Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

Barrow und die Piraten teilen die Beute - ein 1:1 voller Wendungen

Es war ein stürmischer Abend im Holker Street Stadium, und das nicht nur wegen des Windes, der die Eckfahnen waagerecht wehen ließ. 63.000 Zuschauer - man fragt sich, wo Barrow die alle untergebracht hat - sahen ein Spiel, das in seiner Dramaturgie irgendwo zwischen britischer Geduld und mediterranem Temperament pendelte. Am Ende stand ein 1:1 zwischen Barrow AFC und den Bristol Pirates, das beiden Seiten ein wenig schmeckte, aber niemanden wirklich satt machte.

Trainer Ingo Königs hatte sein Barrow-Team zunächst im gewohnten Kontermodus eingestellt: kompakt, geduldig, fast schon zenartig. Die Pirates unter ihrem Coach Phi Ung dagegen kamen mit offenem Visier, "offensive alignment" nennt man das im Taktiksprech. Oder, wie Ung es nachher formulierte: "Wir wollten sie überrollen. Hat fast geklappt. Nur leider sind sie nicht umgefallen."

Die erste Halbzeit war ein Lehrstück britischer Zurückhaltung. Acht Torschüsse pro Team sollten es am Ende werden, aber bis zur Pause sah das Publikum vor allem viel Mittelfeldgeplänkel, ein paar engagierte Grätschen und eine Gelbe Karte für Bristols Innenverteidiger Roman Trojan, der Barrows Stürmer Vazquez umtrat, als wolle er ihm den Namen aus dem Trikot treten. "Ich rutschte einfach", erklärte Trojan später mit einem unschuldigen Lächeln, das ungefähr so glaubwürdig wirkte wie ein Steuerparadies auf den Falklandinseln.

Dann aber, in der 60. Minute, die Explosion: Everhart Derrick, der flinke Linksaußen der Pirates, bekam den Ball von Owen Hannigan, ließ zwei Barrow-Verteidiger stehen wie Verkehrshütchen und schoss trocken ins lange Eck. 1:0 für Bristol, und plötzlich war das Stadion still - oder zumindest so still, wie 63.000 leicht frustrierte Menschen sein können. "Ich dachte, der Ball geht drüber", grinste Derrick später. "Aber dann hörte ich das Netz singen."

Vier Minuten später antwortete Barrow - und wie! Ari Lampi, der laufstarke Finne auf der rechten Seite, tankte sich durch, legte scharf nach innen, und Cesar Vazquez drosch den Ball humorlos unter die Latte. 1:1, Stadion wieder wach, Ingo Königs mit der Faust in der Luft. "Wir haben Charakter gezeigt", sagte der Trainer später, "und ein bisschen Glück, dass Cesar diesmal nicht auf den Parkplatz gezielt hat."

Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Vazquez wirbelte weiter, probierte es in der 69. und 73. Minute erneut, während Bristols Javier Costinha in der 82. Minute noch einmal gefährlich wurde, aber Barrow-Keeper George Beecroft parierte mit einer Flugeinlage, die jeden Vogelkundler begeistert hätte.

Taktisch blieb’s spannend: Barrow zog in der Schlussphase etwas an, stellte auf aktives Pressing um - selten genug -, während die Pirates weiter nach vorn marschierten, als stünden sie kurz vor der Plünderung eines Hafens. Doch der Siegtreffer blieb beiden verwehrt.

Nach Abpfiff schien keiner so recht zu wissen, ob er sich freuen oder ärgern sollte. Phi Ung meinte in der Pressekonferenz trocken: "Ein Punkt auswärts ist okay. Aber wir hatten Chancen genug, um die Fähre mit drei zu besteigen." Ingo Königs konterte mit seinem typisch norddeutschen Humor: "Wir hätten auch verlieren können. Dann lieber unentschieden. Spart Nerven und Alkaseltzer."

Statistisch betrachtet war’s ein ausgeglichenes Duell: 53 Prozent Ballbesitz für Barrow, 47 für Bristol, je acht Torschüsse, Zweikampfquote fast pari. Nur bei der Lautstärke der Fans hatte Barrow klar die Nase vorn - was wohl auch daran lag, dass die Pirates-Fans ihr Rumfass lieber im Bus ließen.

So blieb es beim 1:1 - einem Ergebnis, das gerecht, aber keineswegs langweilig war. Es hatte Tempo, Emotion, ein bisschen Theatralik und genug Gesprächsstoff für den Pub danach.

Oder, wie Barrows Torschütze Cesar Vazquez beim Hinausgehen murmelte, als ihn ein Fan nach einem Selfie fragte: "Heute war keiner der Held. Aber wenigstens haben wir alle gespielt, als wäre’s wichtig."

Und das war es dann ja auch - zumindest für die 63.000, die sich den Regen von der Stirn wischten und dachten: Fußball kann manchmal ganz schön schön sein, wenn er einfach nur ehrlich unentschieden endet.

24.12.643990 06:55
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts.
Rainer Calmund
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager