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Es war ein kalter Februarabend in Pinneberg, doch die 3.279 Zuschauer bekamen ein Spiel zu sehen, das wenigstens Herzschlag versprach - auch wenn Tore Mangelware blieben. Am Ende jubelte Blau-Weiß Leipzig über ein knapper, aber verdienter 1:0-Auswärtssieg am 11. Spieltag der Oberliga C. Der einzige Treffer des Abends ging auf das Konto von Pascal Fritsch, der in der 60. Minute den entscheidenden Moment fand - auf Vorlage des quirligen Bela Bodola. Bis dahin war es ein Geduldsspiel gewesen. Leipzig startete zwar mit einer klaren Marschroute - defensiv geordnet, aber mit kontrollierten Vorstößen -, doch Pinneberg hielt dagegen. Schon nach sechs Minuten hatte Luca Röder den ersten Abschluss für die Gastgeber, ein Versuch, der eher die Eckfahne als den Torpfosten gefährdete. Trainer Neuhaus von Leipzig kommentierte später trocken: "Da wusste ich, dass unsere Defensive heute nicht viel zu befürchten hat." Tatsächlich gehörte die erste Hälfte klar den Gästen. 18 Torschüsse standen am Ende zu Buche, Pinneberg kam nur auf sechs - und das passte ins Bild. Leipzig spielte, Pinneberg konterte, und das Publikum fror. "Ich habe mir mehr Feuer erwartet", murmelte ein Zuschauer auf der Haupttribüne, in seine Bratwurst beißend. In der 21. Minute kam dann Bewegung in die Partie - allerdings der unschönen Art. Leipzigs Peter Martens musste nach einem unglücklichen Zweikampf verletzt vom Platz, für ihn kam Pascal Fritsch. Der sollte später zur Schlüsselfigur werden. "Ich wollte eigentlich nur warm bleiben", scherzte Fritsch nach dem Spiel, "und dann lag der Ball plötzlich genau richtig." Nach dem Seitenwechsel wurde Leipzig druckvoller. David Buchholz prüfte Pinnebergs Keeper Lars Bremer gleich mehrfach, und in der 60. Minute war es dann so weit: Bela Bodola tankte sich über links durch, legte quer, Fritsch traf trocken ins rechte Eck. Es war einer dieser Treffer, die so unspektakulär sind, dass sie fast übersehen werden könnten - hätte er nicht das Spiel entschieden. Pinneberg versuchte in der Folge, das Ruder herumzureißen. Röder, Max und Gebhardt hatten ihre Momente, doch die Abschlüsse blieben harmlos. Leipzig verteidigte clever, manchmal zu clever - jedenfalls sahen gleich vier Leipziger noch Gelb: Philip Lee (79.), Tom Korn (91.), Ralph Fuhrmann (95.) und Günther Sturm (96.) sammelten die Verwarnungen wie Panini-Bilder. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön spielen können", grinste Sturm später, "sondern auch mal hinlangen." Trainer Rainer Neuhaus nahm es gelassen: "Das war kein Galaabend, aber wir haben das Spiel kontrolliert. Wenn du auswärts gewinnst, ohne viel zu riskieren, dann hast du’s richtig gemacht." Sein Gegenüber, Pinnebergs Coach - der sich nach Abpfiff wortkarg gab - fasste es anders zusammen: "Manchmal fehlt einfach das Quäntchen Glück. Und manchmal fehlt uns Pascal Fritsch." Statistisch war Leipzig das klar bessere Team: mehr Ballbesitz (53 zu 47 Prozent), höhere Zweikampfquote (55 zu 45 Prozent) und vor allem die deutlich größere Torgefahr. Dennoch blieb es bis zum Schluss spannend. In der 93. Minute kam Pinnebergs Tom Kramer noch einmal frei zum Schuss, setzte den Ball aber in den Abendhimmel. Der Stadionsprecher kommentierte trocken: "Und wieder einer für die Statistik." Als Schiedsrichterin Müller das Spiel nach 96 Minuten abpfiff, jubelten die Blau-Weißen ausgelassen. Fritsch wurde von seinen Mitspielern in die kühle Nachtluft gehoben, während die Pinneberger enttäuscht in die Kabine trotteten. "Ein Arbeitssieg", nannte Neuhaus das. Die Fans von Leipzig sahen das ähnlich - und machten sich zufrieden auf den Heimweg. Pinneberg dagegen bleibt nach dieser Niederlage im grauen Mittelfeld der Tabelle hängen. Und so endete ein Abend, an dem es mehr Gelbe Karten als Glanzpunkte gab, mit einem nüchternen Fazit: Wer seine Chancen nutzt, gewinnt. Wer sie vergibt, friert. Vielleicht hätte es Pinneberg geholfen, wenn Röder und Co. ein bisschen mehr Risiko gegangen wären. Vielleicht aber auch nicht. So bleibt am Ende nur der Satz eines alten Fans auf der Tribüne: "Ein Tor ist auch ein Tor - selbst, wenn’s das einzige ist." 03.10.643990 00:20 |
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Wir spielen hinten Mann gegen Mann, und ich spiel gegen den Mann.
Olaf Thon