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Berbatow schießt Kottingbrunn zum späten Sieg in Kärnten

Es war ein kalter, klarer Januarabend in Klagenfurt, als 26.020 Zuschauer im Wörthersee-Stadion Zeugen eines jener Spiele wurden, die man später mit einem Schulterzucken und den Worten "Hätten sie nur eine ihrer Chancen genutzt" zusammenfasst. SC Kärnten verlor am 17. Spieltag der 1. Liga Österreich mit 0:1 gegen Kottingbrunn - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet gerecht war, emotional aber weh tat.

Von Beginn an war Feuer drin. Schon in der ersten Minute prüfte Kottingbrunns 18-jähriges Talent Hartmut Kopp Kärntens Torhüter Sean Cort mit einem wuchtigen Schuss, den der Keeper gerade noch aus dem Winkel fischte. "Ich wollte gleich zeigen, dass wir nicht zum Skifahren hergekommen sind", grinste Kopp nach dem Spiel. Das verstand Kärnten als Einladung zum Tanz: In den folgenden Minuten antworteten Velazquez, Ackland und Deco mit eigenen Abschlüssen - alle gefährlich, keiner drin.

Trainer Max MacDonald, bekannt für seine britische Gelassenheit, stand in der Coaching-Zone und kaute auffällig lange auf einem Kaugummi. "Wir waren gut drin, vielleicht zu gut", meinte er später sarkastisch. "Manchmal schießt du aufs Tor, manchmal nur auf die Statistiktafel."

Statistisch gesehen war das Spiel zunächst ausgeglichen. Kärnten kam auf sieben Torschüsse, Kottingbrunn hingegen auf doppelt so viele. Beim Ballbesitz hatten die Gäste die Nase leicht vorn (54,6 Prozent). Es war ein Lehrbuchbeispiel für ein Spiel, in dem der eine will, der andere aber trifft.

Kurz vor der Pause wurde es hektisch: Kärntens rechter Verteidiger Timm Kirsch sah in der 18. Minute Gelb, sein Kollege Marco Di Carlo kurz vor dem Halbzeitpfiff ebenso. Kottingbrunns rechte Seite um Jonas Hennig machte ordentlich Druck, bis jener in der 38. Minute nach einem Zweikampf liegen blieb - Muskelverletzung. Der erfahrene Carlos Coluna kam für ihn, grinste beim Einlaufen und rief seinem Trainer Goldfinger zu: "Jetzt wird’s brasilianisch!" Und tatsächlich: Mit Coluna kam Schwung.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Kärnten suchte verzweifelt den Abschluss, Kottingbrunn lauerte auf den einen Moment. Und der kam in der 74. Minute. Manfred Sonntag, der unermüdliche Motor im Mittelfeld, legte auf den frei stehenden Georgi Berbatow ab. Der Bulgare zog aus 18 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. 0:1. Das Stadion verstummte für einen Moment, nur die rund 150 mitgereisten Kottingbrunner Fans jubelten, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

"Ich hab einfach draufgehalten", sagte Berbatow später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstverständnis pendelte. "Sonntag hat’s mir perfekt aufgelegt. Er hätte das Tor auch selbst machen können, aber er meinte wohl, ich soll mal wieder treffen." Trainer Goldfinger nickte zufrieden: "Das war der Plan - irgendwann einer von Georgi. Hat halt bis zur 74. gedauert."

Kärnten versuchte danach alles, doch dann kam es noch dicker: In der 78. Minute sah Timm Kirsch nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. "Ich schwöre, ich hab den Ball gespielt", rief er in Richtung des Unparteiischen, während er Richtung Kabine trottete. Der Ball antwortete leider nicht.

Mit einem Mann weniger war Kärnten chancenlos. Velazquez probierte es in der 75. Minute noch einmal wuchtig, doch Kottingbrunns Schlussmann Mika Vuorinen parierte stark. Danach spielte die Goldfinger-Elf die Zeit clever herunter - mit langen Bällen, robustem Zweikampfverhalten und einem Schuss nordischer Kälte.

"Wir haben verdient gewonnen", bilanzierte Goldfinger nüchtern. "Nicht schön, aber effektiv. Und effektiv ist in dieser Liga das neue schön." MacDonald dagegen suchte Trost im Galgenhumor: "Wenn wir so weitermachen, wird das nächste Spiel sicher 0:0. Fortschritt, oder?"

Kottingbrunn jubelte über drei Punkte, die sie in der Tabelle weiter nach oben schieben. Kärnten hingegen muss sich fragen, warum sieben Torschüsse und 45 Prozent Ballbesitz nicht einmal für ein Tor reichten. Vielleicht, weil man manchmal zu sehr will. Oder weil das Tor einfach zu klein scheint, wenn man 26.000 enttäuschte Blicke im Rücken hat.

Am Ende blieb nur der Applaus der Fans, die ihre Mannschaft trotz Niederlage mit einem "Kärnten, Kärnten"-Chor verabschiedeten. Und vielleicht war das das schönste Tor des Abends - eines, das im Herzen fiel, nicht im Netz.

23.07.643987 11:11
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