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Es war ein Abend, an dem die Farbe Rot in Rehovot dominierte - auf den Tribünen, auf dem Rasen und im Gesicht von Trainer John Porno, als der Schlusspfiff ertönte. 40.000 Zuschauer im Stadion sahen ein intensives, stellenweise hitziges Derby zwischen den Rehovot Reds und den Ramat Gan Reds, das die Gastgeber am 13. Spieltag der 1. Liga Israel mit 2:1 für sich entschieden. Schon nach vier Minuten bebte die Arena. Andre Beaulieu, der 33‑jährige Rechtsaußen aus Kanada, nahm einen Traumpass von Kian Preston volley - und hämmerte den Ball ins rechte Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Beaulieu später, "aber dann dachte ich: Warum nicht gleich Geschichte schreiben?" Trainer Meir Yatom sah das wohl ähnlich, denn er riss die Arme hoch, als hätte er die Meisterschaft gewonnen. Ramat Gan wirkte in diesen ersten Minuten wie ein Team, das noch auf den Bus wartete. Kaum hatte man sich gesammelt, klingelte es erneut: In der 22. Minute war es wieder Beaulieu, diesmal nach einer Ecke von Meir Vilnai, der am zweiten Pfosten lauerte und die Kugel über die Linie drückte. 2:0 - und die Fans sangen schon vom sicheren Sieg. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht gelegentlich den Drehbuchautoren Hollywoods Konkurrenz machte. Nach der Pause kam Ramat Gan mit frischem Mut - und einem Wechselbad aus Wut und Wille. Trainer Porno hatte in der Kabine offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen so tun, als wäre das Training," verriet er später mit einem bitteren Lächeln. "Leider trainieren wir meistens ohne Gegner." In der 49. Minute war es dann soweit: Der 21‑jährige Jason Probst, bislang eher als Dauerläufer denn als Torjäger bekannt, traf nach feinem Zuspiel von Haluk Sismanoglu zum 2:1. Plötzlich witterten die Gäste Morgenluft. Die Offensive rollte, das Pressing griff - zumindest phasenweise. Probst selbst sagte danach: "Ich habe einfach die Augen zugemacht. Und als ich sie wieder öffnete, war der Ball drin. Vielleicht sollte ich das öfter so machen." Rehovot wankte kurz, fiel aber nicht. Mit 15 Torschüssen gegenüber sieben der Gäste und leichtem Ballbesitzvorteil (53,8 %) hielten die Männer von Yatom das Spiel unter Kontrolle. Auffällig war vor allem das Kurzpassspiel im Mittelfeld, wo Bojan Komljenovic und Xavier Gutierre das Tempo bestimmten. Und immer wieder Beaulieu - wie ein roter Blitz über die rechte Seite, stets gefährlich, manchmal auch ein bisschen übermotiviert. "Wenn er noch mehr läuft, muss ich ihm einen GPS‑Tracker einpflanzen", witzelte Yatom nach dem Spiel. In der Schlussphase wurde es ruppig. Vilnai kassierte in der 39. Minute eine Gelbe Karte für ein rustikales Einsteigen, später erwischte es auf der Gegenseite den jungen Matti Majak (67.). Zwischenzeitlich hatte Rehovots Verteidiger Antonio Deco bei einem seiner Vorstöße beinahe das 3:1 erzielt - sein Schuss in der 59. Minute rauschte aber knapp über die Latte. Ramat Gan wechselte noch dreimal, brachte unter anderem den 18‑jährigen George Crawford und später Ami Sapir, doch die Wende blieb aus. Die Rehovoter Defensive - angeführt vom abgeklärten Vilnai und einem souveränen Torhüter Manuel Izquierdo - ließ nichts mehr anbrennen. Als Schiedsrichter Ben Sharir nach 94 Minuten abpfiff, schallte "Rehovot, Rehovot!" durch die Nacht. Beaulieu wurde zum Mann des Abends gewählt, und während er sich die Schweißperlen aus der Stirn wischte, meinte er: "Ich bin 33, aber heute hab ich mich wie 23 gefühlt - außer vielleicht in der 80. Minute." Trainer Yatom hingegen blieb gewohnt trocken: "Wir wollten ruhig bleiben, haben aber gleich in der vierten Minute ein Tor gemacht - das war natürlich völlig gegen den Plan." Sein Kollege Porno fasste das Spiel mit Galgenhumor zusammen: "Wir haben die zweite Halbzeit gewonnen. Leider zählt das nicht doppelt." So bleibt unterm Strich ein verdienter Sieg für Rehovot, das mit dieser Leistung den Anschluss an die Spitzengruppe wahrt. Ramat Gan, bemüht aber ineffizient, muss sich mit der Erkenntnis trösten, dass man ein Spiel nicht in der zweiten Halbzeit beginnt. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan, während er sein Bier austrank: "Zwei Rote, ein Sieger - das ist wie bei meiner Ehe. Nur dass hier wenigstens einer Tore schießt." Ein Abend voller Tempo, Witz und Emotionen - und ein Derby, das wieder einmal bewies, dass in Rehovot Fußball nicht gespielt, sondern gelebt wird. 07.06.643987 00:29 |
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Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
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