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Es war einer dieser Abende, an denen man ahnt, dass das Drehbuch nicht in Flint, sondern irgendwo in Cardiff geschrieben wurde. 20.981 Zuschauer im Silkmen Park erlebten beim 28. Spieltag der 1. Liga Wales ein Spiel, das erst kontrolliert, dann chaotisch und schließlich schmerzhaft lehrreich für die Gastgeber wurde. Am Ende stand ein 1:3 (0:0) aus Sicht der Flint Silkmen gegen clevere Cardiff Bluebirds - und ein Trainer, der sich nach Schlusspfiff seufzend an die Stirn tippte: "Wir haben das Spiel nicht verloren, wir haben es verschenkt", sagte Lasse Reden, der Coach der Silkmen. Dabei hatte alles so ordentlich begonnen. Flint wirkte in der ersten Halbzeit ballsicher (über 52 Prozent Ballbesitz) und ideenreich, ohne jedoch den entscheidenden Durchbruch zu schaffen. Dimas Pena prüfte Cardiffs Keeper James Hawn gleich in der ersten Minute, später versuchten es Abrial und Miguel - alles schön anzusehen, aber eben ohne Wirkung. Die Bluebirds wiederum hielten sich an ihren Matchplan: hinten kompakt, vorne lauernd. Cardiff-Trainer - ein Mann, der offenbar die Ruhe selbst ist - gestikulierte kaum. "Wir wussten, dass Flint müde wird, wenn sie sich zu früh verausgaben", meinte er später trocken. Nach dem Seitenwechsel schien Flint sich endlich belohnen zu wollen. In der 49. Minute zirkelte Rechtsverteidiger Thomas Willoughby, der sonst lieber Flanken schlägt, einen Ball ins lange Eck - 1:0! Die Arena bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Willoughby nach dem Spiel, "und plötzlich war’s drin. Ich dachte, das wird unser Abend." Doch Fußball hat seine eigenen Gesetze, und eines davon lautet: Wer in Führung liegt, sollte keine roten Karten sammeln. Zeeman Ostrander, Flints impulsiver Linksaußen, sah in Minute 56 glatt Rot - eine ungestüme Grätsche, die mehr Frust als Notwendigkeit verriet. "Er hat den Ball gesehen, aber der Ball ihn nicht", witzelte ein Zuschauer auf der Haupttribüne, während Trainer Reden kopfschüttelnd das Klemmbrett zerkaute. Von da an kippte das Spiel. Cardiff nutzte die Überzahl mit chirurgischer Präzision. In der 74. Minute traf Rechtsverteidiger Joel Locklear nach einem feinen Zuspiel von Joel Lankford - die Bluebirds hatten den Doppelschlag-Joel erfunden. Nur vier Minuten später legte der erfahrene Irakli Selepukin nach, assistiert von Guillermo Verdasco, der sich zu diesem Zeitpunkt in einen walisischen Toni Kroos verwandelte. 1:2 - und Flint taumelte. Drei Minuten später war der Deckel drauf: Isaac Lester, der 34-jährige Routinier vorn links, nahm erneut eine Vorlage von Verdasco auf und schlenzte den Ball trocken ins Netz (81.). Die Gästebank jubelte, während Flint in Unterzahl nur noch hinterherlief. Die letzten Minuten waren eher Schadensbegrenzung - und ein Gelb-Gelb-Finale: Zuerst sah der junge Lewis Haddock Gelb (88.), dann Cardiffs Locklear (89.), der offenbar beschloss, sich mit einer Erinnerungskarte an den Abend zu verabschieden. Statistisch gesehen war es kein Debakel - Flint hatte zehn Torschüsse, Cardiff fünfzehn, die Ballbesitzwerte waren fast ausgeglichen. Doch wo die Silkmen gefällig kombinierten, traf Cardiff mit chirurgischer Effizienz. "Drei Chancen, drei Tore - fast schon unhöflich effektiv", knurrte Torhüter Lauritz Hoffman, der bei allen Treffern machtlos war. Trainer Reden versuchte Humor: "Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal elf Spieler auf dem Platz lassen." Sein Gegenüber grinste nur und sagte: "Elf ist eine gute Zahl." Nach Schlusspfiff verließen die Bluebirds das Feld mit breiten Schultern und gedämpftem Jubel - als hätten sie gewusst, dass dieses Spiel nur eine Etappe war. Flint dagegen blieb zurück mit der bitteren Erkenntnis, dass Moral und Ballbesitz allein keine Punkte bringen. Ein älterer Fan fasste es beim Hinausgehen so zusammen: "Schöner Fußball, aber leider kein Ergebnissport." Man möchte ihm nicht widersprechen. So bleibt von diesem Abend ein Tor des Willoughby, ein Platzverweis, drei kalte Cardiff-Konter - und das Gefühl, dass die Silkmen zwar den Ball, Cardiff aber das Spiel hatten. Und vielleicht, ganz vielleicht, sollte man die roten Karten künftig in der Kabine lassen. 09.12.643987 04:24 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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