Canadian Soccer
+++ Sportzeitung für Kanada +++

Blues drehen das Spiel: Evan Reid schießt Quebec ins Glück

Es war einer dieser Abende in Quebec, an denen der Wind nach Schnee schmeckte, die Flutlichter aber Wärme versprachen. 40.078 Zuschauer im ausverkauften Blues Park erlebten beim 32. Spieltag der 1. Liga Kanada ein Spiel, das zunächst nach einer weiteren grauen Nullnummer roch - und dann in ein kleines Drama mit Happy End für die Heimmannschaft kippte. Am Ende hieß es Quebec Blues gegen Surrey City: 2:1 (0:1).

Trainer Gerd Froebe hatte seine Blues wie gewohnt in einer ausgewogenen Formation aufs Feld geschickt - "nicht zu mutig, aber hungrig genug", wie er vor dem Anpfiff lächelnd sagte. Surrey-Coach Günter Schwarz nickte dazu nur trocken: "Wir sind hier, um Punkte mitzunehmen, keine Komplimente."

Die erste halbe Stunde war ein Geduldsspiel. Quebec hatte zwar mehr Zug nach vorn, 13 Schüsse aufs Tor sollten es am Ende werden, aber zunächst wollte das Leder einfach nicht hinein. Milan Ivic prüfte in der 7. Minute den gegnerischen Keeper Jacques McGowan, doch der lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Wenig später musste Ivic dann verletzt raus - ein bitterer Moment. "Ich habe nur gespürt, dass da was knackt", murmelte der Mittelfeldmann später mit Eisbeutel am Knie. Der 17-jährige David Grantham kam für ihn und sollte später noch Geschichte schreiben.

Kurz vor der Pause dann der Rückschlag: Surrey hatte sich bisher vor allem aufs Kontern verlegt, und einer davon saß. In der 43. Minute setzte sich Alfie Jean-Pierre, der flinke Franzose auf der linken Seite, nach Vorarbeit von Franck Roades durch und schob eiskalt zur 1:0-Führung für die Gäste ein. Torwart Martin Gontan streckte sich vergeblich. "Ich hab’ den Ball noch gehört, aber nicht mehr gesehen", sagte er hinterher, halb lachend, halb fluchend. Mit diesem Nackenschlag ging es in die Kabinen.

Nach der Pause wurde der Blues heller. Froebe hatte offenbar die richtigen Worte gefunden - oder wenigstens laut genug gesprochen. Quebec spielte nun druckvoller, suchte häufiger die Flügel, und in der 58. Minute kam die Erlösung: Der junge Grantham, eben jener Teenager, der für den verletzten Ivic gekommen war, setzte sich mit einem frechen Dribbling durch und legte quer auf Evan Reid. Der 31-jährige Routinier musste nur noch den Fuß hinhalten. 1:1 - und Quebec bebte. "David war völlig cool. Ich dachte, er spielt den Ball zu weit, aber das war perfekt", schwärmte Reid nach Schlusspfiff.

Doch die Blues wollten mehr. Acht Minuten später, in der 66. Minute, war es wieder Reid, der zur Stelle war. Diesmal kam die Vorlage von Linksverteidiger Luís Morte, der kurz darauf ausgewechselt wurde - erschöpft, aber grinsend. Reid nahm den Ball direkt und traf trocken ins lange Eck. 2:1, und das Stadion stand Kopf. "Ich hab nur gehofft, dass keiner pfeift", meinte Froebe später über das Tor, "denn wir standen weit aufgerückt, das war fast schon Kamikaze-Fußball."

Surrey City versuchte danach, den Druck zu erhöhen. Mit 51 Prozent Ballbesitz und immerhin elf Torschüssen war die Mannschaft keineswegs chancenlos, doch am Ende fehlte die Präzision. Alfie Jean-Pierre hatte in der 72. Minute noch den Ausgleich auf dem Fuß, doch Gontan parierte glänzend. Schwarz, der Gästecoach, fasste es gewohnt knorrig zusammen: "Wir haben die Blues zu sehr singen lassen."

Ein bisschen Drama gab’s noch: Quebecs Dominique Whitman sah in der 73. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, später erwischte es auch den eingewechselten Riley Rushton. "Zwei Gelbe, das nenne ich Leidenschaft", grinste Froebe, während sein Assistent diskret die Strafliste notierte.

Als der Schlusspfiff ertönte, war der Jubel grenzenlos. Evan Reid wurde natürlich zum Mann des Abends gewählt. "Ich bin alt genug, um zu wissen, dass man solche Spiele nicht oft erlebt", sagte der Doppeltorschütze, während er den Ball unter dem Arm festhielt - natürlich als Souvenir.

Froebe wiederum zeigte sich zufrieden, aber nicht übermütig: "Wir haben Charakter gezeigt, und David hat uns heute alle daran erinnert, dass Jugend keine Ausrede ist."

Quebec klettert mit diesem Sieg weiter in der Tabelle, während Surrey City die Heimreise mit leerem Tank, aber erhobenem Kopf antreten kann.

Und irgendwo in der Kabine summte jemand "O Canada" - diesmal wohl in Dur.

24.09.643993 20:49
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