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Barrow tanzt Stoke City aus - Ein Abend voller Überraschungen und alter Helden

Wenn 50 586 Zuschauer im Barrow Community Stadium gleichzeitig aufspringen, dann hat das selten mit einem verunglückten Einwurf zu tun. Am Dienstagabend aber stand das Stadion Kopf - und zwar gleich dreimal. Barrow AFC besiegte Stoke City in einer einseitigen Partie mit 3:0 (1:0) und zeigte dabei Fußball, der in seiner Konsequenz und Spielfreude selbst die altehrwürdigen Tribünen erzittern ließ.

Schon in den ersten Minuten wurde klar: Die Gastgeber hatten keine Lust auf Geduldsspiel. Barrow-Coach Ingo Königs ließ offensiv aufstellen, Alfie Ross - 36 Jahre jung, aber mit der Agilität eines College-Freshmans - eröffnete den Sturmlauf bereits in der ersten Minute mit einem satten Schuss aufs Tor. "Ich wollte gleich zeigen, dass wir da sind. Und ehrlich gesagt: Ich dachte, der geht schon rein", lachte Ross später, als er mit einem Becher heißer Schokolade in der Mixed Zone stand.

Stoke City dagegen wirkte, als hätte der Mannschaftsbus auf dem Weg in den Norden die Motivation an einer Tankstelle vergessen. Nur ein einziger Torschuss in 90 Minuten - das spricht Bände. Trainer Horst Fiedler versuchte es mit offensiver Ausrichtung und aktivem Pressing, doch seine Elf kam weder in die Zweikämpfe (nur 41 % gewonnen) noch in die Köpfe. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte Fiedler nach dem Spiel, "aber Barrow hat einfach jeden zweiten Ball gewonnen. Manchmal steht man eben auf der falschen Seite der Statistik."

In Minute 34 war es dann soweit: Nach einer flachen Hereingabe von Nelio Djalo zimmerte Ross den Ball in bester Mittelstürmer-Manier ins Netz - 1:0. Der Jubel war laut, aber noch nicht ekstatisch. Dafür sorgte die zweite Halbzeit. Direkt nach Wiederanpfiff, 47. Minute, legte der 21-jährige Owen Gage nach. Adam Lankford hatte sich auf der linken Seite durchgetankt, Gage tanzte seinen Gegenspieler aus und schob eiskalt ein. "Ich hab vorher zu Adam gesagt: Wenn du den Ball flach spielst, mach ich ihn rein. War wohl prophetisch", grinste der Youngster.

Spätestens jetzt war Stoke City gebrochen. Die Gäste wechselten gleich dreimal zur Pause - Grantham, Denizli und Yeates kamen, um das Unheil zu stoppen. Es half nichts. Barrow dominierte Ballbesitz (61 %) und Raum, als wäre es ein Trainingsspiel. Der erfahrene Mittelfeldstratege Djalo verteilte die Bälle mit chirurgischer Präzision, während die Verteidigung um Musgrave und Fournier den Laden hinten zuschraubte. Nur einmal, in der 84. Minute, tauchte Stoke gefährlich vor dem Tor auf - Pedro Ruy prüfte Ersatzkeeper Finlay Densham, der zur zweiten Halbzeit für George Beecroft gekommen war. Mehr kam nicht.

Dann die 88. Minute - der Moment, in dem die Geschichte rund wurde. Ausgerechnet Alexandru Georgescu, 19 Jahre jung und frisch eingewechselt, traf nach Vorlage von Ross zum 3:0-Endstand. Der Teenager sank auf die Knie, Ross hob ihn lachend hoch. "Alfie hat mir vorher gesagt: Lauf einfach nach, der Ball kommt schon. Ich dachte, er veräppelt mich", so Georgescu mit schelmischem Grinsen.

Königs, der sich sonst als Mann des Understatements gibt, konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: "Wir haben heute gezeigt, dass Erfahrung und Jugend wunderbar zusammenpassen. Alfie ist unser Wein, der mit dem Alter besser wird. Und Alexandru? Der ist der Frizzante dazu."

Die Zahlen untermauern das Spektakel: 21 Torschüsse, 60 % Ballbesitz, drei Tore, eine Gelbe Karte (Musgrave, 62.) - Barrow spielte mit einer Leichtigkeit, die man in dieser Liga selten sieht. Stoke hingegen: ein Schuss, eine Gelbe Karte (Ruy, 91.) und viele fragende Gesichter.

Nach dem Spiel verabschiedeten sich die Fans mit Standing Ovations. Ross wurde gefeiert wie ein Popstar, Gage tanzte mit dem Maskottchen, und Trainer Königs klopfte jedem Spieler auf die Schulter, als hätte er gerade das Champions-League-Finale gewonnen.

"Wir bleiben auf dem Boden", sagte er noch, während er mit einem Augenzwinkern den Presseraum verließ. "Aber wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald Sauerstoffmasken für die Höhenluft da oben in der Tabelle."

Und während die Flutlichter erloschen, blieb das Gefühl, dass in Barrow an diesem Abend etwas gewachsen ist - zwischen einem 36-jährigen Stürmer, einem 19-jährigen Rechtsverteidiger und 50 000 euphorisierten Fans, die noch nicht nach Hause wollten. Manche Siege sind eben mehr als nur drei Punkte. Sie sind kleine Fußballmärchen mit britischem Humor und nordenglischem Herz.

07.09.643987 00:46
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