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London - 34.805 Zuschauer im ausverkauften Stamford Park erlebten am Montagabend einen dieser Fußballabende, die irgendwo zwischen Oper und Slapstick pendeln. Die London Blues führten nach 16 Minuten bereits 2:0, wähnten sich wohl schon in der Kabine beim Pausentee - und gingen am Ende dennoch mit leeren Händen vom Platz. Die Manchester Devils drehten die Partie und siegten mit 3:2 (2:2). Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Schon in der 5. Minute rauschte Ophir Arens von rechts in den Strafraum, flankiert von Bruno Parent, und vollendete trocken ins lange Eck. Trainer Guido Träger riss die Arme hoch, als wolle er sagen: "Seht ihr, so einfach ist Fußball!" Elf Minuten später legte Amaury Miguel nach, nachdem Önder Bilgin den Ball mustergültig aufgelegt hatte. 2:0 - und die Fans der Blues stimmten bereits Siegeslieder an. Doch wer die Devils kennt, weiß: Totgesagte schießen besonders gefährlich. In der 34. Minute kombinierte sich Manchester sehenswert durchs Zentrum, John Devaney steckte durch auf Mika Kuqi, und der Mittelstürmer schob eiskalt ein. Nur zwei Minuten später war es dann Jean-Pierre Bettencourt, der nach einer Ecke von Timofej Tertyschny den Ball über die Linie drückte. Innerhalb von 120 Sekunden war der Blues-Vorsprung verdampft wie ein britischer Sommer. "Wir haben einfach aufgehört zu laufen", knurrte Blues-Coach Träger später. "Vielleicht dachten meine Jungs, das Spiel sei nach einer Viertelstunde vorbei." Sein Gegenüber, Ronnie Ekström, grinste in sich hinein: "Ich wusste, dass wir zurückkommen. Die Jungs sind Teufel, keine Engel." Zur Pause stand es also 2:2 - und die Statistiker rieben sich verwundert die Augen. Beide Teams mit je 14 Torschüssen, Ballbesitz leicht zugunsten der Gastgeber (52:48). Doch während die Blues in der zweiten Halbzeit weiter auf Sicherheit spielten, legten die Devils eine Schippe drauf. Nach der Pause blieb das Spiel offen, aber die Dynamik kippte. Kuqi prüfte Keeper Franck Besserer mehrfach, ehe er in der 71. Minute verletzt runter musste - ein harter Schlag für die Gäste, die zu diesem Zeitpunkt mehr vom Spiel hatten. Doch der Ausfall schien die Devils eher zu beflügeln. Jamie Kirwan rückte weiter vor, übernahm Verantwortung - und genau der war es, der in der 77. Minute nach Vorarbeit von Devaney den Siegtreffer erzielte. "Ich habe einfach draufgehalten", erzählte Kirwan später mit einem Grinsen. "Wenn ich ehrlich bin, war das kein Schuss, sondern ein Stoßgebet mit Ball." Der Ball schlug unhaltbar im rechten Winkel ein - Besserer flog, aber ohne Chance. Der Rest war ein wilder, verzweifelter Londoner Sturmlauf. Lewis Graves, frisch eingewechselt, verfehlte in der 81. Minute nur um Zentimeter. Amaury Miguel setzte in der 87. Minute noch einen Schuss knapp neben den Pfosten - der Ballbesitz sprach zwar weiterhin für die Blues, aber die Präzision war längst verschwunden. Auf der Tribüne hielt man sich an Pappbechern fest, als wären sie Rettungsringe. "Das war heute ein Lehrstück in Sachen Konsequenz", resümierte Devils-Kapitän Devaney. "Wir sind nicht besser - nur sturer." Am Ende jubelten die Gäste, während die Blues mit gesenkten Köpfen vom Platz trotteten. Die Statistik zeigte ein ausgeglichenes Spiel, doch die Moral sprach klar für Manchester. Trainer Ekström fasste es typisch nordisch zusammen: "Wir hatten Feuer im Blut und Eis im Kopf." Guido Träger hingegen suchte Trost in britischem Humor: "Wenn man 2:0 führt und trotzdem verliert, muss man wenigstens so tun, als hätte man es geplant." Ein Auftakt nach Maß für die Devils also - und ein Weckruf für die Blues, die sich fragen müssen, wie man ein Spiel mit mehr Ballbesitz, gleicher Chancenanzahl und zwei frühen Toren noch verlieren kann. Vielleicht lag’s am Schicksal. Vielleicht an den Teufeln. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Es war halt Montag - da klappt in London selten was." (Etwa 620 Wörter) 11.11.643993 12:28 |
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Die Fans müssen wissen, dass ich kein Clown bin.
Oliver Kahn