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Blues siegen knapp: Aberystwyths Aufholjagd endet im Seewind

Ein stürmischer Abend an der walisischen Küste, 32.016 Zuschauer trotzten dem Wind und den Temperaturen, um das Spektakel zwischen den Aberystwyth Seasiders und den Holyhead Blues zu erleben. Am Ende stand ein 2:3 (0:2) - ein Ergebnis, das so eng war wie die Gassen von Aberystwyth, aber die Blues nahmen die Punkte mit auf die Heimfahrt.

Die Partie begann, als wäre der Wind selbst der zwölfte Mann der Blues. Schon in der 19. Minute zappelte der Ball im Netz der Seasiders - Ramon Vaz, der Mittelfeldmotor der Gäste, hatte nach Vorlage von Ferenc Kabat aus der Distanz Maß genommen und traf flach ins rechte Eck. Vaz grinste später: "Ich wollte eigentlich passen, aber der Ball hat sich gedacht, er probiert’s mal selbst."

Aberystwyths Trainer Florian Claßen raufte sich die Haare, während seine Elf zwar engagiert, aber ideenlos durch die erste Halbzeit wankte. Holyhead spielte abgeklärt, kontrollierte hauchdünn den Ballbesitz (50,9 %) und ließ den Gegner laufen. Kurz vor der Pause kam es noch dicker: Noah Barbier, wieselflinker Linksaußen, vollendete nach einem langen Ball von Innenverteidiger Lucas Simpson zum 0:2 - ein Treffer, der so unlogisch wie schön war. "Ich hab gedacht, er köpft den Ball weg", schimpfte Claßen später halb lachend, halb verzweifelt.

Die zweite Halbzeit begann dann wie ein anderes Spiel - vielleicht hatte Claßen in der Kabine das Wort "Ehre" häufiger benutzt. In der 65. Minute fasste sich der 19‑jährige Max Lineback ein Herz, zog aus 20 Metern ab, und der Ball schlug unter der Latte ein. Assistgeber Michael Kinmont jubelte lauter als der Torschütze selbst. "Ich hab Max letzte Woche noch gesagt, dass er mal draufhalten soll - ich nehm’s als taktische Meisterleistung", witzelte Claßen danach.

Keine zwei Minuten später bebte das Stadion: Harrison Adams, ebenfalls 20, nutzte ein Durcheinander im Strafraum und drückte die Kugel zum 2:2 über die Linie - plötzlich war alles wieder offen. Auf der Tribüne tanzten Fans, Bierbecher flogen, und ein älterer Herr brüllte: "Jetzt holen wir sie uns!"

Doch Fußball kann grausam sein. In der 71. Minute schlug wieder das Duo Vaz - Kabat zu. Dieses Mal war der 33‑jährige Kabat der Vollstrecker, nach feiner Vorarbeit seines jungen Kollegen. 3:2 für Holyhead - und der Jubel der Blues klang wie die Brandung selbst. "Wir wussten, dass sie kommen würden. Also haben wir gewartet, bis sie atmen mussten", grinste Gästecoach Jürgen Steinmetz gewohnt trocken.

Danach wurde es hitzig. Holyheads Stürmer Sean Grantham holte sich in der 72. Minute Gelb ab, als er mehr Gegner als Ball traf. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", verteidigte er sich später - mit einem Augenzwinkern. Kurz darauf musste Aberystwyths rechte Abwehrseite umgebaut werden, als Callum Jones verletzt ausschied (82.). Claßen brachte den erfahrenen Callum Combe, der sofort lautstark die Abwehr dirigierte - immerhin ein kleiner Trost.

Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 9 Torschüsse der Seasiders standen 12 der Blues gegenüber, der Ballbesitz war fast ausgeglichen. Doch die Kaltschnäuzigkeit der Gäste machte den Unterschied. Holyhead spielte reifer, cleverer - und vermutlich auch windfester.

Nach dem Schlusspfiff standen beide Trainer an der Seitenlinie und schüttelten sich die Hände. "So jung wie meine Mannschaft ist, war das heute fast ein Lehrstück", sagte Claßen und klopfte seinem Kapitän Harrison Adams auf die Schulter. Steinmetz erwiderte: "Wir hatten mehr Lebenserfahrung - und ein bisschen Glück. Meistens reicht das."

Die Fans verabschiedeten ihre Teams mit Applaus - und einer Mischung aus Stolz und Frust. Die Seasiders haben verloren, aber sie haben gezeigt, dass sie Moral besitzen und Tore schießen können.

Vielleicht war es der Abend, an dem die jungen Wilden von Aberystwyth gelernt haben, dass Fußball nicht nur aus Laufleistung, sondern auch aus Geduld besteht. Oder, wie es Max Lineback im Kabinengang formulierte: "Wir haben verloren, ja. Aber wenigstens wissen sie jetzt, dass wir mehr sind als Strandjungs."

Ein Satz, der hängen blieb - genauso wie der Wind, der noch lange durch das leere Stadion pfiff.

14.05.643987 21:00
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Da sieht man die Kunst der Ärzte. Zu meiner Zeit wäre eine Amputation nötig gewesen.
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