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52.000 Zuschauer im Estadio Blanco sahen am Samstagabend ein Spiel, das alles hatte, was ein spanischer Fußballabend braucht: frühes Feuer, späte Dramen - und einen Schiedsrichter, der wohl lieber hätte anonym bleiben wollen. Am Ende trennten sich Blancos Madrid und Valencia CF mit einem 2:2, ein Ergebnis, das keiner so recht einordnen konnte: zu wenig für Madrid, zu glücklich für Valencia. Los ging es gleich mit Tempo. Schon in der ersten Minute prüfte Marian Petrow den Gästekeeper Francisco Pelegrin - ein Vorgeschmack auf die Schussflut, die folgen sollte. Madrid dominierte den Ball (59 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse) und schien die Partie früh unter Kontrolle zu haben. In der 11. Minute dann der erste Treffer: Mario Domingos flankte butterweich von links, Logan Edgecomb rauschte heran und versenkte per Direktabnahme zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Ball nicht auf der Tribüne landet", grinste Edgecomb nach dem Spiel. Valencia wirkte geschockt, fing sich aber schnell. Trainer Sascha Schmidt gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief seinen Spielern zu, "endlich mal wie Männer zu verteidigen". Das half - zumindest vorübergehend. Zwar drückten Petrow und Hästad weiter auf das zweite Tor, doch der Ball wollte nicht mehr rein. Zwei Gelbe Karten für Riley Giles und Sergio Viana brachten Unruhe in die Defensive, aber zur Pause stand es verdient 1:0. Nach dem Seitenwechsel kam Valencia mit einem anderen Gesicht zurück. Nur sieben Minuten nach Wiederanpfiff traf Bojan Denic aus spitzem Winkel - 1:1. Blancos-Keeper Age Nevland sah dabei nicht ganz glücklich aus. "Der Ball hat geschnitten wie ein Golfball", versuchte er später zu erklären, doch sein Gesicht sprach Bände. Madrid antwortete prompt: in der 59. Minute flankte Bruno Mendes von rechts, Marian Petrow stieg höher als alle anderen und köpfte zum 2:1 ein. Das Stadion tobte. Trainer der Blancos, dessen Name die Statistik nicht verrät, soll an der Seitenlinie ungläubig die Faust geballt haben. "So muss das aussehen!", rief er, ehe er wenig später in der Coachingzone wieder verzweifelt gestikulierte - denn die Defensive blieb wackelig. Und tatsächlich, Valencia gab sich nicht geschlagen. In der 68. Minute zirkelte Esteban Ibano einen genialen Pass auf Rutger Haswell, der eiskalt zum 2:2 einschob. "Wir wussten, dass sie nervös werden, wenn wir sie laufen lassen", meinte Haswell danach mit einem Grinsen, das ahnen ließ, dass er genau auf diesen Moment gewartet hatte. Danach wurde es ruppig. Die Zweikämpfe flogen, die Karten auch: Valencia sammelte drei Gelbe (Carballo, Baus, Güven), Madrid schloss mit Rot für Tore Hästad in der 85. Minute ab. Der Norweger hatte sich nach einem harmlosen Zweikampf zu einem Schubser hinreißen lassen - ein klarer Fall von Übermotivation. "Ich wollte nur den Ball holen", verteidigte sich Hästad, "aber anscheinend war der Schiedsrichter anderer Meinung." In der Nachspielzeit wurde es dann endgültig wild: Ediz Güven sah erst Gelb-Rot, dann fast noch den Tunnel zum Kabinengang nicht, weil ihn drei Mitspieler abfangen mussten. Valencia rettete das 2:2 über die Zeit - auch, weil Pelegrin in der 92. Minute noch einen Schuss von Petrow aus dem Winkel fischte. Statistisch war’s ein Spiel der verpassten Chancen. Madrid hatte mehr vom Ball, mehr Torschüsse, mehr Ideen - aber eben nicht mehr Tore. Valencia nutzte seine wenigen Möglichkeiten eiskalt. "Effizienz schlägt Eleganz", sagte Trainer Schmidt selbstzufrieden nach dem Spiel. Der Blanco-Coach hingegen haderte: "Wir müssen lernen, Spiele zuzumachen. Momentan machen wir sie nur spannend." Das Publikum quittierte den Schlusspfiff mit gemischten Gefühlen - Applaus für den Einsatz, Kopfschütteln über die Defensive. Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Wir spielen wie ein Orchester ohne Dirigent - schön, aber chaotisch." Mit dem 2:2 bleibt Blancos Madrid in der Tabelle zwar oben dran, doch der Abend fühlte sich an wie eine verpasste Gelegenheit. Valencia dagegen reist mit stolzgeschwellter Brust nach Hause - und mit der Gewissheit, dass man auch im Bernabéu-Nachfolgerstadion punkten kann, wenn man nur hartnäckig genug bleibt. Und während die Flutlichter langsam erloschen, klang von der Tribüne ein sarkastisches "¡Otra vez empate!" - schon wieder unentschieden. Ein Kommentar, den man in Madrid in dieser Saison wohl noch öfter hören wird. 08.11.643990 02:02 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon