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Es war ein Abend, an dem 44.916 Zuschauer im ausverkauften Luzerner Stadion nicht wussten, ob sie lachen, weinen oder einfach nur applaudieren sollten. Das Hinspiel der Conference-League-Play-offs zwischen Blau-Weiss Luzern und Ujpest Budapest endete 2:2 - ein Ergebnis, das so gerecht wie unbefriedigend war. "Wenn man zweimal zurückkommt, darf man sich nicht beschweren", meinte Luzerns Trainer Reinhard Wild nach der Partie mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Erleichterung und stiller Wut pendelte. Dabei begann alles wie gemalt für die Innerschweizer. Kaum hatte der Schiedsrichter um 19 Uhr angepfiffen, da lag der Ball schon im Netz der Ungarn. In der fünften Minute nahm Ilias Chalbinski einen langen Ball von Diego Giuliani technisch fein herunter und drosch ihn aus halblinker Position ins rechte Eck. Die Fans tobten, der Stadionsprecher überschlug sich, und Chalbinski jubelte, als hätte er gerade das entscheidende Finaltor erzielt. "Ich hab nur gedacht: Wenn ich jetzt daneben schieße, erklärt mich Wild für vogelfrei", lachte der 28-Jährige später. Doch die Euphorie hielt keine Viertelstunde. Ujpests Sturmtank Noah McGee, der aussieht wie ein Rugbyspieler mit Fußballschuhen, traf in der 18. Minute nach einer Ecke von Esteban Fernandes per Kopf - der Ball senkte sich in Zeitlupe hinter Torhüter Lasse Rauch ins Netz. Und als die Luzerner noch nach einer Antwort suchten, kam schon der nächste Schlag: Ediz Sargun, der wendige Flügelflitzer, tanzte in der 26. Minute zwei Verteidiger aus und vollendete eiskalt nach Vorarbeit von Marc Cortes. 1:2 - und das Stadion war plötzlich still wie eine Bibliothek nach Mitternacht. "Wir haben da kurz vergessen, dass Verteidigen auch Arbeit ist", knurrte Wild in der Halbzeit. Seine Mannschaft hatte zwar zwölf Torschüsse, aber wenig Kontrolle - nur 46 Prozent Ballbesitz, was so gar nicht zur heimischen Offensivphilosophie passte. Budapest spielte abgeklärt, aggressiv und mit jener ungarischen Gelassenheit, die nur Teams haben, die schon zu viele dramatische Europapokalabende erlebt haben. Doch Luzern wäre nicht Luzern, wenn sie nicht eine Portion Trotz im Tank hätten. Nach der Pause kamen sie wütend zurück. Giuliani, der schon beim ersten Tor aufgelegt hatte, nahm in der 67. Minute Maß - und wie! Nach einem Pass von Pierre Gramont zog der rechte Mittelfeldmann aus 20 Metern ab, der Ball flatterte, und Torwart Niels Haase griff ins Leere. 2:2, das Stadion explodierte. "Ich hatte eigentlich flanken wollen", gestand Giuliani mit einem Grinsen. "Aber wenn’s so reingeht, sagt das keiner mehr." Die Schlussphase war dann ein wilder Ritt. Beide Teams suchten das dritte Tor - und beide scheiterten an sich selbst oder am gegnerischen Torwart. Ujpest brachte mit Andreas Möller frische Beine, Luzern musste dagegen den angeschlagenen Robert Locklear in der 74. Minute auswechseln. "Er wollte weiterspielen, aber wenn einer humpelt wie ein Storch im Salat, muss ich handeln", erklärte Wild trocken. Budapest sammelte fleißig Gelbe Karten - Timm Schindler in der 47. und Eduardo Eximenonis in der 80. Minute durften sich den Zorn ihres Trainers Josh Allen anhören. "Ich sagte ihnen, sie sollen aggressiv spielen, nicht auditionieren für einen Wrestling-Verein", schnaubte Allen nach dem Spiel. Trotzdem war er mit dem Resultat zufrieden: "2:2 auswärts - das nehmen wir. Wir haben noch ein Rückspiel in Budapest, und dort sind wir eine andere Mannschaft." Statistisch war’s ein Spiegelbild: beide Teams mit je zwölf Abschlüssen, fast identischem Zweikampfwert (49 zu 50 Prozent) und einem Spiel, das in Wellen verlief. Mal rollte der Ball wie ein unruhiger See in Richtung Luzerner Tor, mal stürmten die Hausherren mit langen Bällen, als hätten sie vergessen, dass Kurzpassspiel auch erlaubt ist. Kurz vor Schluss hatte Robert Mantovani noch die Riesenchance zum Sieg, scheiterte aber freistehend an Haase. "Ich hab ihn noch groß gemacht", stöhnte Mantovani. "Leider war er eh schon groß." Wild fasste es später zusammen: "Wenn du so viele Chancen hast und am Ende 2:2 spielst, dann war’s wohl gerecht - aber es fühlt sich trotzdem an wie ein verlorenes Spiel." In Budapest wird nun das Rückspiel alles entscheiden. Die Ungarn wittern ihre Chance, Luzern glaubt an das Weiterkommen. Und wer dieses Hinspiel gesehen hat, weiß: Langweilig wird es bestimmt nicht. Vielleicht sollte man den Fans aber schon jetzt raten, beim Rückspiel Herztabletten bereitzuhalten - sicher ist sicher. 15.08.643987 11:43 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus