Anpfiff
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Blaues Wunder in Bochum: Velbert zerlegt Blau Weiß mit 5:0

Es gibt Spiele, bei denen man schon nach einer Viertelstunde ahnt, dass das nichts mehr wird - und dann gibt es Abende wie diesen. 4285 Zuschauer im Bochumer Ruhrstadion sahen am Samstagabend ein Fußballlehrstück der SSVg Velbert, das so einseitig war, dass selbst der Linienrichter irgendwann Mitleid mit Blau Weiß Bochum gehabt haben dürfte. Am Ende stand ein 0:5 (0:3), das genauso deutlich war, wie es klingt.

Dabei fing alles noch halbwegs harmlos an. Bochum versuchte zunächst, mit gepflegtem Kurzpassspiel die Kontrolle zu behalten, während Velbert sich gemächlich in Position brachte. Doch schon nach 13 Minuten zappelte der Ball im Netz - Andre Bender, der Mittelstürmer mit dem Killerinstinkt, traf nach feinem Zuspiel von Felipe Puerta. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Bender nach Abpfiff, "aber den muss man halt auch erstmal hinhalten."

Acht Minuten später wurde es dann endgültig düster für die Blau-Weißen. Velberts Rechtsaußen Ivica Papa sprintete, als ginge es um sein Leben, in den Strafraum, bekam den Ball von Harvey Kinmont in den Lauf und vollendete eiskalt zum 0:2. Trainer Klaus Bock von der SSVg kommentierte trocken: "Das war wie im Training - nur dass da meistens weniger Leute zugucken."

Bochum, ohnehin nicht gerade als Offensivmaschine bekannt, kam kaum zu Entlastung. Vier kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten sagen alles. Der tapfere Philip Merz versuchte es in der 6., 32. und 92. Minute - doch sein Gegenspieler Kai Kennedy und Velberts Keeper Dimas Bischoff hatten einen ruhigen Abend. "Ich hab mir fast einen Sonnenbrand geholt, so wenig kam da auf mich zu", witzelte Bischoff, während er sich nach dem Spiel noch ein Autogramm von einem kleinen Fan holte.

Kurz vor der Pause setzte Velbert dann den nächsten Stich. Innenverteidiger Brecht Dekerf, sonst eher für rustikale Klärungsaktionen bekannt, schickte Bender mit einem weiten Diagonalball auf die Reise - 0:3 in der 44. Minute. "Da wusste ich, das wird ein langer Abend", murmelte Bochums Kapitän Enrique da Costa später in die Mikrofone.

Wer nach der Pause auf ein Aufbäumen hoffte, wurde jäh enttäuscht. Velbert machte einfach weiter. In der 52. Minute krönte der agile Harvey Kinmont seine überragende Partie mit dem 0:4, ehe Theo Fraser nur eine Minute später das halbe Dutzend fast vollmachte - 0:5 nach 53 Minuten. Es war, als hätte jemand den "Schnellvorlauf" eingeschaltet.

Bochum wirkte ab da wie ein Boxer in der achten Runde: benommen, aber irgendwie noch stehend. Trainer Bock wechselte gar nicht erst in den Verwaltungsmodus. "Wenn’s läuft, läuft’s", sagte er später, "und heute lief’s halt in eine Richtung." Seine Elf hatte am Ende 21 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von über 56 Prozent - Werte, die man sonst nur aus Computerspielen kennt.

In der 62. Minute gab’s dann noch Gelb für Velberts Rechtsverteidiger Kai Kennedy, nachdem er ein taktisches Foul begangen hatte. "Ich wollte nur mal auf dem Spielberichtsbogen auftauchen", scherzte er später.

Das Publikum, zunächst noch hoffnungsvoll, reagierte mit Galgenhumor. Ein älterer Herr auf der Tribüne rief nach dem vierten Treffer: "Jungs, wenigstens noch eins fürs Torverhältnis!" Doch selbst das blieb den Bochumern verwehrt.

Als Schiedsrichter Reinke nach 93 Minuten endlich abpfiff, applaudierten die Zuschauer höflich - wohlwissend, dass sie Zeugen eines historischen Abends geworden waren. Blau Weiß Bochum hatte nicht einfach verloren, sie waren überrannt worden.

Trainer Bock zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben gut kombiniert, aber das war nur ein Spiel. Nächste Woche zählt’s wieder bei null." Ganz anders klang sein Gegenüber, der fiktive Bochumer Coach (dessen Name wohlweislich in keiner Pressemitteilung stehen wird): "Wenn du fünf kriegst, musst du dich nicht über Taktik unterhalten. Da geht’s um Charakter - und um die Frage, ob wir Montag überhaupt wieder den Ball sehen wollen."

Und so blieb den Heimfans am Ende nur die Erkenntnis, dass Fußball manchmal grausam ehrlich ist. Velbert war in jeder Hinsicht besser - schneller, präziser, hungriger. Bochum dagegen wirkte, als hätten sie den Anpfiff mit dem Abendbrot verwechselt.

Zum Trost bleibt immerhin, dass es in der Regionalliga auch nächste Woche wieder Punkte zu vergeben gibt. Und wer weiß - vielleicht erfindet Blau Weiß Bochum bis dahin das Verteidigen neu.

Bis dahin dürfen die Velberter Fans aber träumen: von der Tabellenspitze, von Aufstieg, und natürlich von diesem Abend, an dem alles gelang - selbst der Innenverteidiger traf.

23.07.643987 07:57
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Jan-Aage Fjörtoft
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