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Es war ein kalter Februarabend in Flint, aber die 26.006 Zuschauer im Stadion bekamen immerhin etwas geboten - wenn auch nicht von ihrer eigenen Mannschaft. Die Holyhead Blues gewannen beim 34. Spieltag der 1. Liga Wales mit 2:0 gegen defensive, oft zu brave Silkmen, die sich zu sehr auf das Zusehen spezialisiert hatten. Trainer Lasse Reden hatte seine Flint Silkmen von Beginn an in eine defensive Formation gezwungen, als wolle er verhindern, dass seine Jungs überhaupt in die Nähe der Mittellinie gelangen. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Reden nach dem Spiel mit stoischer Ruhe. Kompakt standen sie tatsächlich - so kompakt, dass man beinahe den Eindruck hatte, sie hätten auf dem Weg nach vorne eine unsichtbare Mauer übersehen. Die Blues dagegen spielten, als kämen sie gerade aus einer Doppelschicht im Trainingslager: 14 Schüsse aufs Tor, 58 Prozent Ballbesitz und eine erstaunliche Frische im Passspiel. Besonders auffällig: Rechtsverteidiger Freddie Monroe, der offenbar beschlossen hatte, dass Verteidigen überbewertet ist. In der 44. Minute stürmte er nach vorne, bekam den Ball von Igor Skrtel in den Lauf gelegt und schloss eiskalt ab - 1:0 kurz vor der Pause. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Monroe später in die Kameras. "Wenn man ständig hinten rumsteht, vergisst man fast, wie sich das anfühlt." Sein Coach Jürgen Steinmetz nickte zufrieden: "Freddie hat heute gezeigt, dass man auch als Außenverteidiger Spaß haben darf." Nach dem Rückstand blieb Flint bei seiner vorsichtigen Linie. In der Halbzeitpause wurde kein Pressing-Zauberstab geschwungen, kein System umgestellt. "Wir wollten ruhig bleiben", sagte Reden. Ruhig blieben sie - fast schon einschläfernd ruhig. Erst nach einer Stunde kamen sie zu nennenswerten Torschüssen, Dimas Pena und Zeeman Ostrander versuchten ihr Glück, doch Blues-Keeper Rafael Arino blieb gewohnt gelassen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer kam in der 59. Minute, als der 17-jährige Adam Henderson für Henrich Mintal eingewechselt wurde. Der Youngster wirbelte kurz auf dem linken Flügel, rief lautstark nach dem Ball - und bekam ihn zweimal. Danach verschwand auch er in der grauen Wand der Flint-Taktik. Währenddessen ließen die Blues den Ball laufen. Ramon Vaz dirigierte das Mittelfeld mit einer Ruhe, die an einen Uhrmacher erinnerte, und Mathias Daens prüfte den Torwart Lauritz Hoffman gleich mehrfach aus der Distanz. Flint versuchte zu kontern, doch ohne Plan, Tempo oder Überzeugung. Die Schlussphase gehörte wieder den Gästen. In der 96. Minute - als die meisten Zuschauer schon auf dem Weg zum Parkplatz waren - setzte Jake Lancaster den Schlusspunkt. Nach einem langen Ball von Linksverteidiger Enrique Blanco tauchte Lancaster frei vor Hoffman auf und verwandelte trocken zum 2:0. Ein klassischer Spätauftritt des 33-Jährigen, der danach mit einem Augenzwinkern meinte: "Ich renne halt erst dann, wenn es sich lohnt." Die Statistik sprach am Ende eine deutliche Sprache: 14 zu 5 Torschüsse, 58 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe. Die Blues kontrollierten das Spiel ohne übermäßiges Risiko. "Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben ruhig, aber zielstrebig gespielt", so Steinmetz. Bei Flint dagegen herrschte Frust. Kapitän Jacques Abrial schüttelte den Kopf: "Wir verteidigen, als ginge es um unser Leben, und am Ende verlieren wir trotzdem 0:2. Vielleicht sollten wir mal versuchen, selbst ein Tor zu schießen." Sein Trainer Lasse Reden zuckte mit den Schultern: "Wir müssen lernen, dass Kontrolle auch nach vorne möglich ist." In den Katakomben hörte man Fans murmeln, Flint spiele wie ein Team, das auf ein Elfmeterschießen hoffe - nur leider ohne Pokalspiel. So endete ein Abend, an dem die Holyhead Blues ihre Effizienz feierten, während Flint Silkmen die Kunst des Zauderns perfektionierte. Vielleicht bringt der nächste Spieltag etwas mehr Mut - und falls nicht, bleibt wenigstens Zeit, die eigene Abseitsfalle zu bewundern. Denn wie ein Zuschauer beim Hinausgehen trocken bemerkte: "Wenn man nie nach vorne spielt, kann man auch nicht in Konter laufen." Ein Satz, den man sich in Flint wohl über den Kabineneingang nageln sollte. 25.04.643990 11:45 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack