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Ein kühler Februarabend, Flutlicht über dem Leipziger Sportpark und 2698 Fans, die sich fragten, ob ihr Team nach drei Unentschieden endlich wieder jubeln würde - und ja, sie durften. Blau-Weiß Leipzig rang den SV Kornwestheim mit 1:0 nieder, in einem Spiel, das nervöser war als ein erster Tanzkurs und so viele Karten sah wie ein Skatturnier. Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings auf der falschen Seite. Schon in der ersten Minute prüfte Georg Meiser, der umtriebige Mittelfeldmotor der Gäste, den Leipziger Keeper Linus Keller. Der war sofort auf Betriebstemperatur. "Ich dachte, ich krieg heute gar keine ruhige Sekunde", lachte Keller später, "aber ehrlich gesagt: Ich mag’s so." Kornwestheim spielte von Beginn an offensiv, fast schon übermütig. Trainer Jörg Kuhn hatte seine Elf mit klarer Ansage aufs Feld geschickt: "Wir wollen früh attackieren und Leipzig keine Luft lassen." Das gelang - zumindest bis zur 31. Minute. Dann nämlich schlug Blau-Weiß eiskalt zu. Ein schneller Vorstoß über die rechte Seite, Philip Lee schaltete sich von hinten ein, flankte präzise auf Peter Martens - und der drosch den Ball wuchtig ins linke Eck. 1:0. Der Jubel war laut, der Trainer Rainer Neuhaus ballte nur die Faust und murmelte: "Endlich mal einer, der den Ball nicht totstreichelt." Danach wurde’s hitziger. Sebastian Schmitt von Kornwestheim sah früh Gelb (7.), weil er Manfred Hartung umlegte, als wäre er ein Verkehrshütchen. Später, in der Nachspielzeit, flog Schmitt nach einem übermotivierten Einsteigen mit Rot endgültig vom Platz - ein Abend zum Vergessen für den jungen Linksverteidiger. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich, "aber der Ball war wohl schneller als ich." Leipzigs Rechtsverteidiger Philip Lee, der Vorlagengeber des Abends, hatte ebenfalls einen unruhigen Tag. Erst Gelb in der 44., dann Gelb-Rot in der 52. Minute - und plötzlich stand Leipzig zu zehnt auf dem Feld. "Ich hab nur laut ’Ball!’ gerufen, aber der Schiri hat wohl ’Foul!’ verstanden", grinste Lee später, halb entschuldigend, halb ungläubig. Kornwestheim roch Blut. Mit 18 Torschüssen feuerten sie aus allen Lagen, während Leipzigs Offensive auf Sparflamme lief (nur acht Abschlüsse). Meiser, Max Schöne und Hanns Hafner prüften Keller immer wieder, doch der 31-jährige Schlussmann wuchs in dieser Phase über sich hinaus. "Wenn der Ball nicht wollte, dann lag’s an mir", sagte er trocken. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen - 50,4 Prozent Ballbesitz für Leipzig, 49,6 für Kornwestheim - aber optisch dominierten die Gäste. Leipzig verteidigte tief, manchmal mit neun Mann am eigenen Strafraum. Trainer Neuhaus verteidigte die passive Spielweise nach Abpfiff mit einem Schmunzeln: "Sie nennen das Beton, ich nenne es Struktur." Die letzte Viertelstunde war pures Nervenflattern. Kornwestheim rannte an, Leipzig stand hinten drin, und bei jedem hohen Ball hielt das Stadion kollektiv den Atem an. In der 88. Minute versuchte Meiser es noch einmal mit einem satten Schuss aus 20 Metern - drüber. In der 90. Minute zirkelte Schmitt den Ball aufs Tor, Keller lenkte ihn spektakulär über die Latte. Zwei Minuten später war Schluss, und der Torwart verschwand in einer jubelnden Traube. "So ein dreckiger Sieg schmeckt manchmal besser als ein 4:0", gestand Neuhaus, der nach Abpfiff demonstrativ langsam in die Kabine schlenderte, als wollte er sagen: Seht her, ich hab’s gewusst. Jörg Kuhn hingegen war bedient: "Wir haben alles versucht, aber das Ding wollte einfach nicht rein. Vielleicht war der Ball Leipziger." Die Fans feierten ihre Mannschaft dennoch ausgelassen. "Ein Tor, eine rote Karte, alles drin - das ist doch Fußball!", rief ein Zuschauer lachend auf dem Weg zum Ausgang. Und tatsächlich: Es war kein schönes Spiel, aber ein erinnerungswürdiges. Fazit des Abends: Blau-Weiß Leipzig gewinnt mit 1:0 (1:0) gegen den SV Kornwestheim, dank Peter Martens’ Treffer und Linus Kellers Glanztaten. Die Statistik spricht für die Gäste, das Ergebnis für die Hausherren - und am Ende zählt eben nur die Tabelle. Oder, wie Trainer Neuhaus es formulierte: "Wir spielen nicht für die Galerie, wir spielen für die Punkte." Vielleicht ist das die unschöne Wahrheit des Fußballs - aber an diesem frostigen Samstagabend in Leipzig war sie wunderschön blau-weiß. 15.01.643991 03:38 |
Sprücheklopfer
Aus der Ferne betrachtet ist es alles nur eine Frage der Distanz.
Klaus Toppmöller