittelfeldmotor, ein Herz. Nach einem abgewehrten Eckball jagte er den Ball volley in die Maschen. Passgeber Petr Coupek rannte jubelnd Richtung Trainerbank, als hätte er gerade das Champions-League-Finale entschieden.

Doch Benfica wäre nicht Benfica, wenn es nicht noch einen Pfeil im Köcher hätte. Christopher Fryer, der rechte Flügelflitzer, traf kurz vor der Pause (41.) nach feinem Zusammenspiel mit Tzwi zum 2:1. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", murmelte Benfica-Coach Wes Morgan später mit einem Gesichtsausdruck, der alles andere als Überzeugung ausstrahlte.

Nach dem Seitenwechsel drehte sich das Spiel komplett. Boavista, statistisch leicht unterlegen im Ballbesitz (47 zu 53 Prozent), aber mit 17 Torschüssen deutlich aktiver, kam wie entfesselt aus der Kabine. In Minute 53 schickte Anderson mit einem Traumpass den Serben Stanko Mihajlovic auf die Reise. Der sprintete links durch, ließ den Verteidiger stehen und schob eiskalt ein - 2:2!

Sechs Minuten später bebte das Stadion erneut. Mihajlovic, nun in Spiellaune, bediente Jamie Carmody, der Benficas Torhüter Miguel Eusebio keine Chance ließ (59.). 3:2 - Boavista hatte das Spiel gedreht. "Ich hab ihn nur gesehen und gehofft, dass er nicht danebenhaut", lachte Mihajlovic nach dem Spiel. Carmody grinste: "Ich hau nie daneben, wenn’s um Benfica geht."

Benfica versuchte danach, das Ruder herumzureißen, aber die Ideen blieben aus. Morgan brachte frische Kräfte: Leblanc kam zur Pause, später MacAulay für Broderick - und verletzte sich prompt in der 76. Minute. "Manchmal läuft’s einfach nicht", seufzte Morgan. Ersatzmann Heinz Heise brachte zwar Schwung, aber keine Tore.

Boavista verteidigte nun mit Herz und Härte. Die Statistik spricht Bände: 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein stählerner Coupek in der Innenverteidigung, und ein Torwart Felipe Ronaldo, der in der Schlussphase zweimal glänzend parierte. Sogar die Gelbe Karte für Benficas Agemar Brito (72.) passte ins Bild einer zunehmend verzweifelten Gastmannschaft.

Die letzten Minuten wurden zur Nervenschlacht. Trainer Libre tigerte an der Seitenlinie, rief seinem Rechtsverteidiger Nuno Vaz nach dessen Einwechslung (71.) zu: "Wenn du noch einmal zu weit aufrückst, laufe ich selbst raus und ziehe dich zurück!" - woraufhin Vaz nur lachte und den nächsten Angriff einleitete.

Als Schiedsrichter Silva nach 94 Minuten abpfiff, fiel Libre seinem Co-Trainer in die Arme. "Das war mehr Arbeit als eine Nacht an der Bar", witzelte er. Dann fügte er ernst hinzu: "Aber die Jungs haben Charakter gezeigt. So gewinnt man keine Titel, aber Herzen."

Benfica hingegen steht ratlos da. Trotz mehr Ballbesitz und zweier früher Treffer reichte es nicht. Fryer zuckte mit den Schultern: "Wir haben aufgehört zu spielen, als sie angefangen haben zu glauben."

So endet ein Abend, der für Boavista mehr als drei Punkte bedeutet. Es war eine kleine Rebellion gegen die Fußballordnung Portugals - und vielleicht der Beginn eines neuen Selbstverständnisses. Die Fans jedenfalls sangen noch lange nach Abpfiff, während Libre Richtung Kabine verschwand, mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Erleichterung und Stolz pendelte.

Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht nur wegen der Tore, sondern wegen des Gefühls, dass Leidenschaft manchmal stärker ist als Ballbesitzstatistik. Oder, wie Joel Anderson es später treffend formulierte: "Wir haben heute mit Herz gespielt - und das schlägt in Porto immer ein bisschen lauter."

16.11.643987 00:50
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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