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Es war einer dieser Abende in Tiverton, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott gerade ein Nickerchen macht oder einfach nur Humor beweist. 39.016 Zuschauer hatten sich am 33. Spieltag der 1. Liga England im Tiverton-Stadion versammelt, um ihre Mannschaft zu unterstützen - und sahen, wie die Margate Reds mit einem späten Doppelschlag alle Hoffnungen auf Punkte zunichtemachten. Am Ende hieß es 0:2 (0:0), und wer nur das Ergebnis liest, könnte glauben, es sei eine klare Angelegenheit gewesen. Doch das wäre zu einfach. Tiverton kämpfte, rannte, grätschte - und flog. Genauer gesagt: Roger Burton flog. In der 61. Minute sah der 20-jährige Mittelfeldmann nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen, ehrlich!", beteuerte er später mit einem Blick, der irgendwo zwischen Unschuld und schlechtem Gewissen lag. Trainer Andi Lipa kommentierte trocken: "Vielleicht war der Ball einfach zu schnell für Roger." Bis zu diesem Platzverweis verlief das Spiel erstaunlich ausgeglichen. Margate hatte zwar mehr Ballbesitz (51,8 Prozent) und schoss aus allen Lagen (18 Torschüsse), doch Tiverton hielt mit jugendlichem Elan dagegen. In der 14. Minute versuchte Gustav Kristensen - 18 und mutig wie ein Labradorwelpe - sein Glück aus der Distanz. Der Ball flog Richtung Tribüne, wo ein Zuschauer ihn elegant mit dem Bierbecher stoppte. Szenenapplaus inklusive. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Margate das Tempo. Trainer Ata Lameck hatte zur Pause zweimal gewechselt, brachte frische Beine und offenbar auch die Ansage: "Schießt endlich!" Der rechte Flügel wurde zur Startbahn für Benjamin Beglin, 24 Jahre jung und an diesem Abend in blendender Form. Er feuerte aus allen Winkeln - Minuten 50, 60, 68, 72, 75, 76, 91 - die Statistikmaschine kam kaum hinterher. "Ich dachte irgendwann, der Ball muss doch mal rein", lachte Beglin später. "Und siehe da - der siebte Versuch war’s." In der 75. Minute war es dann soweit: Billy Henderson, der 20-jährige Spielmacher, steckte den Ball fein durch, Beglin zog ab - 0:1. Das Stadion verstummte, nur die rund 800 mitgereisten Margate-Fans jubelten, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Tiverton versuchte zu reagieren, aber in Unterzahl fehlte die Kraft. Ramon Guillen probierte es noch zweimal, in der 65. und 80. Minute, doch Margate-Keeper Joshua Hannigan blieb aufmerksam. Als die Nachspielzeit anbrach, war es wieder Beglin, der zuschlug. Diesmal nach Pass von Noah Eliot, der im Mittelfeld die Fäden zog wie ein erfahrener Puppenspieler. 91. Minute, 0:2 - die Entscheidung. Beglin rannte jubelnd zur Eckfahne, formte ein Herz in die Luft und wurde beinahe von seinen Teamkollegen erdrückt. "Ich wollte eigentlich nur durchatmen", grinste er später, "aber dann lag plötzlich die halbe Mannschaft auf mir." Tiverton-Coach Andi Lipa wirkte nach dem Schlusspfiff erstaunlich gefasst: "Wir haben viel investiert, aber Margate war abgezockter. Und ehrlich gesagt: Beglin war heute einfach besser als unser gesamter Sturm zusammen." Ganz ohne Ironie war das wohl nicht gemeint. Margates Trainer Ata Lameck, der das Spiel meist mit verschränkten Armen verfolgte, zeigte sich zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben lange gebraucht, um den Rhythmus zu finden. Doch am Ende war’s ein verdienter Sieg. Und Benjamin? Wenn er so weitermacht, muss ich ihm bald das Schießen verbieten - sonst verlangt er noch Torprämien." Die Statistiken gaben ihm recht: 18 zu 5 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz - Margate war in allen Belangen das reifere Team. Tiverton dagegen zahlte Lehrgeld, vor allem durch Burtons Platzverweis, der das Spiel endgültig kippen ließ. Nach dem Spiel verließen die Fans das Stadion mit gemischten Gefühlen. Einige klatschten ihre jungen Spieler trotzdem ab. Ein älterer Herr in Vereinsjacke murmelte: "So jung, so wild, so chancenlos." Ein anderer konterte: "Warte ab, in fünf Jahren reden wir anders." Vielleicht hat er recht. Für den Moment aber gehört der Abend den Margate Reds - und ihrem Angreifer Benjamin Beglin, der sich mit zwei Treffern in die Herzen seiner Fans schoss und Tiverton Town eine bittere Lektion in Effizienz erteilte. Oder, um es mit den Worten eines euphorischen Margate-Fans zu sagen, der sich nach Abpfiff in die Kamera drängte: "Wir sind nicht schön, aber wir treffen!" - Und das zählt bekanntlich im Fußball am meisten. 13.04.643990 16:25 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei