Canadian Soccer
+++ Sportzeitung für Kanada +++

Blues retten sich in letzter Sekunde - 2:2 gegen Windsor Astros

Ein kalter Abend in Quebec, aber auf dem Rasen brodelte es: Die Quebec Blues und die Windsor Astros lieferten sich beim 26. Spieltag der 1. Liga Kanada ein Duell, das an Spannung kaum zu überbieten war. 39.494 Zuschauer sahen ein 2:2, das sich anfühlte wie ein Sieg für die Gastgeber - und wie eine verpasste Gelegenheit für die Gäste.

Dabei begann alles nach Maß für die Blues. Von Beginn an drückten sie auf das Tempo, als wollten sie den Winter persönlich aus dem Stadion vertreiben. Schon in der 6. Minute prüfte Yannick Rauch den Windsor-Keeper Patrik Jeslinek mit einem strammen Schuss, der die Handschuhe des Torwarts fast zum Glühen brachte. "Ich dachte, der Ball wäre schon drin", grinste Rauch später - eine Fehleinschätzung, die symptomatisch für die vielen vergebenen Chancen der Hausherren war.

In der 42. Minute durfte Quebec dann endlich jubeln: Evan Reid, der Routinier im rechten Sturm, fackelte nicht lange, nachdem Guillaume Williamson ihn mustergültig bedient hatte. Ein flacher Schuss ins linke Eck, und das Stadion bebte. Trainer Gerd Froebe ballte die Faust, als hätte er gerade selbst den Ball versenkt. "Das war eine einstudierte Kombination, zumindest sieht es so aus, wenn man’s im Nachhinein erklärt", witzelte er nach dem Spiel.

Doch Freude und Blues - das passt selten dauerhaft zusammen. Kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, da schlugen die Windsor Astros zurück. In der 47. Minute verwandelte Taylor Boissieu eine Vorlage von Naim Topal zum 1:1. Der Gegentreffer kam so schnell, dass einige Zuschauer noch beim Hotdogkauf waren, als der Ball schon im Netz zappelte. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", meinte Boissieu trocken.

Windsor bekam nun Oberwasser, spielte aggressiv und schnörkellos über die Flügel, wie es Coach Nicole Kei offenbar schon im Schlaf predigt. Und in der 60. Minute wurden die Gäste belohnt: Billy Lithgow, der unermüdliche Antreiber im Mittelfeld, drosch den Ball nach schöner Vorarbeit von Sergio Djalo unhaltbar unter die Latte - 1:2. Quebecs Torhüter James Prentiss schaute dem Ball nur noch hinterher, als wollte er ihm noch eine gute Reise wünschen.

Gerd Froebe reagierte sofort, brachte frische Kräfte: Lewis MacLaren kam für Rauch, später folgten Peter Vencel und Samuel Edgecomb. Doch zunächst schien die Partie in Richtung Windsor zu kippen. Die Astros verteidigten clever, wenn auch nicht zimperlich - die Gelbe Karte für Pekka Suhonen in Minute 27 war da nur der Anfang. Quebecs junge Abwehrspieler Maurice Hoskins (50.) und Christophe Beyince (72.) kassierten ebenfalls Gelb, vermutlich mehr aus Verzweiflung denn aus Bosheit.

Dann kam die Nachspielzeit - und das kleine Wunder. Die Blues warfen alles nach vorn, inklusive des rechten Verteidigers Nuno Antunes, der bis dahin mehr durch Laufarbeit als durch Torgefahr aufgefallen war. In der 94. Minute fasste er sich ein Herz, nahm einen Pass von Maurice Hoskins volley - und traf! Der Ball schlug unhaltbar im langen Eck ein, 2:2. Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehauen", lachte Antunes später, "und gehofft, dass niemand meckert."

Die letzten Sekunden waren ein einziger Befreiungsschrei. Windsor wirkte konsterniert, Quebec jubelte, als wäre die Meisterschaft sicher. Die Statistik sprach am Ende eine ausgeglichene Sprache: 50,7 Prozent Ballbesitz für Quebec, 49,3 für Windsor; 15 zu 8 Torschüsse zugunsten der Blues. Aber Zahlen erzählen nicht, was auf dem Platz passierte - das war purer Wille und ein bisschen Chaos.

"Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", fasste Froebe zusammen. Nicole Kei hingegen wirkte weniger begeistert: "Wenn du in der 94. Minute den Ausgleich kassierst, fühlt sich ein Punkt wie eine Ohrfeige an."

So blieb es beim 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie nicht reicht. Quebec feiert den Punkt wie einen Sieg, Windsor ärgert sich über zwei verlorene. Und irgendwo in der Kabine summte ein Spieler leise vor sich hin: "Manchmal hat der Fußball eben seinen eigenen Sinn für Drama."

Ein Remis, das keiner wollte - und doch alle verdient haben.

07.07.643993 04:07
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Fußball spielt sich zwischen den Ohren ab. Da war teilweise Brachland, das neu bepflanzt werden musste.
Rainer Bonhof
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager