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Das Spitzenspiel des 13. Spieltags der 1. Liga Spanien hielt, was es versprach - zumindest für alle, die Weiß tragen. 39.460 Zuschauer im Camp Nou sahen einen frühen Schlag ins katalanische Herz, als Blancos Madrids Routinier Rolando Martini bereits in der dritten Minute zuschlug. Danach wurde es ein Abend, an dem SC Barcelona zwar viel wollte, aber wenig konnte - und am Ende mit 0:1 (0:1) in die Kabine der Selbstzweifel zurückkehrte. "Wir haben den Start komplett verschlafen", knurrte Barcelonas Trainer Thomas Göstl nach der Partie. "Da waren die Jungs offenbar noch in der Aufwärmphase, während Madrid schon Espresso trank." Espresso war es wohl nicht, aber was auch immer Martini und Co. vor Anpfiff zu sich genommen hatten, es wirkte. Nach einem schnellen Doppelpass über die rechte Seite legte Logan Edgecomb flach in den Strafraum - Martini sprintete heran und drückte den Ball humorlos ins untere Eck. Drei Minuten gespielt, 0:1 - und von da an war der Ton gesetzt. Blancos Madrid, von Anton Schneider taktisch klug auf Offensive und frühes Pressing eingestellt, ließ den Ball laufen, als sei er an einer Schnur befestigt. Ganze 17 Torschüsse feuerten die Gäste ab, während Barcelonas Statistik sich auf ganze einen einzigen ernsthaften Versuch beschränkte - den von Henri Celine in der 34. Minute, der jedoch elegant in Rui Alves’ Handschuhen landete. "Wir wollten heute mutig sein", erklärte Göstl später mit einem müden Lächeln. "Aber Mut ohne Zielwasser ist halt auch nur guter Wille." Tatsächlich wirkte sein Team bemüht, aber ohne Durchschlagskraft. Die jungen Wilden um Iban Alcazar und Nestor Camara spielten fleißig Kurzpässe quer durchs Mittelfeld, doch der Ball fand nie den Weg dorthin, wo es wirklich wehtut. Madrid dagegen hätte das Spiel schon früh entscheiden können. Rafael Meireles prüfte Barcelonas Keeper Vicente Rielo gleich mehrfach (28., 43., 60., 61., 62., 79.), doch der junge Torwart hielt mit stoischer Ruhe - und vielleicht auch einem Hauch Verzweiflung. Als Rielo nach der dritten Parade in Folge aufsprang und seine Vorderleute anbrüllte, hörte man deutlich sein "Wollt ihr mich hier alleine lassen?!". Im Mittelfeld zog Ari Nieminen die Fäden, während Evdoxios Donis aus der Innenverteidigung heraus nicht nur abräumte, sondern bei Standards selbst Torgefahr ausstrahlte. Dass ein Abwehrspieler mehr Schüsse aufs Tor abgab als das gesamte Barça-Team, sagt wohl alles über die Kräfteverhältnisse des Abends. Die zweite Halbzeit begann mit einem Doppelwechsel bei Barcelona: Matej Nemec und Xavier del Olmo kamen, Antonio Perez und Pau Butragueno mussten runter. Doch auch frische Beine halfen nichts. Del Olmo brachte immerhin ein wenig Feuer - und holte sich prompt Gelb (58.), als er Tomislav Budan rustikal stoppte. Bei Madrid wurde es gegen Ende ruppiger: Rolando Martini kassierte Gelb (71.), Sergio Viana gleich doppelt - erst die Verwarnung in Minute 83, dann in der Nachspielzeit Gelb-Rot (92.). "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte Viana nach dem Schlusspfiff, "aber der Ball wollte offenbar was anderes." Trainer Schneider grinste: "Sergio hat heute sehr körperlich gespielt - sagen wir’s mal diplomatisch." Als Bruno Mendes in der 77. Minute verletzt vom Platz humpelte und durch Jacinto Sainz ersetzt wurde, ahnte man kurz, dass die Blancos ins Wanken geraten könnten. Doch sie verteidigten mit der Routine einer Mannschaft, die weiß, dass 1:0-Siege manchmal die schönsten sind. "Das war nicht hübsch, aber effektiv", bilanzierte Schneider. "Wir haben früh getroffen, danach klug verwaltet. Was will man mehr?" - "Vielleicht zwei Tore mehr", warf Martini lachend ein, "aber man kann nicht alles haben." Barcelona dagegen bleibt mit leeren Händen und vielen Fragen zurück. Göstl sprach von "einem Lernprozess" und davon, "dass man manchmal auch aus Niederlagen wächst". Der Reporter neben ihm murmelte trocken: "Dann müssten sie schon ziemlich groß sein." Fakt ist: Mit knapp 50 Prozent Ballbesitz, aber nur einem einzigen Schuss aufs Tor, war der SC Barcelona an diesem Abend eher Statist als Hauptdarsteller. Blancos Madrid dominierte in fast allen Belangen - und hätte den Sieg deutlicher gestalten können, wenn nicht Rielo im Tor über sich hinausgewachsen wäre. So aber bleibt es beim knappen 0:1, einem frühen Tor und einer Menge vertaner Chancen. Für Madrid drei Punkte, für Barcelona ein bitterer Abend - und für die Zuschauer eine Erinnerung daran, dass Fußball manchmal kein Drama braucht, um spannend zu sein. Oder, wie ein alter Fan auf der Tribüne beim Verlassen des Stadions seufzte: "Früher hatten wir Messi. Heute haben wir Hoffnung." Und die, das wusste schon jemand anderes, stirbt bekanntlich zuletzt. 18.06.643987 00:49 |
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Wir spielen am Besten, wenn der Gegner nicht da ist.
Otto Rehhagel