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Ein kalter Jännerabend, Flutlicht über dem Bleiburger Stadion, 33.569 Zuschauer, die sich mit Glühwein und Hoffnung wärmten - und am Ende eine Punkteteilung, die niemanden so richtig glücklich machte. Der FC Bleiburg und Kottingbrunn trennten sich am 14. Spieltag der 1. Liga Österreich mit 1:1. Ein Ergebnis, das so ausgeglichen war wie die Ballbesitzstatistik (50,7 zu 49,3 Prozent), aber mit einer Prise Drama und einem Hauch jugendlicher Unbekümmertheit gewürzt wurde. Die erste Halbzeit war ein Lehrbuchbeispiel für "Viel Lärm um nichts". Beide Teams spielten "balanced", wie es in den Taktikprotokollen so schön heißt - also weder Fisch noch Fleisch. Kottingbrunn begann mit leichtem Drang nach vorn: Carsten Kolb prüfte schon in der 4. Minute Bleiburgs Keeper Otto Fricke, der mit einem Reflex parierte, als wolle er seinem Trainer zeigen: "Ich bin jung, aber ich kann fliegen." Jonas Hennig und Carlos Coluna legten nach, doch der Ball fand den Weg ins Netz ebenso wenig wie die Zuschauer den Weg zu grenzenloser Begeisterung. Bleiburg antwortete mit Joel Schneider - gerade mal 18 Jahre alt, aber frech wie ein erfahrener Profi. In der 23. Minute zog er ab, der Ball rauschte knapp vorbei. Zehn Minuten später probierte er’s wieder, diesmal noch knapper. "Joel hat so viel Energie, manchmal frage ich mich, ob er heimlich Red Bull trinkt", witzelte sein Mitspieler Kai Raab später im Kabinengang. Zur Pause stand es 0:0. Ein gerechtes, aber langweiliges Resultat. "Wir haben kontrolliert gespielt", erklärte Kottingbrunns Trainer Michael Goldfinger mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Pokerface und leichter Verzweiflung lag. Dann kam Minute 48. Ein Eckball für Bleiburg, Schneider bringt ihn scharf herein, und ausgerechnet Innenverteidiger Andre Wendt - bisher vor allem durch eine Gelbe Karte und rustikale Grätschen aufgefallen - steigt hoch und köpft den Ball unhaltbar zum 1:0 in die Maschen. Das Stadion tobte, Wendt rannte zur Eckfahne, brüllte seine Freude heraus, und Schneider war der Erste, der ihm um den Hals fiel. "Ich hab’ ihm gesagt, er soll da reingehen. Er hat’s tatsächlich gemacht. Verrückt!", grinste Schneider später. Kottingbrunn brauchte einen Moment, um den Schock zu verdauen. Doch die Gäste, angetrieben vom unermüdlichen Theodor Herman auf der linken Seite, drehten noch einmal auf. In der 78. Minute dann der Ausgleich: Herman tankte sich durch, legte quer auf Joao Bermudo - und der traf präzise ins rechte Eck. 1:1. Der Jubel im Gästeblock war laut, aber nicht euphorisch - eher erleichtert. "Das war Teamarbeit", sagte Bermudo trocken, "Theo hat das halbe Feld umgepflügt, ich musste nur noch den Fuß hinhalten." Die Schlussviertelstunde wurde hitzig. Bleiburgs Andre Wendt sah Gelb (Minute 76), wohl auch, weil er nach seinem Tor wieder dachte, er könne alles. Lars Stoll hatte sich seine Verwarnung schon in der 57. Minute abgeholt, und der junge Schneider bekam ebenfalls Gelb - sicher nicht wegen böser Absicht, sondern weil er schlicht zu früh zu viel wollte. "Er spielt mit Feuer, aber das ist mir lieber als lauwarm", meinte Bleiburgs Co-Trainer nach dem Spiel. Kottingbrunn hatte in der Schlussphase noch zwei dicke Chancen: Hennig in der 85. Minute, Bermudo in der 86. - beide Male rettete Fricke glänzend. Auf der anderen Seite zielte Curt Ahrens in der 87. Minute knapp vorbei. So blieb’s beim 1:1, einem Resultat, das das Kräfteverhältnis exakt widerspiegelte. Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 10 Torschüsse für Bleiburg, 12 für Kottingbrunn. Kein Team presste besonders aggressiv, keine der beiden Mannschaften riskierte das Letzte. "Das war kein Spektakel, aber ein ehrliches Spiel", bilanzierte Goldfinger nüchtern. Wendt dagegen meinte: "Ein Punkt ist besser als keiner, aber irgendwie fühlt sich das wie ein halber Sieg an - zumindest für mich." Als die Flutlichter erloschen und die letzten Fans ihre Pappbecher in die Mülltonnen warfen, blieb die Erkenntnis: Zwei Teams, die sich neutralisierten, ein paar gelbe Karten, ein Innenverteidiger als Torschütze - und ein Abend, der wohl niemandem lange im Gedächtnis bleiben wird. Oder, wie ein älterer Bleiburg-Anhänger beim Hinausgehen murmelte: "Schönes Spiel. Aber das nächste Mal bitte mit etwas mehr Herzklopfen." 28.06.643987 02:26 |
Sprücheklopfer
Da müssten wir uns aber lange unterhalten jetzt.
Oliver Kahn auf die Frage nach den Defiziten der deutschen Nationalmannschaft