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Blamage an der Themse: Manchester Blues gehen mit 0:4 unter

Es gibt Fußballabende, nach denen man lieber das Flutlicht ausschalten und den Ball verstecken möchte. Der gestrige für die Manchester Blues war so einer. 32.664 Zuschauer im heimischen Stadion sahen eine Lehrstunde in Effizienz und Entschlossenheit - gegeben vom FC Millwall, der die Blues mit 4:0 (3:0) geradezu zerlegte.

"Wir waren in jeder Hinsicht zu brav", seufzte Heimtrainer Daniel Kontsch nach dem Abpfiff, während er auf die Anzeigetafel starrte, als könne er das Ergebnis mit purem Willen ändern. Doch das 0:4 stand da in großen, gnadenlosen Ziffern - und es war noch schmeichelhaft.

Schon nach vier Minuten klingelte es zum ersten Mal: Millwalls Rechtsaußen Tyler Boyle setzte sich nach Vorarbeit von Christopher Thackeray durch und traf trocken ins lange Eck. Kaum hatte das Heimteam den Schock verdaut, folgte die nächste kalte Dusche. Wieder Boyle, diesmal nach Zuspiel von Daniel Darabont (14.). "Ich dachte, ich träume - zweimal so viel Platz in einem Premier-League-Spiel?", grinste Boyle später in die Kameras.

Die Blues wirkten in dieser Phase wie ein Team, das noch auf den Bus zur Partie wartete. Millwall dagegen spielte, als ginge es um die Meisterschaft. In Minute 25 krönte der 22-jährige Darabont seine starke Vorstellung, als er selbst einnetzte - erneut nach Vorlage von Thackeray. 0:3, und noch nicht einmal eine halbe Stunde gespielt. Manche Fans der Blues sollen da schon leise den Weg zur Wurstbude angetreten haben - vielleicht in der Hoffnung, dort wenigstens etwas Warmes zu bekommen.

Statistisch gesehen hatten die Blues sogar leicht mehr Ballbesitz (51 zu 49 Prozent). Doch was hilft das, wenn der Ball nur quer läuft und vorne niemand weiß, wo das Tor steht? Zwei Torschüsse in neunzig Minuten - das ist weniger Offensivgeist als ein durchschnittlicher Abwehrspieler beim Aufwärmen zeigt. Millwall dagegen kam auf 22 Abschlüsse, von denen vier den Weg ins Netz fanden.

Nach der Pause hofften die Blues-Fans auf ein Aufbäumen. Trainer Kontsch ließ das Team unverändert, vielleicht in der Hoffnung auf ein Wunder. Doch Millwall blieb eiskalt. In der 54. Minute schnürte Boyle seinen Dreierpack - diesmal nach feiner Flanke von Elliot Lockwood. Danach hätte Millwall noch erhöhen können, doch Torhüter Knud Gruber im Blues-Kasten verhinderte Schlimmeres.

"Wir haben einfach unser Spiel gespielt", erklärte Millwalls Coach Sonny Crocket mit einem zufriedenen Schulterzucken. "Wir wussten, dass die Blues viel Ballbesitz wollen. Uns war das recht - wir wollten Tore." Seine Mannschaft hielt sich exakt daran.

Die Blues dagegen suchten nach Erklärungen. Linksverteidiger Augustin Bratu, der in der 35. Minute Gelb sah, meinte: "Wir waren zu nett. Wenn du Boyle so frei lässt, bedankt er sich dreimal." Dass Bratu in der zweiten Halbzeit kaum noch nach vorne kam, lag auch daran, dass Lockwood und Thackeray ihn permanent beschäftigten - zwei Flügelspieler, die aussahen, als hätten sie doppelt so viel Sprit im Tank.

Mittelfeldmann Ophir Naot versuchte nach dem Spiel, etwas Humor in die Tristesse zu bringen: "Wenn man schon 0:4 verliert, sollte man wenigstens schön verlieren. Ich glaube, das haben wir nicht geschafft." Ein Satz, der die Partie treffend zusammenfasst.

Millwall präsentierte sich taktisch clever, defensiv geordnet und mit gnadenloser Zielstrebigkeit im Abschluss. Die Blues dagegen wirkten wie ein Orchester ohne Dirigent - viel Bewegung, wenig Musik. Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit höflichem Applaus, vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Respekt vor der eigenen Leidensfähigkeit.

Am Ende blieb den Blues nur die Erkenntnis, dass Ballbesitz kein Tor schießt und Schönspielerei nicht immer schön aussieht. Für Millwall dagegen war es ein Abend zum Feiern. Boyle nahm den Spielball mit nach Hause - "für meine Mutter, sie glaubt mir sonst nicht", witzelte er.

Trainer Crocket grinste breit: "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Wenn dabei vier Tore rauskommen, nehme ich das gern in Kauf."

Und so endete ein Abend, der für Manchester zum Albtraum, für Millwall zur Gala wurde. Die Blues müssen sich nun fragen, ob sie Fußball spielen oder ihn nur anschauen wollen. Der FC Millwall hat an diesem Abend jedenfalls beides getan - und zwar deutlich besser.

Schlusswort eines Zuschauers, der beim Hinausgehen kopfschüttelnd sagte: "Ich hab mehr Torschüsse beim Elfmeterschießen meiner Kinder gesehen." - Bitter, aber leider wahr.

27.08.643987 00:51
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Natürlich haben die beiden nicht mehr gezeigt als zu sehen war.
Erich Ribbeck
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