// Startseite
| Sportwoche |
| +++ Sportzeitung für Österreich +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Februar in Kärnten vielleicht doch ein bisschen wärmer ist, wenn Fußballherzen höher schlagen. 27.000 Zuschauer drängten sich am 18. Spieltag der 1. Liga Österreich ins Bleiburger Stadion, um zu sehen, wie der heimische FC Bleiburg den favorisierten Rot-Weiß Graz mit 2:1 (1:0) niederkämpfte. Und sie bekamen alles, was das Fußballherz begehrt: Tempo, Tore, Karten - und ein bisschen Drama. Schon in der dritten Minute prüfte der 18-jährige Marko Arnautovic den Grazer Keeper Olaf Berger mit einem satten Schuss. "Ich dachte, der Ball geht rein, ich hab schon gejubelt", lachte der Youngster später, während er sich eine Mütze tief ins Gesicht zog. Es war der erste Fingerzeig, dass die Bleiburger an diesem Abend nicht gewillt waren, die Punkte herzuschenken. In der 16. Minute folgte dann der erste Paukenschlag. Mikael Söderberg, der schwedische Linksaußen mit dem eleganten Haarschnitt und der Präzision eines Uhrwerks, vollendete nach feiner Vorarbeit von Kai Raab zum 1:0. Ein Schlenzer ins lange Eck, wie aus dem Lehrbuch. "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich", grinste Söderberg in der Mixed Zone. "Aber wenn der Ball drin ist, sag ich natürlich, das war Absicht." Rot-Weiß Graz wirkte überrascht - und ein bisschen genervt. Trainer Carsten Krause gestikulierte wild an der Seitenlinie, und Innenverteidiger Marc Merkel griff sich bereits in der 39. Minute den gelben Karton ab, nachdem er Curt Ahrens rustikal aus dem Weg geräumt hatte. "Der Ball war irgendwo dazwischen", verteidigte sich Merkel später, "nur halt nicht da, wo mein Fuß war." Nach dem Seitenwechsel schien Krauses Halbzeitansprache gefruchtet zu haben. Gerade einmal zwei Minuten nach Wiederanpfiff kombinierte sich Rot-Weiß Graz sehenswert durch die Mitte. Jonas Held fand mit einem Steckpass Fernando Dominguez, der eiskalt zum 1:1 einschob. Ein Treffer mit Ansage - und plötzlich war das Spiel wieder offen. Doch Bleiburg reagierte wie ein Boxer, der kurz angezählt wird: mit Wut im Bauch. In der 65. Minute war es wieder Söderberg, diesmal als Vorbereiter. Seine butterweiche Flanke fand den Kopf von Curt Ahrens, der den Ball unhaltbar in die Maschen drückte - 2:1! Die Tribüne bebte, Bierbecher flogen, und Trainer Leon Bernd brüllte seine Freude gen Nachthimmel. "Wir wussten, dass wir mehr können, wenn wir mutig bleiben", sagte Bernd später. "Und Curt hat halt einen Schädel wie ein Presslufthammer." Graz warf in der Schlussphase alles nach vorne - und verlor dabei zunehmend die Nerven. Erst eine Gelb-Rote für den bereits verwarnten Merkel (89.), dann ein verzweifelter Weitschuss des eingewechselten Manojlovic, der irgendwo zwischen Tribüne und Parkplatz landete. "Ich wollte zeigen, dass ich Verantwortung übernehme", murmelte der Stürmer, "aber der Ball wollte wohl noch die Umgebung erkunden." Statistisch war Bleiburg an diesem Abend der Herr im Haus: 58,7 Prozent Ballbesitz, 13 zu 6 Torschüsse, und eine Zweikampfquote, die mit 53 Prozent knapp, aber entscheidend besser war. Das passte zum Spiel: mehr Wille, mehr Präzision, mehr Spielfreude. Als Schiedsrichter Mairhofer schließlich abpfiff, fiel die Last sichtbar von den Bleiburger Schultern. Söderberg wurde zum gefeierten Mann des Abends, Ahrens zum heimlichen Helden, und der junge Arnautovic zum Liebling der Kurve. Trainer Bernd gönnte sich nach dem Spiel einen seltenen Scherz: "Ich sage den Jungs immer: Wenn ihr so spielt, kann sogar meine Schwiegermutter wieder ins Stadion kommen. Heute wird sie wohl Karten wollen." Graz hingegen trat die Heimreise mit gesenkten Köpfen an. Coach Krause fasste es trocken zusammen: "Wir haben zu spät angefangen, Fußball zu spielen. Und dann war der Gegner halt schon fertig damit." Ein Spiel, das alles hatte - Emotion, Spannung, und den feinen Unterschied zwischen Wollen und Können. Bleiburg bleibt damit im oberen Tabellendrittel, während Graz weiter auf der Suche nach Konstanz ist. Und irgendwo in der Bleiburger Kabine soll Mikael Söderberg leise gesungen haben - nicht über Tore, sondern über den süßen Klang des Sieges. Man darf ihm das gönnen. 24.12.643990 07:17 |
Sprücheklopfer
Wie so oft liegt auch hier die Mitte in der Wahrheit.
Rudi Völler