Football Today
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Barrow überrollt die Blues - ein 5:2, das keiner kommen sah

Es gibt Fußballabende, da passt einfach alles: Flutlicht, Kampfgeist und ein Publikum, das jede Grätsche bejubelt, als wäre sie ein Tor. Der 26. Spieltag der 1. Liga England bot genau so einen Moment - und zwar in Barrow. Vor 51.779 Zuschauern verwandelte Barrow AFC das eigene Stadion in ein Tollhaus und schickte die favorisierten Manchester Blues mit einem 5:2 nach Hause.

Dabei hatte alles ganz harmlos begonnen. In der 15. Minute schien das Drehbuch noch den üblichen Verlauf zu nehmen: Die Blues kombinierten elegant, Riley Bosworth legte quer, und der 18-jährige Sean Lester drosch das Leder aus halblinker Position zum 0:1 ins Netz. "Ich dachte, das wird ein entspannter Abend", murmelte Blues-Coach Daniel Kontsch später mit leerem Blick. Tja, dachte er.

Barrow aber antwortete mit der Energie einer Mannschaft, die offenbar vergessen hatte, dass sie Außenseiter ist. In der 22. Minute zirkelte Mittelfeldmotor Freddie Hannigan nach Vorlage von Adam Lankford den Ball ins linke Eck - 1:1, und plötzlich bebte das Stadion. "Da habe ich gemerkt, dass hier was geht", grinste Hannigan später, noch halb im Adrenalinrausch.

Doch Manchester schlug zurück: Der schnelle Bradley Thuringer brachte die Gäste nach 34 Minuten erneut in Führung, nach feiner Vorarbeit von Kian Dewey. Trainer Ingo Königs an der Seitenlinie reagierte darauf mit einer Geste, die irgendwo zwischen Kopfschütteln und philosophischer Gelassenheit anzusiedeln war. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Spaß", erzählte er nach der Partie - und sein Team nahm das offenbar wörtlich.

Kurz vor der Pause stellte der agile George Monroe, gerade erst 19 Jahre alt, nach erneuter Vorlage von Lankford den Ausgleich her. 2:2 zur Halbzeit - und das Gefühl, dass hier noch einiges passieren würde.

Nach dem Seitenwechsel zog Barrow das Spiel an sich. Obwohl Manchester mit 53 Prozent Ballbesitz mehr vom Spiel hatte, wirkten die Blues zunehmend ideenlos, während Barrow in jedem Zweikampf zupackte. 21 Torschüsse gegenüber vier der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. "Die haben uns einfach aufgefressen", gab Blues-Kapitän Jamie Anderson unumwunden zu.

Die Entscheidung fiel spät, aber dann umso krachender. In der 84. Minute belohnte sich der überragende Adam Lankford selbst für sein Spiel: Nach Pass von Benjamin Huxley schlenzte er den Ball ins rechte Eck - 3:2. Keine zwei Minuten später schnürte der 36-jährige Altmeister Alfie Ross, eben erst eingewechselt, das 4:2. "Ich wollte eigentlich nur die Uhr runterspielen", lachte Ross im Interview. "Aber wenn der Ball kommt, sag ich doch nicht nein."

Und als wäre das noch nicht genug, setzte Benjamin McGowan in der 87. Minute den Deckel drauf - nach feiner Vorarbeit von Owen Gage. Innerhalb von drei Minuten hatte Barrow drei Tore erzielt und Manchester komplett zerlegt. Die Blues wirkten ratlos, die Zuschauer hingegen ungläubig glücklich.

In den letzten Minuten drückte Barrow sogar weiter, als wollte man demonstrieren, dass fünf Tore eigentlich das Minimum seien. "Ich hab ihnen zugerufen, sie sollen jetzt mal aufhören", witzelte Trainer Königs später. "Aber sie haben mich wohl nicht mehr gehört - zu laut war’s."

Statistisch betrachtet war es ein Spiel, das die Lehrbücher sprengt: Weniger Ballbesitz, aber doppelt so viele gewonnene Zweikämpfe, ein Pressing, das gegen Ende des Spiels immer bissiger wurde, und eine Offensive, die jede Chance nutzte. Selbst Manchester-Coach Kontsch blieb am Ende nur Galgenhumor: "Wir haben den Ball gut laufen lassen - leider meistens quer."

Für Barrow war es ein Sieg der Leidenschaft, der Jugend und des unerschütterlichen Willens. Für die Blues dagegen ein Abend, an dem das eigene Kurzpassspiel an Barrows rustikalem Pragmatismus zerschellte.

"Wir sind keine Stars, wir sind Malocher", sagte Hannigan nach dem Spiel, während er sich das Trikot über den Kopf zog. "Und manchmal gewinnen die Malocher eben auch 5:2."

Ein bisschen Pathos darf man also schon: Barrow AFC, der Klub aus dem Norden, der gegen die großen Namen selten glänzen darf, hat an diesem Abend gezeigt, dass Fußball kein Besitzrecht der Großen ist. Und irgendwo auf der Tribüne, zwischen Pommesduft und kaltem Wind, saß vielleicht ein kleiner Junge, der dachte: Wenn Barrow das kann, kann ich das vielleicht auch.

Am Ende blieb nur Staunen - und ein leises Lächeln bei Coach Königs, der in die Nacht hinaus sagte: "Manchmal ist der Ball eben rund, und manchmal rollt er in unsere Richtung."

16.11.643987 01:05
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