// Startseite
| Dagbladet |
| +++ Sportzeitung für Norwegen +++ |
|
|
|
Eliteserien | 6. Spieltag | 22.09.26 | Bergen SK - Viking FK 1:1 12.095 Zuschauer waren am Dienstagabend um 20.30 Uhr gekommen und sahen eine Partie, die schon früh jede Andeutung von gepflegtem Abwarten über Bord warf. Nach gerade einmal sieben Minuten schlug Bergen zu: Bernardo Travassos vollendete nach Vorarbeit von Roger Flo zur Führung. Der rechte Angreifer musste dabei nicht lange überlegen - vermutlich die angenehmste taktische Entscheidung des Abends. "Wir wollten konzentriert beginnen. Das mit dem Tor war dann die besonders konzentrierte Version", soll Travassos nach dem Spiel mit einem Grinsen gesagt haben. Viking FK antwortete nicht etwa mit schlechter Laune, sondern mit Schüssen. Sehr vielen Schüssen. Uri Spiegler, gerade 18 Jahre alt, prüfte die Bergen-Abwehr in der Anfangsphase mehrfach und entwickelte sich zeitweise zur persönlichen Unruhequelle der Gastgeber. Die Gäste feuerten insgesamt 21 Torschüsse ab, Bergen kam auf fünf. Wer ausschließlich diese Statistik betrachtet, könnte meinen, Viking habe den Ballbesitz ebenfalls gleich mitgemietet. Doch weit gefehlt: Bergen kontrollierte 53,25 Prozent der Spielzeit den Ball, Viking FK kam auf 46,75 Prozent. Fußball ist eben der einzige Sport, in dem man den Gegenstand fast die ganze Zeit besitzen kann und trotzdem froh sein muss, wenn er nicht ständig auf das eigene Tor zufliegt. Bergen agierte taktisch ausgewogen, ohne aktives Pressing und mit dem erklärten Vorsatz, nur aus guten Positionen abzuschließen. Viking FK trat offensiver auf, suchte zunächst über die Flügel den Weg nach vorne und schien den Begriff "Torschuss" eher als Einladung denn als Option zu verstehen. In der 17. Minute sah Bergens Solveig Hoiland die Gelbe Karte, zwanzig Minuten später wurde Viking-Verteidiger Ezequiel de la Fuente verwarnt. Das Spiel blieb intensiv, aber nicht außer Kontrolle. Kurz vor der Pause belohnte sich Viking für den Druck. In der 43. Minute traf Dominique La Barre zum 1:1, Amaury Goncalves lieferte die Vorarbeit. Bergens Torhüter Henning Halvorsen hatte bis dahin reichlich Beschäftigung, während sein Gegenüber Gunnar Fjortoft den ersten Durchgang vermutlich mit deutlich weniger Adrenalin absolvierte. "Wir hatten genug Chancen für mehr als ein Tor", sagte Viking-Trainer Markus Frey anschließend. "Aber Bergen hatte den Ball. Vielleicht haben wir uns gedacht, dass wir ihn nicht brauchen, solange wir ihn aufs Tor schießen." Nach dem Seitenwechsel wechselte Frey dreimal. Unter anderem kamen Diego Barbosa, Ilie Ghionea und der junge Per Gulbrandsen ins Spiel; Uri Spiegler und Walter Molgaard gingen vom Feld. Viking stellte das Angriffsspiel etwas breiter auf, später wurde sogar aktives Pressing angeordnet. Das Ergebnis: weitere Chancen, weitere Versuche - aber kein weiterer Treffer. Ole Berntsen, Marcin Domarski, Diego Barbosa und La Barre tauchten immer wieder gefährlich vor dem Bergen-Tor auf. Bergen hielt dagegen, verteidigte mit größerem Zweikampfaufwand und kam bei der Tackling-Quote dennoch nur auf 44,05 Prozent. Viking lag mit 55,95 Prozent vorn, hatte dafür aber am Ende lediglich einen Punkt in der Tasche. "Wir haben heute sehr viel ausgehalten", sagte ein Bergen-Spieler in der Mixed Zone. "Nach dem Abpfiff war die größte Chance des Abends wahrscheinlich die, endlich duschen zu dürfen." So blieb es beim 1:1. Bergen nimmt einen Punkt aus einem Spiel mit, in dem der Gegner 16 Torschüsse mehr abgab. Viking FK fährt mit dem Gefühl nach Hause, eigentlich alles versucht zu haben - außer offenbar, den Ball ein zweites Mal über die Linie zu bringen. 23.09.2026 09:51 |
Sprücheklopfer
Unter den Einäugigen ist der Dreibeinige der König.
Rainer Calmund