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Es gibt Spiele, die so einseitig sind, dass man sich fragt, ob der Ball überhaupt beide Strafräume gesehen hat. Das Aufeinandertreffen zwischen Blancos Madrid und Atletic Barcelona an diesem 17. Spieltag der 1. Liga Spanien war genau so ein Fall - ein 1:0, das viel zu knapp für das war, was auf dem Rasen geschah. 46.138 Zuschauer im Estadio Blanco sahen 90 Minuten Dauerdruck der Hausherren, einen Torwart im Gasttrikot, der zum Helden reifte, und ein Atletic-Team, das offenbar beschlossen hatte, Fußball als Variante des Betonmischens zu interpretieren. Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, dass Blancos-Trainer Reto Klopfenstein seine Jungs mit dem Auftrag "Alles nach vorn!" in die Partie geschickt hatte. Die Statistik spricht Bände: 17 Torschüsse für die Blancos, null - richtig gelesen, null - für Atletic Barcelona. "Ich hatte kurz Angst, unser Keeper Age Nevland würde erfrieren da hinten", witzelte Klopfenstein nach Abpfiff. Stanko Sulejmani eröffnete den Reigen der vergebenen Chancen bereits in Minute 6, gefolgt von David Langlois (9.) und Marian Petrow (12. und 17.). Es war ein Feuerwerk - allerdings eins ohne Knall. Der überragende Gästetorwart Niels Nolte parierte, blockte, fischte und streckte sich, als wolle er seinen Lebenslauf aufpolieren. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Nolte später. "Wenn man so beschäftigt ist, vergisst man sogar, dass man hinten liegt." Zur Halbzeit stand es 0:0, was die Blancos-Fans mit einer Mischung aus Unglauben und Fassungslosigkeit hinnahmen. In der Pause versuchte Kapitän Maurice Hinz offenbar, das Team aufzuwecken. "Er hat uns gesagt, wir sollen uns vorstellen, der Ball sei ein Stück Pizza - dann treffen wir vielleicht endlich", verriet Jungspund Ezequiel Enrico lachend, der zur zweiten Hälfte eingewechselt wurde und später mit drei Abschlüssen auffiel. Die Gäste? Nun ja, sie taten, was sie tun konnten - nämlich verteidigen. Trainer Al Bundy, sonst für seine launigen Pressekonferenzen bekannt, blieb erstaunlich ernst: "Wir wollten kompakt stehen und auf Konter lauern. Leider haben wir den Teil mit dem ’Konter’ vergessen." Einmal musste er sogar verletzungsbedingt wechseln: Der junge Santiago Ruiz humpelte in der 64. Minute vom Feld, Billy Yeates übernahm. Dann schließlich - Minute 72 - die Erlösung: Der gerade erst eingewechselte Rolando Martini, 31, altgedienter Stürmer mit dem Charme eines Italo-Klassikers, fasste sich ein Herz. Nach einem klugen Pass von Maurice Hinz zog er von links nach innen und schlenzte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. 1:0! Das Stadion explodierte, und selbst Nolte konnte nur noch resigniert abwinken. "Ich hab den Ball nur noch riechen können", meinte der Torwart später trocken. Danach wurde es ruppiger: Sergio Viana sah erst Gelb (71.) und wenig später Gelb-Rot (81.). Die letzten Minuten spielten die Blancos also in Unterzahl - was aber nichts an der Kräfteverteilung änderte. Atletic blieb passiv, ja fast phlegmatisch. Selbst mit einem Mann mehr kam kein Schuss zustande. Ein Wunder, dass Schiedsrichter Ortega nicht einschlief. "Ich hatte das Gefühl, wir spielen gegen eine Mauer mit Trikots", sagte Torjäger Martini nach dem Spiel, während er sich das Siegerbier genehmigte. "Aber am Ende zählt nur, dass sie einmal gerissen ist." Trainer Klopfenstein lobte sein Team trotz der Chancenflut: "Wenn du 17-mal aufs Tor schießt, darfst du ruhig mal treffen. Ich bin stolz, dass wir’s wenigstens einmal geschafft haben." Atletic-Coach Bundy hingegen suchte Trost in der Philosophie: "Manchmal ist ein 0:1 fast ein Sieg - zumindest für meinen Blutdruck." Seine Spieler nickten, wohl wissend, dass sie einen Punkt nicht verdient gehabt hätten. Die Statistiker dürften das Spiel lieben: 59,5 Prozent Ballbesitz für die Blancos, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17 Schüsse - gegen null. Die Fans der Gastgeber hingegen dürften es eher als Geduldsprobe in Weiß erlebt haben. Und so ging ein Abend zu Ende, der weniger Spannung als Beharrlichkeit bot. Blancos Madrid holt die drei Punkte, Atletic Barcelona den Trostpreis für konsequentes Nichtstun. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Schöner Sieg. Aber nächstes Mal bitte zwei Tore, damit ich keine Herztabletten brauche." Ein gerechtes Ergebnis, ein verdienter Sieger - und ein Abend, an dem Fußball wieder einmal bewiesen hat: Dominanz ist keine Garantie für Tore, aber manchmal reicht ein einziger Moment Genialität. Und der hieß diesmal Rolando Martini. 01.12.643990 03:06 |
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