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Wer am Freitagabend im Estadio de los Vientos saß, bekam Sonne, Meerblick und 90 Minuten pure Fußballromantik serviert - sofern man unter Romantik versteht, dass Lanzarote CF 20 Mal aufs Tor schießt, Real Jaen zweimal, und am Ende ein 1:0 auf der Anzeigetafel steht. 33.835 Zuschauer sahen eine Partie, die so einseitig war, dass man fast Mitleid mit den Gästen bekam - wären sie nicht selbst schuld an ihrer Harmlosigkeit gewesen. Trainer Meister Leverkusen hatte sein Team von Anfang an offensiv ausgerichtet. "Wir wollten die Wellen nutzen, bevor sie brechen", scherzte er nach dem Spiel, während er sich mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn wischte. Und seine Jungs folgten der Anweisung: Schon nach 60 Sekunden prüfte Pierre Bisson den Gästetorwart Miguel Beto mit einem satten Schuss - der Beginn eines privaten Dauerduells. Bisson, gerade einmal 21, spielte, als hätte er 100 Erstligaspiele in den Beinen. In der 8. Minute zog Georg Heller aus der zweiten Reihe ab, wenig später James Young, dann wieder Bisson, O’Shea, Berg - die Liste der Chancen war so lang wie die Getränkekarte der Strandbar hinter der Haupttribüne. Real Jaen hingegen? Zwei zaghafte Versuche, einer davon aus 36 Metern. Die Statistik sagte am Ende: 20:2 Torschüsse, 51 zu 49 Prozent Ballbesitz. Wobei man hinzufügen muss, dass Jaen die 49 Prozent vor allem damit verbrachte, den Ball quer in der eigenen Hälfte zu spielen. "Wir hatten den Plan, Lanzarote früh zu pressen", erklärte Gästecoach Charly Huber mit einem gequälten Grinsen. "Aber dann war der Ball weg, bevor wir überhaupt vorne waren." Seine Mannschaft, taktisch als "offensiv" deklariert, zeigte allerdings die Aggressivität einer Siesta - laut Datenbank: aggressivity = WEAK. Passend. Zur Pause stand es 0:0, und im Stadion begann das Publikum schon, ironisch zu applaudieren. "Ich hab’ schon Angst, dass wir noch die Sonne untergehen sehen, bevor wir treffen", witzelte ein Fan mit Strohhut in der dritten Reihe. Doch dann kam die 65. Minute. Ulf Berg, bis dahin eher als Dauerläufer aufgefallen, flankte von rechts mit chirurgischer Präzision. In der Mitte lauerte - wer sonst - Pierre Bisson. Kopfball, Tor, Erlösung. 1:0. Das Stadion bebte, und Trainer Leverkusen riss die Arme in die Luft, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab Ulf zugerufen: ’Mach’s einfach mal!’ Und er hat’s einfach gemacht", grinste der Coach. Nach dem Treffer spielte Lanzarote weiter nach vorne, als wollten sie das Meer überrennen. Bisson schoss in der 77. und 81. Minute wieder, O’Shea prüfte Beto in der 84., Mendivil in der 87. - aber das zweite Tor wollte nicht fallen. "Wir hätten zehn machen können", sagte Bisson später. "Aber eins reicht auch, wenn’s das richtige ist." Real Jaen schaffte es derweil, in der 90. Minute noch einmal gefährlich zu werden. Fabian Schade zog aus halbrechter Position ab, doch Torwart Vincent Maurice hatte offenbar beschlossen, sein Trikot sauber zu halten - und fing den Ball sicher. Das war’s. Die letzte Szene gehörte Schiedsrichter Alvarez, der Rafael Estevo nach einem beherzten Tritt Gelb zeigte. Leverkusen winkte ab: "Rafa wollte nur zeigen, dass er auch noch da ist." Humor hatte er, und Anlass dazu ebenfalls. Am Ende ein verdienter Sieg - Lanzarote war das klar bessere Team, Jaen ein freundlicher Gast. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Helden mit Standing Ovations und sangen (nicht ganz textsicher) irgendwas von "Bisson, Bisson". Der junge Franzose verschwand lächelnd im Kabinengang, Ulf Berg klopfte ihm auf die Schulter: "Du bist schuld, dass wir morgen wieder laufen müssen." Ein Spiel, das weniger durch Spannung als durch Ausdauer glänzte - Lanzarote rennt, schießt, trifft einmal, gewinnt. Manchmal ist Fußball eben wie das Leben am Strand: viel Sand, viel Sonne, und irgendwann ein Moment, der alles lohnt. 17.10.643993 07:58 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)