Anpfiff
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Beilngries dreht das Spiel - Reichert schießt Weiler ins Tal der Tränen

Es war ein Freitagabend, wie ihn Beilngries lange nicht erlebt hatte: Flutlicht, 6000 Zuschauer, Bratwurstduft in der Luft - und am Ende ein 3:2-Sieg gegen Weiler im Allgäu, der den Fans noch auf dem Heimweg ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte. Dabei sah es zur Pause alles andere als rosig aus für die Gastgeber.

Schon nach zwei Minuten hatte Nevio Beto, der unermüdliche Taktgeber im Mittelfeld, den Ball nach einer butterweichen Vorlage von Milan Burkhardt ins Netz gedroschen. Die Zuschauer jubelten noch, da meinte ein älterer Herr auf der Tribüne: "Des wird heut a lockere G’schicht." Tja - weit gefehlt.

Denn Weiler im Allgäu, mit Coach Mino Raiola (nein, nicht der Berater, aber auch ein Mann mit klaren Worten) an der Seitenlinie, zeigte, dass sie nicht nur zum Wandern ins Altmühltal gekommen waren. In der 15. Minute traf der 19-jährige Claudiu Ungureanu nach einem Freistoß von Ronald Bertram aus dem Gewühl heraus - 1:1. Und kurz vor der Pause setzte Jannick Fritsch, ebenfalls 21 Jahre jung, noch einen drauf. Nach einem Pass von Michael Siebert versenkte er den Ball eiskalt ins rechte Eck. 1:2, Halbzeit, und ein ungläubiges Murmeln ging durchs Stadion.

"Ich hab in der Kabine gesagt: Jungs, das war jetzt der Weckruf, kein Wecklied", verriet Beilngries-Trainer Andreas Tiefenbach später mit einem Schmunzeln. Offenbar hatte er die richtigen Worte gefunden. Denn nach dem Seitenwechsel trat seine Mannschaft auf, als hätte sie in der Pause Espresso intravenös bekommen.

In der 54. Minute war es wieder Nevio Beto, der mit Übersicht das Spiel auf die rechte Seite verlagerte. Dort lauerte Oliver Reichert - und der traf mit einem satten Schuss zum 2:2-Ausgleich. Reichert, 31 Jahre alt, spielte an diesem Abend wie ein Spieler, der vergessen hatte, dass er eigentlich Flügelspieler ist und nicht Mittelstürmer.

"Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu viel denkst, geht der daneben", grinste der Doppeltorschütze später. Und er sollte noch einmal treffen: In der 71. Minute schlenzte er, diesmal nach Vorarbeit von Janos Fogl, den Ball unhaltbar ins lange Eck. 3:2 - die Hütte tobte.

Von Weiler kam danach nicht mehr viel. Zwar versuchte Jannick Fritsch in der 79. Minute noch einmal, Torwart Ivan Brito zu prüfen, doch der Beilngrieser Schlussmann war auf dem Posten. Insgesamt verzeichnete Beilngries 20 Torschüsse, Weiler dagegen nur 9 - Zahlen, die das Spiel treffend zusammenfassen. Auch der Ballbesitz sprach mit 58 zu 42 Prozent klar für die Gastgeber.

"Wir haben’s in der zweiten Halbzeit einfach laufen lassen - im besten Sinne", sagte Tiefenbach. "Die Jungs hatten Spaß, und wenn du Spaß hast, läuft der Ball." Auf der Gegenseite war Mino Raiola weniger begeistert: "Wir waren 45 Minuten die bessere Mannschaft, aber Fußball dauert leider 90. Heute haben wir das wieder gelernt."

Eine Szene blieb besonders hängen: In der 68. Minute, kurz vor Reicherts Siegtreffer, schoss Andre Herzog gleich dreimal innerhalb von zwei Minuten aufs Tor - alle drei Male geblockt. Nach dem dritten Versuch rief er Richtung Tribüne: "Irgendwann muss der doch rein!" - und bekam von einem Fan die Antwort: "Lass’s halt den Olli machen!" Gesagt, getan.

Dass Beilngries taktisch weitgehend ausgewogen spielte, war kein Zufall. Die Mannschaft blieb ihrer Linie treu - Flügelspiel, ruhiger Aufbau, kein wildes Pressing. Weiler hingegen versuchte es offensiv, aber ohne die nötige Durchschlagskraft. Vielleicht lag’s daran, dass die jungen Wilden aus dem Allgäu nach der Pause zu viel wollten und zu wenig fanden: Räume, Präzision, Glück.

Als Schiedsrichterin Anja Lichtenberg nach 94 Minuten abpfiff, fiel die Umarmung zwischen Beto und Reichert herzlich aus - ganz so, als hätten die beiden gerade ein Pokalfinale gewonnen. "Naja", meinte Reichert später, "für uns war’s das heute irgendwie auch."

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem der FC Beilngries den Fußball zelebrierte, Weiler tapfer kämpfte und die Zuschauer das bekamen, was sie am liebsten haben: Tore, Spannung, Emotionen - und eine Mannschaft, die sich nach Rückstand nicht hängen ließ.

Zum Schluss noch ein Satz eines Fans, der beim Hinausgehen in sein Handy sprach: "Wenn der Reichert so weitermacht, brauch ma bald a Denkmal am Marktplatz." Ganz Beilngries würde wohl nicht widersprechen.

15.10.643990 21:31
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