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Ein Abend wie gemalt für die Fans der Blancos: 55.977 Zuschauer im Estadio de la Luz erhoben sich schon nach einer halben Stunde zum ersten Mal - und danach eigentlich gar nicht mehr aus dem Jubel heraus. Mit einem souveränen 4:0 (2:0) über ein überfordertes Valencia CF bestätigte Blancos Madrid am 28. Spieltag der 1. Liga Spanien seine glänzende Form. Trainer Anton Schneider hatte vor dem Anpfiff lässig gesagt: "Wir wollen Spaß haben - und vielleicht das Tor treffen." Nach 90 Minuten grinste er: "Mission erfüllt." Von Spaß konnte Valencia-Coach Sascha Schmidt dagegen wenig berichten. "Wir waren Zuschauer. Leider auf dem Platz", seufzte er später. Seine junge Mannschaft - mit einem Schnitt von kaum über 22 Jahren - bekam eine Lehrstunde in Sachen Ballzirkulation, Pressing und Effizienz. Dabei begann alles noch harmlos. Valencia stand tief, die Blancos kombinierten um den Strafraum herum, als wäre es ein Trainingsspiel. 23 Torschüsse hatte Madrid am Ende, Valencia ganze zwei. 54,8 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber - das klingt fast knapp, wenn man sah, wie einseitig das Ganze wirkte. Den Torreigen eröffnete ausgerechnet ein Mann, den man dort vorne gar nicht erwartet hätte: Linksverteidiger Tomislav Budan. In der 30. Minute zog er nach einem Doppelpass mit Luca Ferrara einfach mal ab - zack, 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Budan später. "Aber der Ball hatte andere Pläne." Nur zwölf Minuten später revanchierte sich Göran Nilsson für die Vorlage. Budan flankte diesmal mustergültig, und Nilsson nickte aus sechs Metern ein. 2:0 - das Publikum sang, Valencia betete um Halbzeitpause. Doch die Pause brachte keine Erlösung. Direkt nach Wiederbeginn (48.) erhöhte Rolando Martini nach schönem Zuspiel von Ferrara auf 3:0. Und als ob’s nicht genug wäre, legte derselbe Martini sieben Minuten später noch das 4:0 nach. Zwei Tore, zwei Mal eiskalt - und ein Stürmer, der danach meinte: "Ich hätte sogar noch Zeit gehabt, mir die Schuhe zuzubinden." Valencia versuchte irgendwie gegenzuhalten. In der 66. Minute ein Schuss von Miguel Quintana, in der 74. einer von Iban Fortun - beide Male eine sichere Beute für Torhüter Rui Alves, der ansonsten einen ruhigen Arbeitstag verbrachte. Seine größte Herausforderung war wohl, in der 70. Minute nicht einzuschlafen. In der Schlussphase gönnte Schneider seinen Stars eine Pause. Budan ging unter Applaus (60.) vom Platz, Alexander Almond kam - und holte sich prompt in der 85. Minute noch eine Gelbe Karte ab. "Ich wollte Präsenz zeigen", erklärte Almond trocken. "Der Schiri hat’s wohl anders gesehen." Die letzten Minuten verliefen im Schongang. Die Blancos spielten Ballbesitzfußball à la Lehrbuch, Valencia hoffte nur, dass der Schlusspfiff bald käme. Als es dann endlich vorbei war, standen 4:0 Tore, 23:2 Torschüsse und eine Tacklingquote von fast 60 Prozent zugunsten der Gastgeber zu Buche. Coach Schneider zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Das war solide. Wir hätten es noch klarer machen können. Aber gut, vielleicht heben wir uns was für nächste Woche auf." Valencias Trainer Schmidt hingegen suchte nach Erklärungen: "Wir wollten offensiv stehen, aber offenbar haben meine Spieler das mit ’offen’ verwechselt." Und tatsächlich: Die Defensive der Gäste wirkte stellenweise so löchrig, dass man fast durch die TV-Bilder den Windzug spüren konnte. Auf der Tribüne raunten Fans, sie hätten selten so ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Ferrara, Nilsson und Martini gesehen. Ferrara war an zwei Treffern direkt beteiligt, rackerte unermüdlich und hätte fast selbst getroffen, wenn nicht Valencias Keeper Javi Moreno mehrfach glänzend reagiert hätte - trotz der vier Gegentore war er noch der beste Mann seines Teams. "Wir hätten heute auch mit elf Abwehrspielern wohl zwei kassiert", meinte Valencia-Kapitän Lasse Breuer resigniert. "Madrid war einfach zu gut. Und wir zu höflich, sie zu stören." So endete ein Spiel, das nie wirklich spannend war, aber trotzdem unterhaltsam - zumindest für die, die Weiß trugen. Die anderen werden es als Lehrfilm in Sachen Raumaufteilung mitnehmen. Und als das Stadion leerte, hörte man einen älteren Fan murmeln: "Wenn das so weitergeht, brauchen die Blancos bald gar keinen Gegner mehr." Vielleicht hatte er recht. Denn an diesem Abend war Valencia mehr Staffage als Widerstand. Ein perfekter Abend für Madrid, ein bitterer für Valencia - und ein Fest für alle, die schönen Fußball mögen. 09.12.643987 04:30 |
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Rainer Calmund